Keine Statue, dafür Zitate und Beleuchtung

Keine Statue, dafür Zitate und Beleuchtung

Im Trierer Karl-Marx-Viertel bestimmen immer mehr Künstler und Handwerker das Straßenbild (der TV berichtete am 29.12.). Drei Planungsbüros haben nun Vorschläge entwickelt, wie ein Quartiersplatz im Viertel aussehen könnte. Eine Statue gehört für die Landschaftsarchitekten nicht dazu.

Trier. Der Jury, die unter drei Gestaltungsvorschlägen für die Eckfläche Brücken-/Jüdemerstraße auswählen durfte, gehören neben Baudezernent Andreas Ludwig Vertreter der Interessengemeinschaft Karl-Marx-Viertel und des Ortsbeirats Mitte/Gartenfeld an. Sie haben sich für den Entwurf entschieden, der einen direkten Bezug zu Karl Marx herstellt. Bestimmendes Gestaltungselement sind in das Bodenpflaster eingelassene Bänder aus Bronze oder Messing. In das Metall sollen Zitate aus Marx' Werken eingraviert werden. "Die Bänder sollen unterschiedliche Abstände zueinander haben, um die Unregelmäßigkeiten des Lebens zu symbolisieren", erklärt Stefan Jacobs vom renommierten Trierer Planungsbüro Ernst & Partner im Gespräch mit dem TV. Jacobs ursprünglicher Vorschlag sah vor, die drei bisherigen Bäume des Platzes zu fällen und eine neue Linde zu pflanzen. Nach Rücksprache mit der Jury sollen die drei Robinien allerdings erhalten bleiben. "Unserer Gesamtidee tut das nicht weh, wir arbeiten unseren Entwurf zurzeit entsprechend um", sagt Jacobs. Ob zusätzlich zur vorgesehenen Gastro-Terrasse weitere Sitzmöglichkeiten installiert werden, wird ebenfalls noch diskutiert. Bäume und Gestaltungselemente sollen stimmungsvoll angeleuchtet werden. Für die 150 000 Euro, die die Stadt ausgeben will, könne kein komplett neuer Platz gebaut werden, sagt Jacobs. Möglicherweise wird das alte Betonpflaster daher bei der Neugestaltung wiederverwendet.
Auf der Entwurfsskizze ist die Jüdemerstraße nicht zu erkennen. Baudezernent Ludwig kann sich tatsächlich vorstellen, die Straße für den Durchgangsverkehr zu sperren, allerdings "erst in einem zweiten Schritt". Eine kleine Marx-Figur, wie sie die IG Karl-Marx-Viertel gerne auf dem Platz gesehen hätte, hatte übrigens keins der drei Planungsbüros vorgeschlagen. Auch Ortsvorsteher Dominik Heinrich kann sich ein solches Denkmal nur schwerlich vorstellen: "Marx hat nur rund sechs Monate seines Lebens in der Brückenstraße verbracht, da muss kein Denkmal her - auch, weil es keine Konkurrenz zur geplanten Marx-Statue auf dem Simeonstiftplatz geben sollte." woc