Kein Lärmschutz trotz Lärms

Bei einer Bürgerversammlung zum Thema Straßenlärm haben sich die eingeladenen Bundes- und Landtagsabgeordneten darauf geeinigt, gemeinsam gegen die Belastung vorzugehen. Dem Podium mit neun Fachleuten und Politikern saßen nur wenige Gäste gegenüber.

Trier-Ehrang. Ortsvorsteher Günther Merzkirch (CDU) hatte alles daran gesetzt, sämtliche beteiligten Ämter und zuständigen Politiker an einen Tisch zu bekommen. Das gelang ihm im Ehranger Bürgerhaus: Der Bundestagsabgeordnete Bernhard Kaster (CDU) war eigens aus Berlin nach Trier geeilt, und die Landtagsabgeordneten Ingeborg Sahler-Fesel (SPD) sowie Arnold Schmitt (CDU) waren dabei. Mit ihnen auf dem Podium saßen Vertreter der Stadt, des Landesbetriebs Mobilität (LBM), der Berufsfeuerwehr und der Polizeiinspektion Schweich. Schließlich bewegt das Thema Lärm durch die B 52, B 53 und A 602 seit Jahren den Ortsbeirat, der immer wieder Beschwerden von Anwohnern beispielsweise aus der Servaisstraße, dem Wallenbachtal oder der Schlossstraße aufgreift.
Umso unverständlicher sei die geringe Beteiligung, bedauerte Merzkirch. Nur zwei Dutzend Gäste waren zu der Versammlung gekommen, davon die Hälfte Mitglieder der CDU- und SPD-Fraktionen aus dem Ortsbeirat. Ehrang habe sich zu einem "maßgeblichen Verkehrsknotenpunkt" entwickelt, erklärte Guido Wacht, Abteilungsleiter im LBM, und belegte seine Aussage mit entsprechendem Zahlenmaterial. Der Verkehr werde nach Prognosen bis 2025 sogar noch weiter zunehmen. Dass das Problem komplex ist und eines umfassenden Konzeptes bedarf, wurde bei der Aufzählung der Gründe deutlich: der Öffnung der Grenzen, Globalisierung, Pendlerströme und auch der vom Verbraucher erwarteten individuellen schnellen Lieferung von Waren.
Trotz der zweifellos vorhandenen Belastung für Anlieger würden nach Berechnungen derzeit alle Lärmgrenzwerte eingehalten, so dass es keinen Anspruch auf Lärmschutz oder Lärmvorsorge gebe, sagte Wacht. Denkbare Lösungen fanden die Politiker in der Nordumfahrung (einer Direktverbindung von A 64/B 52 mit A 1) und in freiwilligen Lärmsanierungsmaßnahmen (Kaster), über Lärmgutachten, da die gesundheitlichen Risiken von Lärm belegt seien (Sahler-Fesel) oder in Geschwindigkeitsbeschränkungen (Schmitt).
Neben den "großen Schritten" müsse man auch "kleine Schritte" gehen, mahnten die Zuhörer: Straßenbeläge sanieren, Radarkontrollen einführen oder beispielsweise den Lärmschutzwall an der Schlossstraße erhöhen. Mithin alles Maßnahmen, die der Ortsbeirat seit Jahren erfolglos verfolgt. Daher ein Lichtblick: Die Politiker waren sich einig, bei der Lösung des Problems parteiübergreifend "dicke Bretter zu bohren" und der Versammlung weitere Gespräche folgen zu lassen.