Keine Extras für Trierer

TRIER/BOLIVIEN. (red) Neun junge Erwachsene aus dem Bistum Trier besuchten im August die bolivianischen Partnerorganisationen des Bundes der deutschen katholischen Jugend (BDKJ) im Bistum Trier.

Zwei Frauen und sieben Männer sind in der Jugendarbeit des Bistums Trier haupt- und ehrenamtlich engagiert und haben sich bereits in Vorbereitungsseminaren mit der Geschichte und politischen Situation des Partnerlandes Bolivien auseinander gesetzt, bevor sie im August in verschiedenen Kleingruppen vier Wochen lang Land und Leute erleben konnten. Dabei gab es für die Trierer Gäste kein Extraprogramm, sondern sie waren hautnah mit der Lebenssituation der jungen Menschen in Bolivien konfrontiert. Martina Freise, Leiterin der Reise, berichtet: "Es gab für uns Deutsche absolut kein Extraprogramm, wir kamen mit unserer Kleingruppe bei den Mädels - mit uns zu dreizehnt - im Schlafsaal unter, sind mit ihnen um halb sieben aufgestanden, haben mitbekommen, wie ein normaler Schultag aussieht und wie Wäsche gewaschen wird - ohne Maschine natürlich. Bei der Feldarbeit durften wir versuchen, mit einem Ochsen das Feld zu pflügen."Vielseitiges Engagement für Bolivien

Um den Kindern und Jugendlichen in den ländlichen und sehr armen Regionen Boliviens Ausbildungsmöglichkeiten zu eröffnen, organisiert der BDKJ Trier bereits im 40. Jahr die Bolivienkleidersammlung, bei der die Erlöse aus dem Verkauf der Altkleider der Unterstützung von Internaten und Ausbildungszentren zu Gute kommen. Jährlich beteiligen sich bistumsweit 10 000 Jugendliche und junge Erwachsene an der Sammlung. Die Stiftung Solidarität und Freundschaft Chuquisaca-Trier ist neben der Nationalen Jugend- und Berufungspastoral Boliviens (PJV) eine der Partnerorganisationen und betreibt 40 Zentren für 2000 Kinder und Jugendliche. Das Bemühen um die gesunde und ausreichende Ernährung der Schüler konnte die BDKJ-Delegation hautnah erleben - auch dort gab es für die Deutschen keine Ausnahmen, wie Martina Freise zu berichten weiß: "Wir haben das mitgegessen, was sie essen. Auch wenn gesüßter Sellerietee eine seltsame Erfahrung und Überwindung bedeutet, wir haben fünf Tage ohne Leitungswasser gelebt, weil dieses gerade mal wieder nicht funktionierte. Und wir haben erlebt, was für Steine den Verantwortlichen für die Zentren vom Herzen fallen, wenn endlich ein Lastwagen mit Lebensmittel von den örtlichen Behörden ankommt."Lebensfreude und kulturelle Vielfalt

Neben diesem täglichen Kampf um Bildung und Ernährung konnte die Gruppe aber auch die Lebensfreude und die kulturelle Vielfalt der Menschen in Bolivien erfahren: "Wir sind früh morgens Rosenkranz betend über staubige Straßen gepilgert. Wir durften bei einem Ritual für die Pachamama (Mutter Erde) dabei sein. Ihr wurden Chicha (ein Maisbier) und Cocablätter geopfert. Beeindruckend waren die vielen, vielen kulturellen Nächte, die uns geboten wurden. Abende, an denen uns die Bolivianer Tänze aus den verschiedenen Regionen des Landes vorgeführt haben. Nicht selten waren wir eingeladen mitzutanzen!" Am Ende der Reise waren sich alle einig: "Das Engagement in der Bolivienpartnerschaft lohnt sich - für uns und für die jungen Menschen in Bolivien!" Die Hilfe für Bolivien wird gefördert durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.