Kino wie in den 1920er Jahren: Die Uni Big Band Swing UniT gibt dem Stummfilm eine Stimme.

Kino wie in den 1920er Jahren: Die Uni Big Band Swing UniT gibt dem Stummfilm eine Stimme. : Wenn die Uni swingt

Die Uni Big Band Swing UniT gibt dem Stummfilm eine Stimme.

Das Bild verblasst, die Leinwand wird dunkel. Der letzte Ton verklingt. Einen Moment Stille. So muss es in den 1920er Jahren in den Kinos gewesen sein: Auf der Leinwand läuft ein Film; ein Orchester vertont ihn musikalisch.

Der Film stoppt. „Perfekt, wir sind richtig hingekommen.“ Bernhard Nink senkt die Hände, die zuvor den Musikern von Swing UniT Einsatz und Takt angegeben haben, und senkt sie auf die Tasten seines Keyboards. „Jetzt kommt die Überleitung von mir.“ Nachdem sich die Big Band der Universität Trier im vergangenen Jahr den Stummfilm „Steamboat Bill, Jr.“ vorgenommen hat, steht am Dienstag, 23. Januar, um 20.30 Uhr in der Kapelle auf dem Campus II der Universität ein weiterer Stummfilmklassiker an – der Eintritt ist frei.

Er habe sich den Film angesehen und passende Titel aus dem Bereich Jazz gesucht, die zum Inhalt passen, erklärt Nink. So habe er eine Passage, in der eine Mutter ihr Kind weggibt, mit dem Song „Sometimes I Feel Like a Motherless Child“ musikalisch unterlegt. Für die hektischen Passagen wählte er schnelle Titel aus, ruhige etwa für die häuslichen Szenen.

„Viele der Stücke habe ich neu arrangiert, für einige habe ich fertige Arrangements übernommen“, sagt Nink. „Ich hatte mir den Film bestimmt 50-mal angesehen.“ Mit der Stoppuhr in der Hand habe er überlegt: „Hier geht ein Solo, an dieser Stelle zwei.“ Denn die Musik muss 100-prozentig auf die Szenen passen. „Wenn wir zu schnell sind, ist das kein großes Problem. Da kann ich den letzten Ton etwas länger spielen oder das Zwischenstück um einen Takt längen.“ Fatal sei es, wenn die Filmsequenz schneller endet als das Musikstück.

Nink hat das Dirigat des Ensembles, das im Wintersemester 2007/08 unter der Leitung von Patrick Bach gegründet wurde, 2014 übernommen. „Damals kam Unipräsident Michael Jäckels nach einem Konzert mit der Big Band des Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums auf mich zu, ob ich jemanden kennen würde, der die Uni Big Band leiten könnte.“ Er habe ihm gesagt: „Das mache ich selber.“

Ziel der Big Band sei es mitzuhelfen, die Universität, die Studenten in die Stadt zu bringen, sagt Nink. Deshalb sei die Formation in den vergangenen zwei Jahren bei Jazz am Dom aufgetreten, und 2017 beim Altstadtfest. Ihr letzter Gig liegt zehn Tage zurück: Bei der Gala der Arbeitsgemeinschaft Trierer Karneval untermalten sie die Inthronisation des neuen Trierer Prinzenpaars Peter I. und Anja I. und standen mit Verona Poth auf der Bühne in der Europahalle. „Vor zwei Jahren wollten wir auch beim Rosenmontagszug mitgehen“, sagt Nink. Doch der wurde wegen Unwetters abgesagt. Der überwiegende Teil der bis zu 30 Musiker sind Studenten. Deshalb sei die Fluktuation der Musiker groß. „Es ist schwierig, ein festes Ensemble aufzubauen, das längerfristig zusammenspielt“, sagt Nink. „Weil es genug Big Bands in Trier gibt, haben wir wenige Leute aus der Stadt dabei.“ Das sei anders als im Uniorchester Collegium Musicum. „Da muss man sehr flexibel sein. Und es läuft sehr gut.“ Die Abstimmung jedenfalls steht.

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