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Kinderschutzbund Trier befürchtet Mindereinnahmen wegen Corona-Krise

Kostenpflichtiger Inhalt: Hilfe : Kinder und Kinderschutzbund in der Krise

Der Kinderschutzbund Trier schlägt Alarm. Seine Mitarbeiter sind gefragt wie nie zuvor. Doch der Verein braucht Spenden und Zuschüsse. Wenn die ausbleiben, sieht es für die Zukunft düster aus.

Bruno Worst treibt die finanzielle Situation des Kinderschutzbundes Trier/Trier-Saarburg die Sorgenfalten auf die Stirn. Der ehrenamtliche erste Vorsitzende des Vereins sitzt an seinem Schreibtisch und rechnet. „Noch sind wir liquide“, sagt er. „Aber“, und er holt tief Luft, „die Betriebe, die uns unterstützen, krebsen ja jetzt selbst am Limit. Spenden erhalten wir möglicherweise verspätet. Wir brauchen 400 000 Euro im Jahr, 10 000 Euro jeden Monat.“ Zehn Fachkräfte werden unter anderem davon bezahlt. Doch ohne die zahlreichen Ehrenamtlichen wäre die viele Arbeit kaum zu stemmen.

Corona-Krise und die Folgen Zwar musste das Haus in der Trierer Thebäerstraße ebenso wie alle anderen sozialen Einrichtungen wegen der Corona-Krise im März schließen. Dennoch hat der Kinderschutzbund seine Beratungszeiten seitdem massiv ausgedehnt.

„Dank einer großzügigen Spende haben wir Mobiltelefone und technische Geräte anschaffen können“, sagt die hauptamtliche Geschäftsführerin Corinna Engelmann. So haben die Mitarbeiter zusätzlich abends und am Wochenende Anrufe entgegengenommen – versucht, Kindern und Eltern Unterstützung zu geben oder Trost zuzusprechen, wenn auch nur fernmündlich. Die verschärften Bedingungen sind für beide Seiten schwer zu ertragen.

Verschärfte Probleme „Wir gehen davon aus, dass die häusliche Gewalt zugenommen hat, weil die Familien keine Ausweichmöglichkeiten mehr haben“, bedauert Engelmann. Doch das ist nicht alles.

Kinder und Jugendliche aus schwierigen Verhältnissen kämpfen momentan mit so einigen Problemen: „Viele haben keine Rückzugsmöglichkeiten mehr“, sagt die Geschäftsführerin und zählt auf: „Die Schule fällt aus, sie vermissen ihre Freunde. Manche können auch keine Hausaufgaben machen. Sei es, dass es im Haushalt weder PC noch Laptop gibt, sei es, dass die Eltern nicht helfen können. Scheidungskinder vermissen ihre Väter und Mütter. Und die wiederum vermissen ihre Kinder.“

Erhöhter Kommunikationsbedarf Der soziale Halt, den Einrichtungen wie das Jugendzentrum Mergener Hof MJC Trier oder Vereine diesen Kindern und Jugendlichen normalerweise geben, fällt in diesen Tagen und Wochen weg. Sie stehen allein mit ihren Problemen da. Da gehören diejenigen zu den Privilegierten, die engen Kontakt zu den Mitarbeitern des Kinderschutzbundes haben.

„Besonders die Anrufe an den Kinderschutzdienst von Eltern und Bezugspersonen und von Kindern aus suchtbelasteten Familien haben zugenommen“, gibt Engelmann zu Protokoll.

Wie sich das in konkreten Zahlen äußert, kann sie noch nicht sagen. „Die haben wir noch nicht erheben können. Wir werden Resümee ziehen und Zahlen zusammentragen, wenn wir wieder normal arbeiten können.“

Neue Welle an Fällen Eins bereitet ihr schon jetzt Kopfschmerzen: „Unsere Berater und Beraterinnen rechnen mit einer Welle an Fällen. Die werden allerdings erst dann transparent, wenn wir wieder Kontakte haben.“ Was jedoch bereits in den nächsten Tagen und Wochen der Fall sein dürfte, denn das Haus in der Thebäerstraße 46 hat für Einzelgespräche nach Terminabsprache wieder geöffnet – natürlich unter strengen Sicherheitsregeln mit Masken, Sicherheitsabstand und Desinfektionsmitteln.

Fehlende Einnahmen Besonders Masken will Bruno Worst in größeren Mengen besorgen und hofft auf großzügige Spender. Die sind nötiger denn je, denn einige Einnahmen sind dem Kinderschutzbund unverschuldet weggebrochen.

„Am 19. April wollten wir zu einem Benefizkonzert einladen. Das mussten wir absagen und entstandene Kosten dennoch tragen. Alle Veranstaltungen im Sommer fallen flach, auch unsere Feier zum 35. Geburtstag. Dabei haben wir ein Viertel unserer Ausgaben aus Eigenmitteln zu finanzieren“, klagt Worst und brütet über das Dilemma, dass der Kinderschutzbund einerseits professioneller werden soll und es sich der Verein auf der anderen Seite finanziell nicht leisten kann.

Finanzielles Dilemma mit der Fachstelle Lichtblick Eine Sache fuchst ihn sehr. Zwei Halbtagsstellen seien in der Fachstelle Lichtblick angesiedelt. Dort kümmern sich die Mitarbeiter um Kinder und Jugendliche mit suchtbelasteten Eltern. „Eine halbe Stelle wird von der Stadt Trier bezuschusst. Die zweite halbe Stelle finanzieren wir aus Eigenmitteln. Doch Ende Mai läuft dieser Vertrag aus, weil wir die Stelle nicht weiter finanzieren können.“

Hinzu komme, dass der Kreis Trier-Saarburg bei Lichtblick nur projektbezogene Maßnahmen bezuschusse. Ein Tropfen auf den heißen Stein, Worsts Meinung nach. Und das, obwohl mehr als die Hälfte der Menschen, die die Leistungen des Kinderschutzbundes in Anspruch nehmen, aus dem Kreis kommen.

Das sagt die Kreisverwaltung Martina Bosch, Pressesprecherin der Kreisverwaltung Trier-Saarburg, teilt auf Anfrage des Trierischen Volksfreunds mit, dass der Landkreis den Kinderschutzbund/-dienst pauschal mit 64 000 Euro jährlich unterstützt.

Was die Fachstelle Lichtblick angehe, habe sich Anfang des Jahres 2019 der Jugendhilfeausschuss des Landkreises zuletzt mit der Frage der Förderung dieser Fachstelle befasst. Beschlossen habe er, dem Träger eine Förderung anhand von Fachleistungsstunden orientiert am Stundensatz anhand des Konzepts der „Sozialraumorientierten Jugendhilfe im Landkreis Trier-Saarburg“ zu gewähren.

Beratungsleistungen für Klienten aus dem Landkreis durch die Fachstelle Lichtblick werden demnach entsprechend vergütet. „Damit erhält dieser Träger eine Förderung auf der gleichen Basis wie viele andere Träger, mit denen das Kreisjugendamt gut zusammenarbeitet“, teilt Bosch mit.

Und jetzt? Für Bruno Worst ist das kein Trost, verbessert sich die finanzielle Lage dadurch nicht. Ihm bleibt nichts anderes übrig, als um Spenden zu werben und Öffentlichkeit zu schaffen – für die immensen Aufgaben des Kinderschutzbundes.