Kicken auf Gras und Plastikfasern

Kicken auf Gras und Plastikfasern

Die Fußballer der DJK Pluwig-Gusterath sind frustriert: Ihr Naturrasenplatz in Pluwig ist schon ab Herbst kaum noch bespielbar. Ligaspiele fallen deshalb aus, Trainingszeiten werden gekürzt. Der Verein wünscht sich deshalb einen ganzjährig nutzbaren Rasenplatz mit Plastikanteil. Bezahlen müssten ihn die Ortsgemeinden.

Pluwig/Gusterath. Der Rasensportplatz in Pluwig hat den Fußballern der DJK Pluwig-Gusterath zuletzt wenig Freude bereitet. "Wenn es einmal regnet, können wir wochenlang nicht darauf trainieren", berichtet die 14-jährige Lea Scherer, Kapitänin der C-Jugend-Mannschaft. Außerdem sei ein Spiel verlegt worden, "weil unser Platz nicht bespielbar war".
Die Mannschaften hätten diesmal schon ab Herbst häufig auf den kleinen Hartplatz am Rand der Anlage ausweichen müssen, ergänzt Maik Morgen (14). Weil pro Tag gleich mehrere Teams spielen wollten, hätten sie ihre Trainingszeiten "extrem verkürzt. Das ist nicht ideal."

Sorgen des Vereins: Was die Jugendlichen beschreiben, macht auch dem Vereinsvorstand der DJK Sorgen. "Das war unsere bisher schlimmste Spielzeit", klagt Jörg Lyding, Leiter der Fußballabteilung. Der 20 Jahre alte Platz, auf dem Fußballer aus Pluwig und Gusterath kicken, gebe im Jahr "keine 400 Spielstunden mehr her". Normal seien 600 auf Naturrasen. Dadurch würde das Training stark eingeschränkt - obwohl schon einige Teams in Schöndorf trainierten, manche Spiele fielen ganz aus.
In absehbarer Zeit müsse der Platz "dringend saniert" werden, sagt Uwe Wess, Trainer der ersten Mannschaft. Ein weiteres Problem: Im Verein trainieren neben den Senioren elf Jugendteams mit insgesamt 150 Kindern. Hinzu kommt der Ligabetrieb am Wochenende. "Wir wissen mittlerweile überhaupt nicht mehr, wo wir alle unterbringen sollen", sagt Wess.

Vorschlag Hybridrasen: Für den Verein ist die Lösung klar: Er braucht einen ganzjährig bespielbaren Fußballplatz. Weil ein Kunstrasenplatz mit etwa 700 000 Euro zu teuer ist, setzt die DJK auf eine neue Technik: ein Hybridrasen aus Naturgras, durchzogen mit Plastikfasern (siehe Extra). Davon gibt es landesweit bisher erst zwei Exemplare.
Der große Vorteil des Hybridrasens: 900 Spielstunden im Jahr und mehr Stabilität. Der Eifeler Hersteller schätzt die Kosten für eine entsprechende Umwandlung des Naturrasens nach ersten Gesprächen auf 200 000 bis 250 000 Euro - abhängig davon, wie viel vom jetzigen Platz als Unterbau genutzt werden kann. Der Verein könne diese Kosten nicht stemmen, sagt die Vorsitzende Elfriede Nauroth. Da seien die Ortsgemeinden gefragt, für die der Sportverein "wichtige Jugendarbeit" leiste.

Reaktion aus den Ortsgemeinden: Pluwigs Ortsbürgermeister Wolfgang Annen will im Gemeinderat über den Auftrag für ein Bodengutachten beraten, damit die Fachfirma einen "verbindlichen Preis" für den Hybridplatz nennt. Es gehe zwar um "viel Geld, das wir in den Sport geben würden", sagt Annen. Aber die kinderreiche Gemeinde brauche den Fußballverein - auch langfristig. Allerdings dürften auch die Kulturvereine nicht vernachlässigt werden.
Gusteraths Ortschef Alfred Bläser ist dagegen skeptisch. Er bezweifelt, "dass sich die Situation für die Jugend erheblich verbessert". Auch der Hybridrasen brauche "Erholungsphasen". Als kurzfristige Hilfe plädiert Bläser für einen kleineren Trainingsplatz, der auch "finanzierbar" sei. Darüber will der Ortschef mit dem Verein diskutieren. Erste Reaktion: "Ein kleiner Platz hilft nur einer Mannschaft an einem Tag, wir trainieren oft mit mehreren Mannschaften gleichzeitig", sagt Jörg Lyding. Zudem helfe der Platz nicht im Spielbetrieb.

Kosten prüfen: Für die Verbandsgemeinde (VG) Ruwer sei die Hybridtechnik "ein großes Thema", sagt VG-Bürgermeister Bernhard Busch. Falls der Platz auch von den umliegenden Orten genutzt werden könne, sei ein VG-Zuschuss denkbar. Die Verwaltung wolle aber zunächst prüfen, ob und in welcher Höhe das Land solche Plätze fördere. Für Pluwig komme es nun darauf an, sagt Busch, ob die geschätzten 200 000 Euro für den neuen Platz wirklich realistisch seien: "Wird es teurer, dann wird es schwierig."
Extra

Der Vorsitzende des Sportkreises Trier-Saarburg, Felix Jäger, sieht in den neuen Hybridrasenplätzen durchaus eine Option für die Sportvereine in der Region. Solche Plätze seien "von den reinen Baukosten her" zunächst einmal günstiger als Kunstrasenplätze, die bis zu 700 000 Euro kosteten. Diese Summen seien von den Ortsgemeinden meist "nicht mehr zu stemmen". Ein wichtiger Gesichtspunkt aus finanzieller Sicht sei auch, dass das Land Rheinland-Pfalz seine Förderung für Kunstrasenplätze auf 100 000 Euro reduziert habe (der TV berichtete). Was die tatsächlichen Vorteile für die Fußballer angeht, ist Jäger momentan noch skeptisch. Auf Einladung des Fußballverbands Rheinland habe er 2012 den neuen Hybridrasenplatz in Winningen bei Koblenz besichtigt. Sein Eindruck: "Die Torräume waren schon sehr abgespielt. Der Untergrund war zwar fest, aber viel Rasen gab es nicht mehr." Interessierten Vereinen rät Felix Jäger deshalb, "sich vor Ort Referenzobjekte anzuschauen", bevor sie eine Entscheidung fällen. Erst dann könne beurteilt werden, ob eine Umwandlung in einen Hybridrasenplatz "im Einzelfall sinnvoll" sei. cwebExtra

Felix Jäger. Foto: Archiv/privat.

Ein Hybridrasenplatz besteht aus einer Tragschicht aus Naturgras. Dort werden kreuz und quer synthetische Fasern eingezogen, sogenannte Monofilamente. Sie festigen Oberfläche und Erdreich bis zu einer Tiefe von zwölf Zentimetern. Laut Hersteller kann der Platz intensiver und länger genutzt werden als Natur- oder Kunstrasen: Bis zu 900 Stunden im Jahr verspricht die Firma Cordel-Bau aus Wallenborn (Vulkaneifelkreis), die für die Technik ein Patent angemeldet und die zwei bisher einzigen Hybridrasenplätze in Rheinland-Pfalz gebaut hat - in Meudt im Westerwald und in Winningen bei Koblenz. Die Baukosten sind davon abhängig, wie viel vom ursprünglichen Naturrasen- oder Tennenplatz als Unterbau genutzt werden kann. Sie schwanken zwischen 120 000 und 250 000 Euro. Die jährlichen Pflegekosten betragen etwa 8900 Euro. cweb

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