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Kein Recht auf Heiterkeits-Verzicht

Kein Recht auf Heiterkeits-Verzicht

Selten hat es in der Tufa Trier einen so vielfältig unterhaltenden Abend gegeben wie den Auftritt des Satirikers Wiglaf Droste mit seiner Band "Das Spardosen-Terzett". Satirisch und mit überzeugend gespieltem Jazz verpackt, brachten die Künstler die Lyrik von Peter Hacks (1928-2003) auf die Bühne und begeisterten damit das Publikum.

Trier. Der Ostwestfale Wiglaf Droste ist eine der produk tivsten und illustresten Figuren unter den deutschen satirischen Autoren. 2003 erhielt er den Ben Witter-Preis für gesellschaftskritischen Humor, 2005 den Annette-von Droste-Hülshoff-Preis für seine Texte, die die Jury als "sprachliche Kabinettstückchen von hohem literarischen Rang" lobte. Als grob und polarisierend empfundene Angriffe brachten ihm auch schon einige Konflikte ein.

Seine Bissigkeit bleibt beim Auftritt in der Tufa zunächst außen vor. Zu Beginn gibt's als Chansons vertonte Liebeslyrik von Peter Hacks, Texte, die Profanes mit an Wilhelm Busch erinnerndem Humor benennen: "Die ideale Liebe muss nicht stets im Bette enden, besser wärs, sie täts." Damit stellen sich Droste als Sänger und die Mitglieder des "Spardosen-Terzetts", Rainer Lipski (Piano, Gitarre), Micky Nehar (Schlagzeug), Kai Struwe (Bass, Mundharmonika) und Lars Kublinski (Trompete), als erstklassige Jazzmusiker vor, die in packenden Latino-Rhythmen ebenso zu Hause sind wie in kessem Swing.

So aufgewärmt, entwickelt Droste eine Einführung in Leben und Werk des mit dem Bühnenstück "Ein Gespräch im Hause Stein über den abwesenden Herrn von Goethe" (1974) weltbekannt gewordenen Peter Hacks. Mit sprachlich geschliffenen Texten über den Lyriker, Epiker und Essayisten, der 1955 in die DDR ging, mit Originalzitaten und Musik gerät sie höchst unterhaltsam. Vor allem entwirft Droste ein so plastisches Bild, dass man nur auf eine Geistesverwandtschaft schließen kann. Die tritt im zweiten, zuerst als Lesung gestalteten Teil des Abends denn auch deutlich zutage.

Hacks Äußerung "Einem Menschen mit Humor kommt das Leben komisch vor", findet Widerhall in Drostes eigenen gereimten und Prosa-Anekdoten über Alltägliches, zum Beispiel einer pointierten "Haarspalterei" über "haarige" Friseursalon-Namen wie "Hairforce one", "chaarisma" oder "Kathaarstrophal".

Und dann wird's richtig bissig, mit "Grauen, das überall da ist, wo es als Normalität ausgeschenkt wird". Droste lästert über Nordic Walking als "Sport des organisierten Gebrechens" oder zieht über die Brandenburger her, die Durchreisende mit dem Anblick von Plastikostereiern an "reimresistente Forsythien" quälen. Das Publikum kann sich vor Lachen nicht halten.

Spätestens jetzt ist auch klar, was Droste mit dem 2003 verstorbenen Hacks verbindet und beiden Umstrittenheit eingebracht hat: Kompromisslosigkeit der eigenen Sichtweise gepaart mit messerscharfer sprachlicher Präzision und formvollendetem Stil einer klassisch inspirierten Ästhetik. So wie Droste laufen auch seine Bandkollegen zu Hochform auf, heizen beispielsweise mit dem als "Vogelheim" umgedichteten Klassiker "Birdland" ein und ernten jede Menge Applaus, auch für solistische Glanzleistungen. Erst nach etlichen Zu gaben geht der originelle, ebenso mitreißend wie anspruchsvoll unterhaltende Abend zu Ende.