Keine Umweltzonen: Alle Autos dürfen rein

Keine Umweltzonen: Alle Autos dürfen rein

Die Städte Mainz und Wiesbaden richten wegen zu vieler Schadstoffe in der Luft Anfang 2013 Umweltzonen in ihren Innenstädten ein. Dort dürfen nur Autos mit geringen Abgaswerten fahren. In Trier werden die gesetzlichen Grenzwerte nicht überschritten, Umweltzonen sind nicht geplant.

Trier. "Es gibt derzeit keinerlei Notwendigkeit, Umweltzonen in Trier einzurichten", sagt Triers Umweltdezernentin Simone Kaes-Torchiani.
Tatsächlich wurden die Grenzwerte für Luftschadstoffe an den drei Messstellen im Stadtgebiet (Ostallee, Kaiserstraße, Universität) in den vergangenen Jahren eingehalten. Einige Werte sind zwar kritisch, bestätigt Stefan Leist, Leiter des Stadtplanungsamts. "Aber die gesetzlichen Grenzen überschreiten wir nicht." Und zur Vorbeugung seien Umweltzonen, in den nur noch abgasarme Autos fahren dürften, nicht zulässig. "Das Bundesimmissionsschutzgesetz lässt solche Maßnahmen nur zu, wenn die Grenzwerte tatsächlich nicht eingehalten werden", sagt Leist.
Bessere Energiestandards


Um die Schadstoffkonzentrationen weiter unter den Grenzwerten zu halten, ergreife die Stadt andere Maßnahmen: "Zum Beispiel verlangen wir im Neubaugebiet BU 13 nahe der Universität bei den Häusern einen besseren Energiestandard als gesetzlich vorgeschrieben", erklärt Leist eine der Maßnahmen aus dem Klimaschutzkonzept, das in der Sitzung des Bauausschusses am Mittwoch, 20. Juni, im öffentlichen Teil vorgestellt wird. Brauchen Häuser wenig Heizenergie, entstünden auch weniger Verbrennungsabgase. Auf Beschluss des Stadtrats werde außerdem bei Verkehrsprojekten darauf geachtet, dass der Fußgänger-, Fahrrad- und der öffentliche Nahverkehr gegenüber dem Individualverkehr gestärkt werden. "Auch dadurch sinken die Luftschadstoffe", sagt Leist.
Die Ursachen für die Verunreinigungen sind allerdings vielschichtig. "Bei einigen Schadstoffen - etwa Feinstaub - macht die sogenannte natürliche Hintergrundbelastung weit mehr aus, als der Straßenverkehr vor Ort", sagt Leist. Tatsächlich verursacht der Straßenverkehr laut dem rheinland-pfälzischen Amt für Umwelt lediglich acht Prozent der Staubmenge in der Luft. Die Industrie ist dagegen mit 28 Prozent beteiligt und die Verladung und Verarbeitung von sogenanntem Schüttgut - also Salz, Getreide, Sand, Baustoffe - mit 26 Prozent. Dazu kommt, dass sich Feinstäube durch Thermik und Wind über weite Strecken verteilen. "Kohlekraftwerke im Saarland verursachen also demnach mehr Feinstaub in Trier als der Verkehr in unserer Stadt", sagt Leist.Extra

Für Feinstaub gelten je nach Partikelgröße unterschiedliche Grenzwerte: Für Staub mit einem Durchmesser von zehn Mikrometern - das ist rund zehnmal weniger als der Durchmesser eines menschlichen Haars - und weniger (PM10) darf ein durchschnittlicher Jahreswert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft nicht überschritten werden. Ein Mikrogramm ist ein millionstel Gramm. In Trier ist dieser Jahresmittelgrenzwert bislang nie überschritten worden. Der Höchstwert wurde 2001 mit 34 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft gemessen. Ab 2015 gilt allerdings als neuer Grenzwert 25 Mikrogramm im Jahresmittel. Dieser Wert wurde in den Jahren 2001 bis 2006 stets überschritten, seit 2007 liegt der in der Ostallee gemessene Jahresmittelwert allerdings zwischen 21 und 24 Mikrogramm. Für Feinstaub mit einem Durchmesser von 2,5 Mikrometern und weniger (PM 2,5) gilt ein Grenzwert von 25 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft im Jahresmittel. Erreicht wurden in der Kaiserstraße zwischen 2008 und 2011 Werte zwischen 12 und 17 Mikrogramm. wocExtra

Stickstoffoxide: Für Stickstoffmonoxid und -dioxid gilt ebenfalls der Grenzwert 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft im Jahresdurchschnitt. Von 1988 bis 2003 wurden diese Grenzwerte an der Messstation in der Kaiserstraße regelmäßig überschritten: 1998 mit den Höchstwerten von 54 Mikrogramm Stickstoffmonoxid und 46 Mikrogramm Stickstoffdioxid. Seitdem sind die Werte zwar kontinuierlich gesunken. Während beim Stickstoffmonoxid die Werte sich zwischen 32 und 34 Mikrogramm eingependelt haben, wird der Grenzwert beim Stickstoffdioxid in Trier allerdings regelmäßig erreicht und lag in den Jahren 2004 und 2008 bis 2010 bei exakt 40 Mikrogramm. Zum Vergleich: In Mainz, das 2013 wegen der hohen Schadstoffbelastung der Luft Umweltzonen einführt, liegt der Grenzwert für Stickstoffdioxid seit Beginn der Messungen 1989 kontinuierlich weit über dem Grenzwert. Der Höchstwert 79 Mikrogramm wurde 1989 erreicht, in den Jahren 2009, 2010 und 2011 waren es 47, 45 und 45 Mikrogramm. woc Trierer Luftmesswerte der vergangenen Jahre unter www.luft-rlp.de