Kein Chauffeur mehr auf Rezept

Kein Chauffeur mehr auf Rezept

HERMESKEIL/TRIER/SCHWEICH. Taxifahrten zum Arzt oder ins Krankenhaus bezahlen die Krankenkassen seit dem 1. Januar nur noch in Ausnahmefällen. Taxiunternehmen in ländlichen Regionen bringt das in schwierige, mitunter existenzbedrohliche Situationen.

Mit dem Taxi von der Haustür bis zum Arzt: Was auf den ersten Blick wie purer Luxus wirkt, ist für viele in ihrer Mobilität eingeschränkte Menschen bittere Notwendigkeit. Chronisch Kranke und Menschen mit geringem Einkommen konnten sich bislang von der Zuzahlung bei Medikamenten befreien lassen - und bekamen auf Anordnung des Arztes die Taxifahrt zur Praxis oder zum Krankenhaus bezahlt. Die Krankenfahrten waren für viele Taxiunternehmen auf dem Land die Haupteinnahmequelle. "Ich rechne mit Umsatzeinbußen zwischen 30 und 50 Prozent", sagt Elisabeth Müller, Inhaberin eines Taxiunternehmens in Saarburg-Beurig. "Wir fahren meist ältere Menschen, Witwen mit kleiner Rente, Leute, die auf dem Bau gearbeitet haben, Winzer und Landwirte. Wenn die selber zahlen sollen, fahren sie nicht mehr." Die Unternehmerin hofft auf die Ausnahmegenehmigungen, die erteilt werden können. Müller: "Bis sich das einspielt, wird es hart. Ich denke, dass wir das erste Halbjahr schwer zu knabbern haben werden." Trotz der düsteren Prognose will die Unternehmerin abwarten: "Wir haben bis jetzt nichts reduziert, wir wollen die ersten zwei, drei Monate sehen, wie sich das Geschäft entwickelt. Eventuell veräußern wir dann ein Auto." Taxiunternehmer in der Stadt sind von den Krankenfahrten nicht so abhängig wie ihre Kollegen auf dem Land. Keine Sorgen macht sich Alice Franken von der Firma Taxikomm aus Trier. "Das wird sich in einigen Monaten wieder einpendeln, ich sehe da kein Problem", meint sie. "Die Dialysepatienten bleiben ja sowieso befreit." Selbst aktiv geworden ist Harald Römer aus Hermeskeil, zusammen mit seinem Bruder Markus Inhaber der Firma Taxi Römer. "Für uns auf dem Land waren Krankenfahrten das Hauptgeschäft", berichtet er. Zwischen 70 und 80 Prozent am Umsatz hätten sie ausgemacht. "Vielleicht wird sich die Situation zur Jahresmitte wieder normalisieren, wenn die Patienten Anträge gestellt haben", sagt der Unternehmer. "Noch sind die Ärzte und Patienten aber nicht richtig informiert." Um das zu ändern, verteilen die Taxiunternehmer Merkblätter in Arztpraxen und Altenheimen, in denen erklärt ist, wie die Patienten eine Krankenfahrt beantragen müssen. Trotz des Einsatzes bleibt die Unsicherheit, wie es mit dem 1937 gegründeten Familienunternehmen weitergehen soll. Römer: "Wir haben schon ein bisschen Angst, mein Vater, mein Bruder und ich. Wir müssen aber erst einmal abwarten, wir können ja jetzt nicht die Autos abmelden."

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