Keine Scheu vor Sexualität

Der Fachschaftsrat Pädagogik veranstaltet eine Seminarreihe zum Thema Sexualpädagogik. Referent Bernd Geller von der Aids-Hilfe Trier spricht mit den Teilnehmern über Themen wie Verhütung, Selbstbefriedigung oder die Sexualität von behinderten Menschen.

Trier-Kürenz. "Wenn es ums Thema Sexualität geht, schämen sich viele", sagt Sandy Melone, 22, aus Luxemburg, die an der Universität Trier ein Seminar zu Sexualpädagogik belegt. Dabei stellt Diplom-Psychologe Bernd Geller von der Aids-Hilfe Trier verschiedene Methoden vor, mit denen die angehenden Pädagogen das Thema vor allen Dingen für Jugendliche anschaulich darstellen können. "Schön ist es, dass alles sehr praktisch ist", erklärt Melone. Bei acht Seminarterminen über jeweils 90 Minuten erfahren Studenten etwas über die Methoden der Sexualpädagogik.
Jugendliche als Zielgruppe


Vor allem Frauen legen in ihrem Studium den Schwerpunkt auf die Sexualpädagogik. "Diese Erfahrung haben wir auch schon im vergangenen Semester gemacht", erklärt Geller. Eine von ihnen ist Stefanie Pache aus Trier. Die 23-Jährige studiert seit fünf Semestern an der Universität. "Im Studium wird so etwas nicht angeboten. Das Seminar ist eine schöne Zusatzqualifikation für die berufliche Zukunft." Sie könne sich gut vorstellen, später einmal bei der Aids-Hilfe zu arbeiten.
Zielgruppe der späteren Sexualpädagogen werden Jugendliche sein. Ein Thema ist die Aidsprävention. Mit einem Ampelsystem werden Risiken der Übertragung zugeordnet. "Viele Menschen scheuen sich vor Erster Hilfe, weil sie glauben, so infiziert werden zu können", erklärt Geller. Um sich anzustecken, müssen der Verletzte und der Hilfeleistende eine offene Wunde haben. "Wenn man sich zum Beispiel beim Kartoffelschälen geschnitten hat und hier infiziertes Blut draufkommt, kann man sich gar nicht so leicht anstecken." Der Fachmann rät, die eigene Wunde durch leichtes Drücken wieder zum Bluten zu bringen. Nun könne man das fremde Blut ausbluten lassen. "Damit minimiert sich das Ansteckungsrisiko erheblich."
Eine andere Methode ist der Grabbelsack. "Man packt verschiedene Dinge hinein, etwa zum Thema Verhütung, Selbstbefriedigung oder Cybersex." Jeder zieht einen Gegenstand und muss erklären, was es damit auf sich hat. Im Seminar testen die Studenten die Methoden selbst. "Mir gefällt die Gruppendynamik", sagt Janina Conter, 21, aus Heiligkreuz. Jeder könne frei reden, und auch der Gruppenleiter akzeptiere alle Meinungen.
Eine andere Zielgruppe sind behinderte Menschen. "Dass Menschen mit Behinderungen keine sexuellen Interessen haben, ist nicht wahr", sagt Geller. Oft fehle es gerade hier an der Aufklärung. "Natürlich muss man hier anders vorgehen. Alles sollte in kleinen Einheiten und in einfacher Sprache erklärt werden." Wichtig sei auch, die eigenen Grenzen herauszufinden. "In einer Selbstreflexion sollte man seinen eigenen Standpunkt und eigene Tabus klarmachen können", sagt Geller. ass