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Katholische Büchereien - ein Auslaufmodell?

Katholische Büchereien - ein Auslaufmodell?

Klein, aber mit viel Inhalt: In katholischen öffentlichen Büchereien finden Leseratten in Trier viel Lesestoff zum Ausleihen - und das umsonst. Aber einige Büchereien sind in den vergangenen Jahren geschlossen worden. Die fünf in Trier verbliebenen sind umso mehr gefordert, die Herausforderung anzunehmen und zum Treffpunkt der Gemeinden zu werden. Der TV gibt einen Überblick.

Trier. Wer auf der Suche nach aktuellem Lesestoff ist, ob für Kinder, Jugendliche oder Erwachsene, der findet in der Stadtbibliothek Palais Walderdorff eine riesige Auswahl vor. Dies gilt auch für viele weitere Medien wie Hörbücher, Musik-CDs und DVD-Roms. Daneben gibt es in Trier aber auch zahlreiche kleinere Büchereien. So bieten viele Kindergärten und Schulen ihre eigene Auswahl an Büchern an - Gelegenheit für die Kinder, auf spannende und unterhaltsame Weise ans Lesen herangeführt zu werden.
Auch zwei Trierer Krankenhäuser haben Büchereien: das Mutterhaus der Borromäerinnen und das Marienkrankenhaus in Trier-Ehrang. Sie werden überwiegend von den Patienten und dem Personal genutzt.
In einigen Trierer Stadtvierteln gibt es noch kleine katholische Büchereien. Haben diese heute noch eine Überlebenschance? Zwei haben in den letzten Monaten ihre Pforten für immer geschlossen - die katholischen Büchereien Herz Jesu in Trier-Süd und St. Helena in Euren. Auch eine evangelische Gemeindebücherei gibt es seit ein paar Jahren nicht mehr. Gelegentlich würden jedoch Leseveranstaltungen angeboten, teilt Pfarrer Guido Hepke mit.
Fünf katholische öffentliche Büchereien (Köb) hat Trier noch. Die drei größeren werden von der Fachstelle für Büchereiwesen des Bistums betreut: St. Matthias in Trier-Süd, St. Agritius in Trier-Ost und St. Peter in Ehrang. St. Bonifatius in Kürenz und St. Martin im Maarviertel sind kleinere Stadtteilbüchereien.
Die Köb bieten den Anwohnern kostenlosen und zumeist aktuellen Lesestoff in fußläufiger Entfernung, oft auch weitere Unterhaltungsmedien wie CDs, Kassetten und Hörbücher. Darüber hinaus sind viele von ihnen Treffpunkte in der Gemeinde, in denen man sich aufhalten und miteinander ins Gespräch kommen kann - dies umso mehr, wenn sie gut erreichbar sind sowie über ausreichend Platz und attraktive Öffnungszeiten verfügen.
"Wir beraten die Büchereien und bieten Aus- und Fortbildungen an", sagt Dorothee Steuer, die die Fachstelle leitet. Insgesamt drei Bibliothekarinnen unterstützen die Köb im ganzen Bistum etwa in Raumfragen, bei der EDV-Einführung, bei der Veranstaltungsplanung oder auch bei Problemen. Die Ergänzungsbücherei im Medienladen beim Nordbad stellt den Büchereien rund 25 000 Medien zur Verfügung, darunter Bücher für alle Altersgruppen, Hörbücher, DVDs und Brettspiele, die diese bis zu einem halben Jahr kostenlos ausleihen können. Eine weitere befindet sich im Saarland. "Sie werden von den Büchereien sehr gerne genutzt", sagt Dorothee Steuer. Leider würden sie im Rahmen der Sparpläne des Bistums Ende 2014 geschlossen.
Umso wichtiger werde die Kommunikation und Kooperation der Büchereien untereinander, vor allem der Austausch von Medien. Auch Sonderzuschüsse für die Büchereien seien vorgesehen.
Katholische Stadtteilbüchereien - langfristig ein Auslaufmodell? "Die Büchereien, die sich auf den Weg machen, haben auch in Zukunft gute Chancen", meint die Bibliothekarin. "Es ist wichtig, neue Medien anzuschaffen: Die Nachfrage regelt das Angebot." Die Büchereien bekommen für ihren Unterhalt ein Grundbudget der Kirchengemeinde; über Sponsoren und Zuschüsse werden weitere Mittel rekrutiert. Kreativität ist gefragt: "Die Einrichtungen leben davon, dass Veranstaltungen gemacht werden, dass Atmosphäre geschaffen wird", sagt Dorothee Steuer. "So werden sie zu einem attraktiven Treffpunkt für die Gemeinde."