1. Region
  2. Trier & Trierer Land

Kita-Chef in Trierweiler verzweifelt gesucht

Kita-Chef in Trierweiler verzweifelt gesucht

Woher die Kinder kommen, ist klar. Schwieriger wird es, passende Fachleute zu finden, die sich um die frühkindliche Erziehung in Kindertagesstätten kümmern. Kita-Leitungen zu finden, dauert oft Monate. Die Ortsgemeinde Trierweiler hat nun mit einem ungewöhnlichen Beschluss die Weichen dafür gestellt, den Posten besetzen zu können.

Trierweiler. Wer einen krisensicheren Job haben will, der sollte Erzieher oder Erzieherin werden. Aufgrund des gesetzlichen Betreuungsanspruchs für Kinder sind in den vergangenen Jahren Dutzende Gruppen und neue Kindertagesstätten entstanden. Doch ohne Personal nutzt das gar nichts. Wie schwer das Finden von Betreuungspersonal ist, weiß Matthias Daleiden. Er ist Ortsbürgermeister von Trierweiler. Die Gemeinde betreibt die kommunalen Kindergärten in Trierweiler und Sirzenich. Daleiden: "Insgesamt betreuen wir bis zu 220 Kinder und haben 42 Erzieherinnen beschäftigt."

Die Herausforderung
Als ehrenamtlicher Ortsbürgermeister ist er wegen der Kitas im Grunde genommen Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens und sagt: "Was mir schon seit Jahren große Probleme bereitet, ist die Tatsache, dass es zunehmend schwieriger wird, geeignetes Personal zu finden." Dies gelte besonders für Leitungskräfte. "Nachdem wir vor zwei Jahren mit Mühe und Not eine neue Leiterin für die Kita in Trierweiler finden konnten, bin ich seit einem halben Jahr auf der Suche nach einer neuen Leitung für die Kita Sirzenich", sagt Daleiden.
Mit fehlenden Bewerbungen für offene Stellen steht Trierweilers Ortschef nicht alleine. Die kirchliche und gemeinnützige Kita GmbH als größter Träger von Kindertagesstätten sucht beispielsweise laut eigener Internetpräsenz derzeit unter anderem Standortleitungen für die Einrichtungen St. Amandus in Konz-Könen und St. Clemens in Trier-Ruwer.

Das Problem
Matthias Daleiden hat sich seine eigenen Gedanken darüber gemacht, warum es so schwer ist, Leitungspersonal zu finden. So würden Herausforderungen enorm und ständig steigen. Dem stehe nur eine geringe Freistellung gegenüber. Das ist die Zeit, in der sich Leiter oder Leiterinnen ausschließlich mit Leitungsaufgaben beschäftigen. Die restliche Zeit sollen sie bei der Betreuung der Kinder mitarbeiten. In Sirzenich betrage die Freistellung 21 Stunden pro Woche. "Das vielfältige Aufgabenspektrum einer Kita-Leitung ist in dieser Zeit nicht zu leisten", sagt Daleiden. Leitungen, die gleichzeitig im Gruppendienst arbeiten, seien Konflikten ausgesetzt: Gegenüber Teammitgliedern sind sie mal Kollegin, mal Vorgesetzte, gegenüber den Eltern ebenfalls in einer Doppelrolle als Bezugsperson ihrer Kinder und Einrichtungsleitung. Zwischen Träger, Team und Eltern sähen sich Leitungskräfte zudem widersprüchlichen Erwartungen ausgesetzt.

Ähnlich argumentiert Erni Schaaf-Peitz, Leiterin einer kommunalen Kindertagesstätte in Wittlich und in der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft engagiert. Sie sagt, dass die Rahmenbedingungen (Zeit für Leitungsaufgaben, Entgelt, Trägerqualität) nach wie vor nicht motivierend seien, die Rolle der Leiterin einzunehmen. Sie spricht von einer Doppelbelastung bei steigenden Aufgaben und Ansprüchen, nicht angemessenem Entgelt und fehlender Anerkennung und Unterstützung. Schaaf-Peitz geht davon aus, dass sich das Problem bei Stellenbesetzungen in den Kindertagesstätten weiter verschärfen wird.

Die Lösung?
Trierweilers Ortschef hat einen weiteren Punkt ausgemacht, der seiner Meinung nach für den Mangel an Bewerbern für eine Leitungsfunktion verantwortlich ist. "Für mich steht mittlerweile außer Frage, dass das nur zu erreichen ist, wenn die Leitungskräfte in ihren Führungsaufgaben unterstützt werden." In seiner Gemeinde wird es deshalb künftig eine ständige Vertreterin der Kita-Leitungen geben. Der Ortsgemeinderat hat einen entsprechenden Beschluss gefasst. Der Regelfall in den Kitas ist derzeit, dass Vertreterinnen lediglich in Urlaubs- und sonstigen Abwesenheitsfällen Leitungsaufgaben übernehmen.

"Ich sehe in der Bestellung einer ständigen Vertreterin den Königsweg, um einerseits den Herausforderungen gerecht zu werden und andererseits das Interesse an einer Leitungsstelle zu stärken."
Inzwischen hat sich eine Bewerberin für die Leitung der Kindertagesstätte Sirzenich gefunden. Matthias Daleiden: "Ausschlaggebend für die Bewerbung war letztlich die in Aussicht gestellte Unterstützung der Leitungsarbeit durch eine ständige Stellvertretung." Er sieht sich in seiner Annahme bestätigt, dass die Bereitschaft, sich einer Leitungsverantwortung zu stellen, dadurch größer wird, wenn der Träger die Last der Verantwortung auf zwei Schultern verteilt.Meinung

Kluge Entscheidung
Kindertagesstätten sind spezialisierte Bildungseinrichtungen, die höchsten Ansprüchen von Eltern und der Gesellschaft gerecht werden müssen. Es werden hohe Erziehungsstandards vorgegeben. Die Arbeit muss ständig dokumentiert werden. Die Leitungsaufgaben in solch einer Einrichtung lassen sich nicht zwischen der Aufsicht beim Turnen der Schulkinder und dem Wickeln der Einjährigen erledigen. Und es ist nachvollziehbar, dass nur wenige Erzieher bei den derzeitigen Rahmenbedingungen Lust verspüren, Leitungsaufgaben zu übernehmen. Vor diesem Hintergrund war die Entscheidung des Trierweilerer Gemeinderats klug, eine ständige Vertretung in den Einrichtungen einzurichten, die permanent Leitungsaufgaben übernimmt. Andere Träger sollten diesem Beispiel folgen. Es sei denn, man möchte riskieren, Stellen auf Dauer unbesetzt zu lassen. Kann man machen, birgt jedoch die Gefahr, dass als Folge die Qualität der Kindertagesstätte darunter leidet. Und das will doch niemand. h.jansen@volksfreund.deExtra

Bis auf wenige Ausnahmen gehören alle Kindertagesstätten in der Region seit dem 1. Januar zur katholischen KiTa gGmbH Trier. Neben diesen 152 Einrichtungen gibt es in Trier, Schweich und Konz kommunale Kindertagesstätten. Unter anderem auch in Lorscheid, Morscheid, Gusterath, Gutweiler, Holzerath, Trierweiler, Ralingen, Langsur, Pölich, Köwerich, Detzem und Bekond. Auch Caritas oder evangelische Kirchengemeinden sind aktiv. har