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Kinder aus Trier und Umgebung entdecken mit dem Uni-Präsidenten Kunst und Wissenschaft auf dem Campus.

Bildung : Arme, Bücher und Blumentöpfe

Kinder aus Trier und Umgebung entdecken mit dem Uni-Präsidenten Kunst und Wissenschaft auf dem Campus. Und stellen dabei ungewohnte Fragen.

Die wichtigste Grundlage der Hochschulwissenschaft haben die Kinder schon drauf: Fragen stellen! 15 Jungen und Mädchen sind mit dem Präsidenten der Universität Trier, Professor Michael Jäckel, unterwegs auf Campus-Erkundungstour. Und dabei sind sie nicht verlegen, auch bei Dingen nahzuhaken, die Erwachsene für selbstverständlich halten.

Der Rundgang mit dem Präsidenten ist Teil einer Sommerferienfreizeit. Sie wird bereits seit einigen Jahren in Zusammenarbeit mit dem Trierer Verein Palais angeboten – insbesondere für Kinder der Universitätsbediensteten. „Weil diese Freizeit komplett im Freien stattfindet, konnten wir sie trotz der Corona-Schutzauflagen veranstalten“, sagt Christian Jäger vom Palais. Anlaufpunkt für die Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren ist jeweils eine Woche lang ein Zirkuszelt auf der Campuswiese. Heute kommt dort der „Chef von Mama“ (oder Papa) zu Besuch. Also hat man sich in der Gruppe schon vorab das Motto selbst auferlegt: artig sein.

Doch auf den Mund fallen muss man deshalb ja nicht gleich. „Warum hat der keine Arme und Beine?“, wird während der Tour beispielsweise die Frage bei der Statue des Laokoon gestellt. Professor Jäckel klärt auf: „Das ist vom Künstler so gewollt. Man nennt das einen Torso.“ Die Bronze von Waldemar Otto steht auf dem Hügel vor dem D-Gebäude und ist eines der Wahrzeichen der Uni geworden.

Schnell zeigt sich: Kunstwerke gibt es auf dem Campus eine ganze Menge zu entdecken. Die Reaktionen der jungen Betrachter kommen ohne blumige Worte aus. „Ahh, die Blumentöpfe!“, kommentieren sie die Sitzgruppe von Diether F. Domes vor dem A/B-Gebäude. Und auf den ersten Blick ist diese Beschreibung recht treffend.

Der Tour-Leiter hat aber auch hier weiterführende Informationen parat. Neben der Kunst hält das Uni-Gelände natürlich in erster Linie Gebäude bereit, die mit der Wissenschaft in Verbindung stehen. Da wäre zum Beispiel das Audimax. Normalerweise finden in diesem größten Hörsaal 450 Zuhörer Platz. In Corona-Zeiten hat sich das wegen der Abstandregeln drastisch verkleinert: Mit „80“ liegt die beste Schätzung der Kinder ziemlich nahe an den tatsächlichen 74 Plätzen. Manchmal leert sich der Saal vielleicht auch wegen der Qualität des Gesagten. Ein Mädchen berichtet: „Ich war schon mal mit meiner Mutter hier bei einem Vortrag.“ Jäckels Interesse ist geweckt: „Worum ging es denn da?“ Nachhaltigen Eindruck hat der wohl nicht hinterlassen, wie die Antwort zeigt: „Weiß nicht mehr.“ Staunen bringt die nächste Schätz-Aufgabe: Wie viele Bücher gibt’s in der Uni-Bibliothek? Die beste Antwort erreicht mit einer Million nur die Hälfte. „Früher, zu Zeiten Nikolaus von Kues, war es etwas ganz Besonderes, wenn jemand 200 Bücher hatte. Überlegt mal, wie viele wir heute oft zu Hause haben“, ordnet Jäckel ein. Was sofort bestätigt wird: „Ohh ja, bei uns stehen überall Regale voller Bücher rum.“

Nikolaus von Kues haben die Kinder übrigens kurz zuvor an einer der neuen Stelen kennengelernt, die neben Sitzgruppen auf dem Campus stehen. Sie sollten in diesem Jubiläumsjahr der Uni öffentlich vorgestellt werden. Wegen Corona ist aber die Führung mit dem Uni-Präsidenten ziemlich exklusiv. So bekommen die Kinder erklärt, welche Bedeutung Personen wie Clara Viebig, Friedrich Spee, Karl Marx, Jenny von Westphalen und weitere Menschen in Trier hatten. Nach rund einer Stunde Rundgang mit vielen Infos entscheiden sich die meisten Kinder als letzten Programmpunkt dieses Nachmittags nur noch für eines: ausruhen auf der Wiese.