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Kinder entdecken Kunst gegen Krieg

 Kinder und Kunst: Föhrener Erstklässler gingen in der Ausstellung „Postionen“ mit den Künstlern auf Entdeckungsreise. TV-Foto: Katja Bernardy
Kinder und Kunst: Föhrener Erstklässler gingen in der Ausstellung „Postionen“ mit den Künstlern auf Entdeckungsreise. TV-Foto: Katja Bernardy
Föhren. Die Künstler Annamalt, Sigrid Marxen, Edward Naujok und Rainer Röder stellen zurzeit im Lädchen am Reichelbach in Föhren ihre Kunstwerke aus. Ein Teil der Ausstellung "Positionen" ist dem Thema "Zehn Jahre Krieg in Afghanistan" gewidmet. Erstklässler der Föhrener Grundschule waren zu einer inoffiziellen Vernissage eingeladen und zeigten sich ausgesprochen kunstinteressiert. Katja Bernardy

Föhren. "Wow, sehr hübsch!", sagt Marie. Die Sechsjährige steht staunend vor einem Gemälde in Rot und Blau und schlendert interessiert weiter. "Was ist das?", fragt sie neugierig und gibt sich prompt selbst die Antwort: "Das sind Verletzte und Pakete." Die Erstklässlerin und ihre Klassenkameraden stehen plötzlich mitten in der Anti-Kriegsinstallation "Freiheit versprochen" von Annamalt und Edward Naujok. Nach und nach spüren sie mit Hilfe der Künstler weitere Details auf: Verwundete Figuren ohne Gesichter liegen auf Tragbahren, Schilder mit Namen weltweiter Kriegsschauplätze sind zu sehen.
Auf Carepaketen steht "mit Gewehr", und die Briefmarken zeigen die Flaggen derjenigen Staaten, die sich seit zehn Jahren an kriegerischen Einsätzen in Afghanistan und Libyen beteiligen. Auf den weißen Luftballons steht: "Freiheit und versprochen". Die Schüler hängen Annamalt an den Lippen als sie erzählt, wie sie Menschen auf Kriege und seine Auswirkungen aufmerksam macht. Ebenso aufmerksam waren die jungen Gäste, als Edward Naujok sie zur inoffiziellen Vernissage in dem idealen Ausstellungsraum, einem Leerstand neben dem Lädchen am Reichelbach, begrüßt hatte. "Wenn ein leeres Blatt mit Linien gefüllt wird, passiert etwas ganz Besonderes, es verwandelt sich in ein Bild", sagte der Künstler. Es gebe in der Kunst viel zu entdecken.
"Ein Bild kann eurem Freund oder Mitschüler eine ganz andere Geschichte erzählen als euch selbst", sagte Naujok. Nach der ersten Entdeckungsreise lud Sigrid Marxen die Kinder ein, die Gemälde und Installationen den jeweiligen Künstlern zuzuordnen. Am Ende war auf allen Seiten Faszination zu spüren: Ob Hannah (6) oder Marie, die Schüler staunten, interpretierten und fragten. Rainer Röder freute sich daran, "wie unverblümt die Kinder an Kunst herangehen".
Roland Rohring, Lehrer der ersten Klasse und Schulleiter weiß, wie neugierig seine Schüler auf Kunst sind, und nutzt diese Wissbegier. "Es ist sehr schön, dass die Kinder hier in Kontakt mit richtigen Künstlern kommen konnten", sagte der Pädagoge.
Die Ausstellung "Positionen" ist bis zum 10. Dezember zu sehen. Öffnungszeiten: montags bis freitags von 14 bis 19 Uhr, samstags und sonntags von 11 bis 15 Uhr und nach Vereinbarung, Telefon 0175/3208827. Die Installation "Freiheit versprochen" von Annamalt und Edward Naujok wird am 4. Dezember im Landesmuseum Bonn aufgebaut und ist in Föhren bis zum 2. Dezember zu sehen.