Keine Kameras auf Triers Friedhöfen - Immer wieder klagen Hinterbliebene über Diebstähle und Schäden

Keine Kameras auf Triers Friedhöfen - Immer wieder klagen Hinterbliebene über Diebstähle und Schäden

Sie stehlen Grabschmuck, leben ihre Zerstörungswut aus und verursachen hohe finanzielle und unmessbare emotionale Schäden. Diebe und Vandalen schlagen auf den Friedhöfen zu - vor allem auf dem Hauptfriedhof. Der Ruf nach höherer Sicherheit wird lauter, doch Polizei und Stadtverwaltung sehen kaum Möglichkeiten.

Die Wut spricht aus jeder Zeile des kurzen Schreibens. "In den letzten Tagen wurden mehrmals Sachen vom Grab meiner Oma geklaut", schreibt TV-Leserin Jasmin M. und betont: "Wir möchten uns das nicht gefallen lassen und wollen andere Trauernde und Hinterbliebene warnen." Mit ihrer Empörung ist sie nicht allein.
Martha Eckert pflegt die Grabstätten ihres Mannes und ihres Bruders auf dem Hauptfriedhof und wird noch deutlicher: "Es ist eine wirklich schreckliche Gemeinheit, die Gräber zu verunstalten", sagt sie. "Was haben die Täter denn davon, wenn sie Blumen, Kränze und Kerzen mitnehmen?" Fünfmal habe sie beide Gräber 2016 neu schmücken müssen.

Aktuell klagen mehrere TV-Leser über Diebstähle von den Gräbern ihrer Angehörigen. Nicht jeder erstattet Anzeige bei der Polizei. "Dann habe ich ja noch mehr Aufwand", heißt es dann. "Das bringt ja doch nichts" - auch dieses Argument taucht auf.
Die Forderung nach stärkeren Kontrollen und mehr Sicherheit kommt immer wieder. Einen Höhepunkt erlebte sie im August 2016, als Unbekannte 38 Grabstätten auf dem Hauptfriedhof mit roter und blauer Sprühfarbe verunstaltet und beschädigt haben (der TV berichtete). TV-Leserin Birgit Sperling traf in ihrem Schreiben die Haltung vieler Betroffener: "Wenn wir schon gesetzlich gezwungen werden, unsere Verstorbenen auf Friedhöfen zu beerdigen, sollten die Kommunen wenigstens dafür Sorge tragen, dass die Gräber dort nicht überfallen werden." Der oder die Täter sind noch nicht gefasst.

Die Überwachung durch Kameras wurde im Rathaus erwogen, erörtert und wieder verworfen. Das Presseamt kündigte im August an, die Verwaltung wolle prüfen, ob Mitarbeiter des Grünflächenamts nächtliche Kontrollgänge über den Friedhof machen können.

Das wird jedoch nicht geschehen. Ralf Frühauf, Pressesprecher der Stadt Trier, erklärt auf Anfrage des TV: "Das Grünflächenamt wird keine zusätzlichen Kontrollen außerhalb der Dienstzeiten machen können." Auch eine Videoüberwachung sei aus vielen Gründen nicht wünschenswert. "Wer möchte sich schon gerne in seinem Schmerz und in seiner Trauer beobachtet und gefilmt wissen?"

Der Sprecher der Stadt Trier betont, dass es sich um außergewöhnliche Vorfälle handle, "die auch durch aufwendige Kontrollen nicht absolut vermieden werden können". Das haben, so Frühauf, Erfahrungen aus anderen Kommunen gezeigt (siehe Extra). "Unsere Mitarbeiter sind sensibilisiert und zu verstärkter Wachsamkeit angehalten."

Was sagt die Polizei? 2015 wurden auf dem Hauptfriedhof elf Strafanzeigen polizeilich registriert. Es handelte sich um acht Diebstähle und drei Strafanzeigen wegen Störung der Totenruhe. 2016 waren es 14 Vorgänge, darunter 10 Diebstähle und drei Sachbeschädigungen - eine davon die Sprühaktion im August, die fast 50 Einzelfälle umfasst.
"Diese Taten sind für die Betroffenen natürlich sehr belastende Ereignisse", sagt Polizeisprecher Karl-Peter Jochem. "Gleichwohl kann man sagen, dass der Hauptfriedhof aus polizeilicher Sicht kein Kriminalitätsschwerpunkt ist."
Ebenso wie die Stadtverwaltung sieht auch die Polizei Probleme mit der Idee, Überwachungskameras auf Friedhofsmauern zu installieren. "Das Aufstellen von Videokameras zu Überwachungszwecken ist an hohe rechtliche Hürden gebunden", sagt Jochem. Außerdem, das betont Jochem ausdrücklich, werden auch Hinterbliebene und Trauernde von den Kameras erfasst.Meinung

Es gibt keinen Schutz
Ein Friedhof ist ein Ort der Stille, eine feste Basis für Trauernde, die sich von ihrem geliebten Verstorbenen in Ruhe und Würde verabschieden wollen und durch die Besuche und die Pflege der Ruhestätten trotz des Verlustes eine weiterbestehende Verbundenheit empfinden. Das würde sich ändern, wenn an vielen Ecken des Friedhofs Kameras hängen. Viele Menschen können diese Form der Überwachung sehr schnell als irritierend und sogar belastend empfinden. Trauer ist eine höchst private Geschichte, niemand möchte sich dabei beobachtet wissen. Das ist die emotionale Seite des Problems. Doch auch pragmatisch betrachtet spricht kaum etwas für den Einsatz von Kameras. Sie können nur bestimmte Punkte und Abschnitte erfassen, keineswegs ein gesamtes Friedhofsareal. Und selbst wenn sie das könnten, wäre es für Täter nicht schwer, dem Auge der Kamera zu entgehen. Wer keine Skrupel hat, Grabstätten zu verwüsten, wird sicher nicht zögern, einen Plastikkasten zu zerstören. Am Ende der Diskussion steht eine Erkenntnis, die immer wieder weh tut: Es gibt im öffentlichen Raum keinen hundertprozentigen Schutz gegen kriminelle Energie und blinde Zerstörungswut. j.pistorius@volksfreund.deExtra

Foto: (h_st )

Der Einsatz von Überwachungskameras auf Friedhöfen wird bundesweit sehr kontrovers diskutiert. Sowohl betroffene Hinterbliebene als auch Friedhofsverwaltungen bringen diese Form der Kontrollen immer wieder ins Gespräch und stoßen dann auf die Bedenken der Polizei und auch der zuständigen Datenschutzbeauftragten. Die Gegenargumente: Kameras können niemals den gesamten Friedhof abdecken, sind in der Nacht weitgehend nutzlos und stören außerdem die Trauernden beim Besuch der Ruhestätten. 2011 wurde die Gemeinde Ittlingen in Baden-Württemberg zum Pionier, nachdem der Gemeinderat einstimmig beschlossen hatte, zwei Kameras auf dem Friedhof zu installieren. Dieser Schritt ist bis heute eine Ausnahme geblieben. In den meisten Fällen scheiterte der Einsatz von Kameras an rechtlichen Hürden und auch massivem Widerspruch.

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