Kinder als Spielplatz-Architekten

Kinder als Spielplatz-Architekten

RALINGEN-WINTERSDORF. Es ist noch nicht lange her, da wurde der Wintersdorfer Spielplatz wegen großer Mängel vom Tüv geschlossen. Heute finden die 150 Kinder und Jugendlichen in der Sauer-Gemeinde geradezu paradiesische Zustände vor: Erlebnis-Spielplatz, Bolzplatz, Beachvolleyball-Anlage und renovierte Jugendräume.

"Es war eine Menge Arbeit, aber es hat sich gelohnt", sagt Ortsvorsteher Volker Barth und sieht dabei den Kindern zu, die auf dem neuen Erlebnis-Spielplatz herumtollen. Vor Jahresfrist wurde der mit Hilfe der Kinder geplante und unter großer Teilnahme der Bürger gebaute Spielplatz im Neubaugebiet "Unterland II" eingeweiht - und er erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit. "Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Kinder ihre Spielgeräte selbst aussuchen konnten", sagt Barth. Mit diesem Projekt sammelte der Ort Pluspunkte beim Landeswettbewerb "Kinder- und jugendfreundliche Dorferneuerung". Doch nicht nur die nutzerfreundliche und ehrenamtlich gestützte Umsetzung dieses Vorhabens überzeugte die Jury im Mainzer Innenministerium; auch die Tatsache, dass ein 480-Einwohner-Ort in der Lage ist, für 96 Kinder und 53 Jugendliche einen Rasenbolzplatz und eine Beachvolleyball-Anlage anzulegen, zwei Buswartehäuschen zu bauen und zwei Jugendräume zu sanieren, imponierte dem Bewertungs-Gremium. Für das beispielhafte Engagement darf die Sauer-Gemeinde am 16. September in der Landauer Festhalle einen mit 1000 Euro dotierten Preis entgegennehmen.Geräte-Hitliste aufgestellt

In einem Bewerbungskatalog für das Ministerium sind die Projekte von der Idee bis zur Verwirklichung detailiert beschrieben. Beispiel Spielplatzbau: Eine Spielplatz-AG wurde gegründet, der neben Ortsbeirats-Mitgliedern auch VG-Jugendpfleger Alexander Gotthard angehörte; 23 Kinder durften bei einem Malwettbewerb ihren Traumspielplatz mit den Lieblingsgeräten zu Papier bringen. Die Wunschliste wurde umgesetzt: eine lange Rutschbahn, eine Nestschaukel, ein Sandkasten, eine Seilbahn, eine Wippe, Kletterwand, Indianerzelte und Springparcours. Auch der ehrenamtliche Einsatz war vorbildlich: Insgesamt 24 Helfer im Alter von sechs bis 72 Jahren wirkten mit. Frauen aus der Gemeinde halfen bei der Verköstigung; das Essen spendete eine Metzgerei. Nur knapp 12 000 Euro hätten die Jugendprojekte die Gemeinde gekostet, rechnet Ortsvorsteher Barth vor. Dies sei nur dank der Spenden der Dorfbewohner und der Jugendwehr möglich gewesen. Etwa 15 Jugendliche packten bei der Renovierung der Jugendräume und bei Pflasterarbeiten auf dem Hof des Gemeindehauses an. Eltern von Schulkindern engagierten sich beim Bau der Wartehäuschen, Betreuer der Spielvereinigung Wintersdorf/Kersch errichteten mit Jugendlichen den Bolzplatz und die Beachvolleyball-Anlage.