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kfd und Femnet e.V. kooperieren bei Spendenprojekt für Bangladesch

Wirtschaft : Wegwerfmode beutet Arbeiterinnen in Asien aus

Katholische Frauen und der Verein Femnet kooperieren bei einem Spendenprojekt für menschenwürdige Arbeitsbedingungen.

Nachdem der Einzelhandel monatelang coronabedingt geschlossen war, drängen Shopping-Begeisterte nun wieder in die deutschen Innenstädte. Ganz oben auf der Liste steht neue Kleidung. Doch wie werden T-Shirts, Jeans und Jacken produziert, die es hierzulande zu günstigen Preisen gibt? „Starke Frauen. Faire Arbeit in Bangladesch. kfd für Menschenrechte in der Modeindustrie“ ist ein gemeinsames Projekt der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) im Diözesanverband Trier und der Frauenrechtsorganisation Femnet. Es setzt den Fokus auf Herkunft und Produktionsbedingungen sogenannter „Fast Fashion“ – also „Wegwerfmode“. Mit einer virtuellen Ausstellung und einem auf drei Jahre angelegten Spendenprojekt informieren sie über die prekären Lebens- und Arbeitsbedingungen von Textilarbeiterinnen in Bangladesch – und regen an, das eigene Konsumverhalten kritisch zu hinterfragen.

„Man sollte sich bewusst machen: Wir haben viel zu viel Kleidung auf dem Markt. In den Jahren von 2000 bis 2015 hat sich die Kleidungs­produktion insgesamt weltweit verdoppelt – die Preise hingegen sind gefallen“, erklärt die Femnet-Vorstandsvorsitzende Dr. Gisela Burckhardt. Dies hat massive Auswirkungen auf die Umwelt und die Gesundheit der rund vier Millionen Textilarbeitenden in dem südasiatischen Staat, darunter 70 bis 80 Prozent Frauen.

Ein Beispiel: Damit Jeans­hosen schon im Geschäft einen modisch ausgewaschenen Look haben, braucht es gesundheitsgefährdende Chemikalien. Schutzkleidung und Atemschutzmasken sind jedoch Mangelware in den Fabriken. Zumeist seien die Arbeiterinnen den giftigen Substanzen ungeschützt ausgeliefert, berichtet die kfd-Diözesan­vorsitzende Petra Erbrath.

Informationen aus erster Hand über die Zustände in den Betrieben erhält sie von Femnet. Der Verein steht in regem Kontakt zu den Arbeiterinnen sowie zu Nicht-Regierungsorganisationen, kurz NGO, vor Ort wie dem Bangladesh Center for Workers Solidarity. Außerdem reisen Mitarbeiterinnen des Vereins regelmäßig selbst zu den Produktionsstätten.

Auch in Deutschland zeigt sich der Effekt von Fast Fashion: Da die günstige Kleidung oft von minderwertiger Qualität ist, landet sie schneller im Abfalleimer – der Müllberg aus Kunstfasern wächst stetig an. Für die Arbeit und Themensetzung der kfd seien beide Aspekte, der soziale wie der ökologische, in Verbindung mit der Thematik „Gewalt an Frauen“ von großem Inter­esse, erläutert Erbrath die Kooperation mit Femnet.

„Die Textilindustrie bildet eigentlich eine Chance für Frauen, Geld zu verdienen“, erklärt Burckhardt. Das Problem dabei: „Der Mindestlohn entspricht nicht dem, was man zum Leben bräuchte. Die Frauen müssen massiv Überstunden machen, damit sie überleben können. Hinzu kommt, dass Frauen schlechter bezahlt werden als Männer und auch Gewalt erfahren.“ Das reiche von Beleidigungen bis hin zu körperlichen Übergriffen. Frauen würde bedroht oder von ihren Vorarbeitern an den Haaren gezogen, wenn sie nicht schnell genug arbeiteten oder sich gegen Repressionen auf­lehnten. Wer versuche, sich gewerkschaftlich zu organisieren, lande schnell auf der Straße. Selbst Schwangere hätten oft nicht einmal die Möglichkeit, sich bei der Arbeit hinzusetzen, berichtet Burckhardt. „Frauen werden dort nicht genügend geachtet.“

Das Kooperationsprojekt solle vor allem bewusst machen, dass ein Großteil der Mode in den Regalen unter prekären Arbeitsbedingungen hergestellt wird. Ganz gezielt helfe es gegen ge­schlechts­spezifische Gewalt am Arbeitsplatz: „Mit unseren Projektpartnern vor Ort klären wir die Frauen über ihre Rechte auf und helfen ihnen dabei, sich zu organisieren. Denn nur wenn sich die Frauen gemeinsam wehren, können sie etwas erreichen“, betont Burckhardt.

Die Corona-Krise habe die ohnehin schon schwierige Situation weiter verschärft, betont Erbrath: „Viele Fabriken mussten schießen, weil die Ware nicht mehr abgenommen wurde. Hinzu kommen Corona-Erkrankungen. Dramatisch ist vor allem, dass Tausende Frauen ihr Einkommen und damit auch ihre Unterkunft verloren haben. Anders als in Deutschland gibt es dort keine Arbeitslosenversicherung oder Kurzarbeitergeld.“ Darüber hinaus stagniere derzeit die Bildungs- und Gewerkschaftsarbeit. Schnelle und konkrete Hilfe leistet der von Femnet initiierte Corona-Hilfefonds, dank dem Nahrungs- oder Hygienemittelspenden verteilt werden.

 Um die Lebensumstände der Textilarbeiterinnen in Bangladesch nachhaltig zu verbessern, brauche es jedoch weit mehr – da sind sich Burckhardt und Erbrath einig. Nötig sei ein Bewusstseinswandel im Kaufverhalten wie auf politischer Ebene. Wer beim Einkauf unsicher sei, ob die angebotene Ware unter menschenwürdigen Bedingungen hergestellt wurde, könne sich im Geschäft erkundigen, schlägt Erbrath vor. Auch Fair-Trade-Siegel seien ein guter Anhaltspunkt.

Am Montag, 22. März, findet von 14 bis 17 Uhr ein digitaler Studiennachmittag statt. Weitere Informationen und Anmeldung auf

www.kfd-trier.de/projekte/bangladesch

Infos zur Arbeit von Femnet unter

www.femnet.de