Kein Leben ohne Mozart
TRIER. Er hat die Arbeitsgemeinschaft Neue Musik am Trierer Auguste Victoria-Gymnasium gegründet und 1992 das Collegium Musicum der Volkshochschule übernommen. Und obwohl längst pensioniert, bleibt Klaus Risch musikalisch weiter aktiv.
Ganz heimisch fühlt sich Klaus Risch immer noch nicht. Dem Besucher erklärt er schon an der Schwelle die Mängel seiner Behausung - ein Garten drei Meter tiefer und trotz der optischen Idylle Lärm rundherum. "Rohe Gewalt" sei es gewesen, die ihn, den Mainzer aus dem Jahrgang 1939, 1967 nach Trier verschlagen habe. Das sagt er mit einer Mischung aus Ernst und sorgfältig dosierter Selbstdarstellung. Und vergisst nicht, hinzuzufügen, dass er gerade wegen seiner guten Abschlussnoten in der Stadt Konstantins landete.Eine frühe Liebe zu komplexen Klangformen
So begann Klaus Risch am Trierer Auguste-Viktoria-Gymnasium seine Zeit als Musiklehrer. Und startete - nein, nicht so sehr seine Trierer Musikerkarriere - eher die stetige Integration ins Trierer Musikleben. 1969 trat er der "Camerata instrumentale" bei und stellte sich als qualifizierter Fagottist ins Rampenlicht. Mit Stolz weist er darauf hin, dass er seither bei allen, wirklich allen Oratorien-Aufführungen in Trier mitgewirkt hat. Wer 1939 geboren wurde, hat Krieg und Nachkriegszeit in einem Alter erlebt, in dem sich Erinnerungen besonders nachhaltig ausprägen. Bei Klaus Risch, der bei den Großeltern aufwuchs, war es vielleicht der Wagner-begeisterte Großvater, der das erste Interesse weckte. Und doch, zumindest aus der Rückschau scheint es, als sei die Liebe zur Musik von frühester Kindheit angelegt gewesen gewesen. Von Anfang an könne er sich an eine Sehnsucht nach komplexeren Klangformen erinnern, sagt er. Popmusik habe er schon mit fünf Jahren abgelehnt, mit acht Jahren die Liebe zur Bachschen Matthäuspassion entdeckt, mit zwölf seine erste Schallplatte erworben - mit Bach. Und dann das Fagott entdeckt. Dieses Instrument hat sich zum wichtigsten Bezugspunkt entwickelt. Von dort aus erschließt sich die Barockmusik, erschließt sich Bach, erschließt sich vor allem Mozart, der in seinen Opern und Klavierkonzerten so betörende Fagottpartien geschrieben hat. Zweifellos stand das Fagott mit seiner breiten Ausdrucksspektrum von der Seriosität bis zur Groteske auch Pate bei der Gründung der "Arbeitgemeinschaft Neue Musik am Auguste Viktoria Gymnasium", mit der Risch Neue Musik an die höhere Lehranstalt brachte und zugleich Schüler zum Musizieren führte, die dem klassischen Instrumentarium fremd gegenüber standen. Und auch das "Collegium musicum des Trierer Bildungszentrums", das er 1992 übernahm und das kürzlich das 20. Konzert unter seiner Leitung gab, hat vom Fagottisten Risch profitiert. Denn der brachte Bläser mit, und seither hat sich aus einem Streicher-Collegium ein regelrechtes Sinfonieorchester entwickelt. Risch hat im Musikunterricht am Gymnasium selbstverständlich die ganze Breite des aktuellen Musiklebens behandelt. Aber nach seiner Pensionierung vor zwei Jahren widmet er sich seinen künstlerischen Vorlieben. Musik bleibt ein wichtiges Lebenszentrum - in der geistigen Beschäftigung wie in der instrumentalen Praxis. "Wenn ich morgen freiwillig aufhören würde, Musik zu machen, wäre ich tot", sagt er, und man spürt: das ist nicht einfach dahergeredet. Und darum kehrt Klaus Risch nicht nach Mainz zurück. Dort wäre er ein verdienstvoller Pensionär. In Trier ist er unverzichtbarer Teil eines Musiklebens, das bei ihm auch ein Leben für die Musik ist. Jetzt, und wenn alles gut geht, noch viele Jahre.