Keinesfalls eine "Schnapsidee"
Zur Kolumne Viezjupp "Schnapsideen vom OB":
Es gibt Themen, die zu einer "Schmunzelrubrik" nicht taugen. Hierzu zählt insbesondere die Kinderarbeit. Dabei geht es wohlbemerkt nicht darum, dass Kinder im häuslichen Haushalt oder auch in der Landwirtschaft familienunterstützend "mit anpacken". Nach heutigem Verständnis geht es bei der Kinderarbeit um die eklatante Verletzung elementarster Menschenrechte. Nach den Schätzungen von Unicef und Ilo (Internationaler Arbeitsorganisation der Vereinten Nationen) werden weltweit rund 200 Millionen Kinder unter 15 Jahren zur Kinderarbeit herangezogen. Fast 90 Prozent davon unter ausbeuterischen Bedingungen. 73 Millionen sind jünger als zehn Jahre. Diese Kinder besuchen größtenteils keine Schulen, müssen zum Familieneinkommen existenziell beitragen und sind vielfachen Gefahren an Leib und Seele ausgesetzt. Zehn Prozent der "Beschäftigten" arbeiten im Bereich des Tourismus. Davon werden laut Unicef eine Million dieser Kinder sexuell missbraucht. Weltweit arbeiten Organisationen, so auch in Trier, dankenswerterweise an der Überwindung dieser ausbeuterischen Kinderarbeit, deren wichtigste Ursache die Armut der Eltern ist. Auch der Trierer Stadtrat hat sich zu Beginn dieses Jahres, also noch zur Amtstätigkeit meines Vorgängers, einstimmig dafür ausgesprochen, "in Vergabe und Beschaffungswesen darauf zu achten, dass der Erwerb und die Verwendung von Produkten aus ausbeuterischer Kinderarbeit vermieden werden". Rat und Verwaltung haben mit dieser Qualifizierung der städtischen Vergabepraxis ein deutliches Zeichen gegen Kinderarbeit gesetzt, auch wenn im Einzelfall Mehrkosten daraus entstehen können. Das Leiden und die damit verbundene Hoffnungslosigkeit von Millionen ausgebeuteter Kinder darf auch in einer "Schmunzelrubrik" nicht verulkt und damit verharmlost werden. Sich über das Schicksal dieser Menschen bewusst zu werden, ist nach meiner Auffassung keine "Schnapsidee", sondern ein ganz ernster Auftrag an jeden Einzelnen von uns. Klaus JensenOberbürgermeister der Stadt Trier gesellschaft