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Kirmes-Leute wollen zurück auf Viehmarkt

Kirmes-Leute wollen zurück auf Viehmarkt

Die Schausteller erklären die Peter-und-Paul-Messe auf dem Rindertanzplatz für tot. Sie fordern eine Rückkehr aus der "Verbannung" auf den Viehmarkt. Doch der ist längst anderweitig vergeben.

Trier. Was wird aus der Peter-Paul-Messe? Mit dieser Frage beschäftigt sich heute der Stadtvorstand. Eine knifflige Angelegenheit, um die sich der zuständige Dezernent Thomas Egger nicht allein kümmern will. Verständlich in Anbetracht der Gemengelage. Ausgelöst haben die Diskussion um Zukunft der Traditionskirmes die Schaustellerbetriebe. Die veranstalteten die Messe 2009/10 nicht mehr auf dem angestammten Viehmarkt, sondern auf dem Rindertanzplatz. Gegen ihren Willen. "Wir empfinden das als Verbannung. Wir wurden vor vollendete Tatsachen gestellt und abgeschoben auf einen untauglichen Platz", schimpft Peter Weeber (38) von der Arbeitsgemeinschaft Weeber-Dierichs-Löw (Bad Kreuznach). Zweimal habe man sich das "guten Willens angeschaut, aber es geht einfach nicht mehr. Die Umsatzeinbußen sind zu hoch. Wir müssen weg vom unattraktiven Rindertanzplatz. Zurück auf den Viehmarkt."

Ein Platz - viele Begehrlichkeiten



Der jedoch steht vor dem Patronatsfest Peter und Paul (29. Juni) nicht mehr zur Verfügung. Die Verlegung der Messe auf den Rindertanzplatz hatte 2009 den Weg frei gemacht für die Einbeziehung des Viehmarkts ins Altstadtfest-Geschehen. Die dortige "Jugendmeile", die Gastronom Eric Naunheim (44) organisiert, zieht an den drei Festtagen gut 15 000 Besucher an. Für Egger "eine etablierte Sache, von der wir nicht abrücken wollen".

Die Schausteller wollen terminlich ausweichen. 2011 bevorzugt auf den 2. bis 13 Juni. Weil das keine Peter-und-Paul-Messe wäre, schlagen sie den Namen "1. Trierer Pfingstmesse" vor. Diesem Vorhaben steht eine andere Veranstaltung im Wege. Am Sonntag, 5. Juni, ist der Viehmarkt Schauplatz des 16. Internationalen Festes, veranstaltet vom Beirat für Integration und Migration. Dessen Vorsitzende Maria Duran-Kremer (61) kann sich "nicht vorstellen, dass wir ausweichen. Weder terminlich noch räumlich. Der Platz gehört zum Fest - und umgekehrt. Viele unserer Gäste sprechen deshalb vom ,Viehmarktfest'".

Überhaupt wird es im Juni eng auf dem Viehmarkt. Am 23. Juni ist er Segensstation der Fronleichnamsprozession. In den Juli ausweichen wollen die Kirmes-Macher nicht, weil dann Konkurrenz zum Volksfest im Messepark droht. Also warum nicht noch einmal Messe auf dem Rindertanzplatz? "Der kommt für uns nicht infrage", sagt Peter Weeber. "Wir können uns keine Minusgeschäfte mehr leisten."

Als Drohung im Sinne von "entweder Viehmarkt oder gar nicht" will er das nicht verstanden wissen; "Wir wollen eine einvernehmliche Lösung mit der Stadt." Denn sollte Triers 2011er Sommerkirmes platzen, stünden 15 Schaustellerbetriebe dann ohne Job da, weil es auf die Schnelle keine Veranstaltungsalternative gebe. Das, so Weeber, "wäre für einige von uns eine sehr schwierige Situation".

Leichter dürfte es generell nicht werden. "2012 wollen wir den Samstagsmarkt auf dem Viehmarkt starten", kündigt Dezernent Egger an und ahnt - mit Blick auf die Fußball-Europameisterschaft (8. Juni bis 1. Juli 2012) und das von Eric Naunheim geplante Public-Viewing auf dem Viehmarkt: "Das alles unter einen Hut zu kriegen, wird sehr knifflig." Deshalb will er seinen Stadtvorstands-Kollegen in der heutigen Sitzung "die Problematik darlegen. Wir müssen Prioritäten finden und mit Fraktionen und Ausschüssen reden, um zumindest schon mal für dieses Jahr eine Lösung für die Kirmes erarbeiten." Die Zeit drängt. Der Stadtrat, der normalerweise die Entscheidung treffen müsste, tagt erst wieder im April.

Meinung

Wohin mit Schwarzem Peter?

Egal, wie die Entscheidung um den künftigen Veranstaltungsort der innerstädtischen Sommerkirmes ausfällt: Es wird Opfer geben. Irgendwer muss weichen - oder die Schausteller müssten zumindest noch einmal in den sauren Apfel beißen und ihre Karussells auf dem von ihnen ungeliebten Rindertanzplatz aufbauen. Geklärt werden muss auch, ob das Trierer Patronatsfest Peter und Paul (29. Juni) noch als Anlass für eines Kirmes herhalten sollte. Sich davon zu lösen, um damit etwa eine "Pfingstmesse" zu ermöglichen, würde aber einen Traditionsbruch bedeuten. Das Rathaus muss bald entscheiden, was ihm wichtiger ist. Eines sollten aber auch die Kirmes-Schausteller nicht außer Acht lassen: Schon in Zeiten des Viehmarkt-Ausbaus (späte 80er bis Mitte der 90er Jahre) war der Rindertanzplatz Ausweichort für Peter-und-Paul- und die Allerheiligenmesse. Damals klagte niemand über mangelnde Resonanz. Deshalb kann es sein, dass der Publikumsschwund der vergangenen beiden Jahre nicht auf einem Standortproblem beruht, sondern ganz einfach eine Reaktion auf das Kirmes-Angebot und seine Qualität ist. r.morgen@volksfreund.de