Kein Hitzefrei im Straßenbau

Kein Hitzefrei im Straßenbau

TRIER. Sommer, brütende Hitze. Autos und LKW donnern über den Asphalt. Die Luft über der Hornstraße beginnt zu flirren. Es gibt es kaum Passanten. Nur einige Männer mit orangefarbenen Westen und entblößten Oberkörpern trotzen dem Wüstenklima. Triers Straßenbauer sind auch in den Sommermonaten aktiv.

Der Schweiß perlt Rudi Staudt über die Stirn. Die gebräunten Muskeln glänzen im gleißenden Sonnenlicht. Doch der 37-Jährige liegt nicht etwa im Freibad und genießt den Sommer. Er und sein Team arbeiten und haben noch lange keinen Feierabend. Zwischen sechs Uhr morgens und den frühen Nachmittagsstunden ist der stellvertretende Vorarbeiter mit seiner Kolonne dabei, die Schäden und Schlaglöcher in Triers Straßen zu flicken. "Das ist das ideale Wetter für die Arbeit mit Bitumen", sagt er lächelnd. "Gerade bei kleineren Arbeiten, die per Hand ausgeführt werden, sind die hohen Temperaturen von Vorteil. Das Material härtet während des Transportes nicht so schnell aus und der Untergrund ist trocken", erklärt Günter Kimmlingen vom städtischen Tiefbauamt. Das 120 bis 180 Grad Celsius heiße Asphaltgutgemisch, die Sommerhitze und die orangefarbene Sicherheitskleidung aus Kunstfasern lassen den Schweiß nur so aus allen Poren schießen. Doch die Arbeitsbedingungen scheinen den Männern wenig anzuhaben. "Harte Männer braucht das Land", sagt Staudt, der den Knochenjob auf Triers Straßen seit 17 Jahren macht. "Das sind alles junge Burschen hier, die müssen das aushalten." Obwohl sich einige Autofahrer beschweren, dass sie durch das Baustellen-Nadelöhr gebremst würden, habe die Arbeit aber auch schöne Seiten. "Es kommen auch schon mal Anwohner, die sich darüber freuen, dass wir die Löcher flicken", sagt Staudt. Einer sei so froh gewesen, dass der Lärm von durch Schlaglöcher holpernde Fahrzeuge nachts nicht mehr so groß war, und er endlich wieder ruhig schlafen konnte, dass er den Straßenbauern etwas zu trinken spendiert hat. Kevin Herresthal, Auszubildender im zweiten Lehrjahr, ist mit 18 Jahren einer der Jüngsten im Team. "Es ist schon anstrengend und am heißesten, das Bitumen abzuziehen. Aber wir wechseln uns bei den verschiedenen Arbeiten ab, und es gefällt mir, schwer zu arbeiten. Natürlich träumt man davon, dass es kühler ist, und manchmal wäre ich lieber im Schwimmbad. Aber sich das T-Shirt auszuziehen und viel Wasser zu trinken, hilft auch gegen die Hitze." Bis zu sechs Liter Sprudel verbraucht die Straßenbauerkolonne bei den hohen Temperaturen am Tag pro Kopf. "Und man träumt von einem leckeren großen Eis zur Erfrischung", verrät Staudt. "Hitzefrei hat es für uns noch nicht gegeben. Auch keine Extra-Prämien. Wir haben harte Tage hinter uns, aber das bringt der Beruf eben so mit sich", nimmt er es gelassen. Die Stimmung im Team ist gut, "und es gibt immer auch etwas zu Lachen", sagt Herresthal. Nach Feierabend sei dann aber auch Schluss mit körperlich anstrengenden Arbeiten. "Viele von uns ziehen sich dann in ihre Kleingärten zurück, und die jungen Mitarbeiter entspannen im Freibad."

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