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Kinderbesuchsdienst Trier Mutterhaus Krankenhaus Ehrenamt

Kinderbetreuung im Trierer Mutterhaus : Wenn Ehrenamtliche kleine Patienten besuchen: „Meine Güte: In diesem Alter diese Reife!“

Spielen, singen, zuhören: Ehrenamtliche betreuen junge Patienten im Mutterhaus – und lernen Erstaunliches von den kranken Kindern.

Es gibt wahrlich angenehmere und erfreulichere Aufenthaltsorteals ein Krankenhaus. Gerne an einem anderen Ort wären sicher auch all die kranken Kinder, die täglich im Klinikum Mutterhaus der Borromäerinnen in Trier aufgenommen werden. Nicht immer haben deren Eltern Zeit, dort den ganzen Tag am Krankenbett zu sitzen: Arbeit, häusliche Verpflichtungen, andere Geschwisterkinder und vieles mehr können ihnen dabei ein Hindernis sein.

Das Problem ist altbekannt, und deshalb hat der Kinderschutzbund schon vor einem Vierteljahrhundert in Zusammenarbeit mit den Klinikärzten nach einer Lösung gesucht – erfolgreich. Was damals als „Liebe Oma am Bett“ begann, ist eine sehr sensible und gleichzeitig diffizile Angelegenheit: Der manchmal erforderliche Spagat zwischen den Anforderungen, ein liebevoll offenes Ohr zu haben und gleichzeitig Distanz trotz Nähe zu wahren, gelingt nicht immer, wie Elke Boné-Leis (74), Vorstandsbeisitzende des Kinderschutzbundes und Gründerin des Kinderbesuchsdienstes, erzählt. Um die Ehrenamtlichen in ihrer Arbeit zu unterstützen, bietet der Kinderschutzbund regelmäßig Fortbildungen an. Bei der Gründung fanden zwölf Ehrenamtliche zusammen, die den Kindern im Krankenhaus begleitend zur Seite standen. Heute sind es 30 Ehrenamtliche. Zwei von ihnen kommen aus Waldrach und sind 77 und 71 Jahre alt. Früher schon waren sie als Erzieherinnen im Kindergarten zusammen tätig. Heute gehen sie seit nunmehr 15 Jahren jedes Wochenende ins Krankenhaus und lassen sich überraschen, bei wem sie Gast, Zuhörerin, Helferin und Gesellschafterin sein dürfen. „Wir waren ja mit Leib und Seele im Beruf“, erzählt die 77-Jährige. Als dieser wegfiel, kam der Kinderbesuchsdienst für sie gerade richtig. „Das ist ein schöner Ausgleich im Rentenalter.“ Viele unvergessliche, eindrucksvolle Begegnungen haben die beiden über die Jahre erlebt. Die 71-jährige Seniorin erzählt von einem Kind mit einem Tumor im Kopf, das schon wochenlang nicht mehr bei Bewusstsein war. Trotzdem hat sie ihm aus einem seiner Bücher vorgelesen, immer und immer wieder. Sie spielte auch Querflöte und sang dazu – da machte das Kind plötzlich die Augen auf. Als die Krankenschwester in den Raum kam, weinte sie: „Wir haben lange auf diesen Moment gewartet!“ Eine Woche später war das Kind tot.

Auch die 77-jährige Dame erzählt voller Bewunderung und Respekt von den Kindern im Krankenhaus. Einmal sagte ein schwerkrankes Mädchen ihr: „Es gibt noch viel Schlimmeres.“ Wenig später starb es. Sie habe sich damals bedrückter gefühlt als das Mädchen, sagt die Seniorin „Da hab´ ich gedacht, meine Güte: In diesem Alter diese Reife!“ Die beiden Frauen lernen durch den Kinderbesuchsdienst viel über den Umgang mit Krankheit. „Kinder leben immer in der Gegenwart.“ Genau dieses Ziel haben auch die Ehrenamtlichen vor Augen: „Das Kind da annehmen, wo es ist. Es muss selbst etwas ändern wollen oder es so stehenlassen“, sagt die 71-jährige  Ehrenamtliche.

Was hat sich ineinem Vierteljahrhundert Kinderbesuchsdienst geändert? Durch die längeren Liegezeiten im Krankenhaus konnten die Frauen früher eine intensivere Beziehung zu den Kindern aufbauen. Die Digitalisierung hat den Fokus auf Handy und Laptop verlagert. „Und wenn die Kinder lieber am Handy sind, dann ist das auch in Ordnung. Doch die Kinder legten auch gerne ihre Geräte beiseite. Kartenspiele und Brettspiele sind sehr beliebt“, erzählt die 71-jährige Dame. Wie schafft es der Dienst, Begeisterung und Motivation bei den Ehrenamtlichen lebendig zu halten? Ein Grund dürfte der Zusammenhalt in der Gruppe sein: Die Ehrenamtlichen leihen sich auch gegenseitig das sensible, offene Ohr. Die beiden Ehrenamtlichen treffen sich nach ihrem Besuchsdienst auf eine Tasse Kaffee in der Cafeteria, erzählen sich von ihren Erlebnissen und beraten sich. Wie lange die beiden wohl noch im Mutterhaus singen, spielen und lachen werden? Sie sind sich einig: „Solange wir das können, machen wir das auch noch!“