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Kinos top, Gaststätten ein Flop

Kinos top, Gaststätten ein Flop

Eine Demonstration in Saarbrücken hat die Frage nach der Barrierefreiheit wieder angestoßen. Film-Fans im Rollstuhl haben in Trier Glück, denn die Kinos sind vergleichsweise gut zugänglich. Trotzdem gibt es noch viele Ecken in Trier, wo Rollstuhlfahrer auf Hilfe angewiesen sind oder nur schlecht hinkommen, etwa weil es keine barrierefreien Toiletten gibt.

Trier. Olaf Hänel schaut sich jede Woche im Kino einen Film an, manchmal sogar mehrmals. So selbstverständlich, wie das für die meisten Menschen klingt, ist es für ihn nicht, denn Olaf Hänel sitzt im Rollstuhl. Er ist darauf angewiesen, dass Kinos barrierefrei sind, das heißt die Säle müssen gut zu erreichen sein, und es müssen Plätze für Rollstuhlfahrer angeboten werden.
Weil das in vielen deutschen Kinos immer noch nicht der Fall ist, demonstrierten im Januar beim Max-Ophüls-Festival in Saarbrücken etwa 70 Behinderte gegen die Diskriminierung von Menschen mit Behinderung - darunter Rollstuhlfahrer, Sehbehinderte und Gehörlose.
In Trier haben zumindest die Rollstuhlfahrer Glück: Im Großraumkino Cinemaxx in der Moselstraße ist jeder Saal mit Plätzen für Rollstuhlfahrer ausgestattet, insgesamt gibt es 13 Stück. Im Broadway in der Paulinstraße haben zwar nur zwei Säle Plätze für Rollstuhlfahrer, doch dort ist man auch besonders hilfsbereit. "Wir gehen öfter mit unserer Tagesstätte, einer Einrichtung für erwachsene Behinderte, ins Broadway", sagt Ute Treinen vom Club Aktiv. "Da bekommen wir meistens einen barrierefreien Saal. Wenn nicht, werden extra Rampen aufgestellt und auch mal normale Sitze ausgebaut, damit unsere Rollifahrer Platz haben." In Zusammenarbeit mit der Lebenshilfe wurde auch mal ein Film für Blinde angeboten, bei dem die Sehbehinderten simultan zum Film eine sogenannte Audio-Deskription bekamen, die die Bilder im Film erklärte.
Obwohl die Situation für Kino-Fans also entspannt ist, hapert es auch in Trier noch an vielen Ecken. "Unser größtes Problem sind die Gaststätten", sagt Treinen weiter. "Zwar sind die meist auch mit Rollstuhl zu erreichen, aber es gibt kaum barrierefreie Toiletten!" Ein generelles Problem in Trier sei auch das Kopfsteinpflaster in der Innenstadt, und barrierefreie Wohnungen gäbe es sowieso kaum. "Da muss sich noch viel tun", lautet Ute Treinens Fazit. "Aber wir beobachten, dass das Bewusstsein für Barrierefreiheit immer größer wird." Als Beispiel nennt sie den Petrisberg, wo viel neu gebaut wurde: "Dort sind beispielsweise alle Arzt-Praxen für Rollstuhlfahrer zugänglich."
Auch das Theater soll im Zuge des Umbaus komplett barrierefrei gemacht werden, die Zusage vom Stadtrat gibt es. Olaf Hänel wird trotzdem lieber ins Kino gehen. Er wünscht sich nur, dass das Moselstadion besser für Rollstuhlfahrer zugänglich wäre, denn neben Kino ist Fußball seine große Leidenschaft.