Kelly Family spielt ihre größten Hits vor 4200 Zuschauern in Trier

Konzert : Kelly Family spielt ihre größten Hits vor 4200 Zuschauern in Trier

Das Phänomen Kelly Family lebt: Warum die irischen Musiker immer noch die reinsten Menschenfänger sind, beweisen sie in der ausverkauften Arena Trier.

Wissen Sie, was Mitte der 90er Jahre das Mutigste war, das Sie tun konnten? Nein, kein Fallschirmsprung. Auch nicht den Job zu kündigen und auf Weltreise zu gehen. Für den größten Adrenalinschub sorgten damals die Blicke, wenn man öffentlich bekannte: „Ich bin Kelly-Family-Fan.“ Damals, als der Song „An Angel“ die musizierende Großfamilie zu Stars und Millionären machte – und der Name Kelly auf der anderen Seite in einem Atemzug mit Altkleidersammlung genannt wurde.

25 Jahre später. Die Zeit hat die Wunden geheilt. Die Hallen sind immer noch voll, seit dem Comeback vor drei Jahren sogar wieder ständig ausverkauft. Mehr Falten, mehr Kilos, mehr graue Haare (im Publikum wie auf der Bühne). Keine Hippieklamotten mehr, dafür Friseurbesuche. Drei Kellys fehlen; sie sind nicht beim Comeback ihrer Geschwister dabei: Michael Patrick (The artist formerly known as Paddy), Barby und Maite Kelly. Vor der Bühne fällt niemand mehr in Ohnmacht, das Kreischen ist nicht mehr so hysterisch, da will auch niemand mehr ein Kind von irgendwem. Ein paar Plakate gibt’s aber noch. „Joey, du bist der Beste!“ Mit Herzchen. „Kellys, wir lieben euch!“

Natürlich weiß die Kelly Family ganz genau, was sie da tut. Vor 25 Jahren kam das Erfolgsalbum „Over the Hump“ heraus, es verkaufte sich in Deutschland rund 2,5 Millionen Mal. Auch in Trier können die Fans nach all der Zeit noch jede Zeile mitsingen. Was bei den Kellys auf der Bühne mit Routine anfängt, endet spätestens kurz vor der Pause im Funken, der überspringt.

Vielleicht war es schon immer das Erfolgsgeheimnis der früheren Straßenmusiker, dass sie nicht ansatzweise Angst vor großen Gefühlen haben. Und auch nicht davor, sie plakativ auszudrücken. Das mag manchmal kitschig sein, wenn John „Roses of red“ singt und es rote Rosenblütenblätter von der Decke regnet.

Das ist aber auch sehr ergreifend, wenn Jimmy ganz alleine mit seiner Gitarre, Mundharmonika und toller Folk-Stimme bei „Cover the road“ auf der Bühne steht und im Hintergrund Fotos von verstorbenen Lieblingsmenschen gezeigt werden, die ihnen Fans zugeschickt haben.

Ihre große Stärke ist immer noch ihre Vielfalt: Patricia bleibt als stärkste Kelly-Stimme die Balladen-Queen, Extremsportler Joey gibt im Glitzer-Anzug und (immer noch) langen Haaren den Glam-Rocker. Dazwischen steckt gut gemachte spanische und irische Folk-Musik; bei Letzterer zeigt Paul Kelly, der in Irland lebt und während der Zeit der Massenhysterie nicht Bestandteil der Kelly-Band war, dass auch er die musikalischen Gene geerbt hat.

Manch einer der 4200 begeisterten Zuschauer wird sich noch an die Zeit vor „Over the Hump“ erinnern, auch da traten die Kellys schon in Trier auf. 1993 auf dem Hauptmarkt, 1994 auf dem Stockplatz. Dann 1995, der kommerzielle Erfolg ist gerade über sie hereingebrochen, vor 17 000 Menschen im Messepark.

Ein sehr heimeliges Gefühl, ein bisschen Frieden, geben die Kellys ihrem Publikum immer noch – auch wenn man heute dank diverser Interviews weiß, dass es hinter den Kulissen natürlich oft alles andere als friedlich zuging.

Maite Kelly tritt am 9. Oktober, 20 Uhr, in der Arena Trier auf. Patricia Kelly gibt am 10. Dezember ein „Hautnah“-Konzert in der Wallfahrtskirche Klausen.