Kinder enttäuscht, Ortsbeirat verärgert

Kinder enttäuscht, Ortsbeirat verärgert

TRIER-BIEWER. Ortsbeirat und Grundschule haben zwei verschiedene Vorschläge, welchen Namen die Schule künftig tragen soll (der Trierische Volksfreund berichtete). Der Streit ist noch nicht beigelegt. Am 18. Mai soll es einen runden Tisch zusammen mit dem Schuldezernenten Ulrich Holkenbrink geben.

Der Vorgang und die Berichterstattung darüber hatten im Stadtteil für viel Wirbel gesorgt. Vor einigen Wochen hatten die Schulkinder der Grundschule Biewer, die an dem Programm "Demokratie lernen und leben in Rheinland-Pfalz" teilnimmt, in einer Gesamtkonferenz über verschiedene Namensvorschläge entschieden. Darunter waren auch Namen, die von den Ortsbeiratsmitgliedern eingereicht wurden. Die Kinder beschlossen mehrheitlich, dass sie sich den Namen "Grundschule Am Biewerbach" wünschen."Alle sollen an einen Tisch"

Kurze Zeit später fasste der Ortsbeirat Biewer den Beschluss, den Namen Antonius-Kerscht-Grundschule zu favorisieren. Über beide Namensvorschläge sei noch kein formelles Verfahren eingeleitet worden, sagt Schuldezernent Ulrich Holkenbrink auf Nachfrage. "Alle sollen an einen Tisch", bemüht sich Holkenbrink um Schlichtung. Es müsse eine gemeinsame Lösung gefunden werden. In Klassenräten thematisierten die Schulkinder vergangene Woche bereits das Problem. "Der Bach gehört zur Schule", war etwa mehrheitlich in der Klasse 3a zu hören, sogar von einem Protest war die Rede. "Es ist unsere Schule, wir haben uns den Namen so gewünscht", bekräftigte Joyce. "Wir gehen hier in die Schule, nicht der Ortsbeirat", fügte Annika hinzu. "Die Straße, in der die Grundschule liegt, heißt schon Johannes-Kerscht-Straße, dann muss die Schule nicht auch noch Antonius-Kerscht-Schule heißen", fand Vanessa. Am Ende resümierte Lehrerin Andrea Hengels die Ideen der hörbar frustrierten Schülerinnen und Schüler: Ein Gespräch der Kinder mit dem Ortsbeirat und ein Brief an Ortsbeirat oder Stadt seien denkbar, um den Ortsbeirat möglichst umzustimmen. Sollte dem nicht so sein, will die Schule auf jegliche Vorschläge verzichten und lieber weiterhin Grundschule Biewer heißen, erläuterte Schulleiterin Gabriele Leonardy den Beschluss aller Kinder. Der Ortsbeirat Biewer sieht sich indes "nicht gut weggekommen" in der Berichterstattung. "Wir sind auch ein gewähltes Gremium", meinte Ortsvorsteherin Sabine Berg (CDU). Man habe nur eine Empfehlung zur Namenswahl ausgesprochen. Im Übrigen hätte der Ortsbeirat nicht damit gerechnet, dass die Kinder in der Kinderkonferenz "einen Namen festmachen" würden. "Das wird jetzt so dargestellt, als hätte der Ortsbeirat Schuld", beklagte Berg das "unglücklich gelaufene" Verfahren. "Man hätte sich vorher über die Vorschriften erkundigen sollen", äußerte sie Kritik an der Schulleitung. Der Vorwurf treffe die Schule allerdings unberechtigt. Das Schulgesetz sieht in Paragraf 91, Absatz 4, lediglich vor, dass der Schulträger der Schule einen Namen verleiht. Ob Gremien, wie hier der Ortsbeirat, zu hören sind, ist nicht ausgeführt. Konkret bedeutet das lediglich, dass dem Stadtrat die Entscheidung über den zukünftigen Schulnamen obliege, meinte ein Mitarbeiter der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion.

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