Kita-Planung geplatzt: Filscher in der Warteschleife

Trier-Filsch · Mehr als fünf Jahre haben Filscher Eltern bislang auf eine Kita gewartet. Und sie werden weiter warten müssen. Wie lange, ist unklar. Klar ist, die Planungen beginnen nach zwei Jahren von vorne, weil die Kosten sich fast verdoppelt haben.

Trier-Filsch. TV-Leserin Tanja Wollscheid aus Filsch wundert sich: Seit Jahren warten sie und andere Eltern auf den Neubau der Kita im Baugebiet BU13 in Filsch. Nach der ersten Planung sollte die Kita schon längst stehen. Doch nichts passiert. Deshalb hat sie sich an den TV gewandt. Was ist da los?

Der Fall: Bereits im November 2008 wird der Bau einer neuen Kita im Ortsbeirat Trier-Tarforst diskutiert. Im Oktober 2010 beschließt der Ortsbeirat Trier-Filsch, den Bau mit 100 000 Euro zu bezuschussen, in der Hoffnung sie könne dadurch schneller gebaut werden. 2011 folgt der Grundsatzbeschluss im Stadtrat. 2013 wird - mit Verzögerung - ein Architekturwettbewerb ausgerichtet. Dann liegt das Projekt 15 Monate in der Verwaltung auf Eis. Mittlerweile hat die Kita zwar schon einen Namen, "Kita Im Freschfeld Trier-Filsch", der Bau aber hat noch nicht begonnen. Kommt die Kita noch, und wenn, wann?

Die Recherche: Anfrage ans Rathaus, zunächst nur kurze Antworten per Mail. Dann, nach Wochen, macht das Presseamt einen Termin für den TV gleich mit zwei Dezernenten und einem Amtsleiter. Das Thema scheint wichtiger als erwartet. Die Nachricht: Eigentlich liegt ein Entwurf des Planungsbüros vor, mit dem der Bau starten könnte. Aber: Die Kosten laufen aus Sicht der Verwaltung aus dem Ruder.

Im Architektenwettbewerb war ein Kostenrahmen von 2,82 Millionen Euro vorgesehen, jetzt lägen die veranschlagten Kosten bei 5,24 Millionen Euro. Deshalb will Baudezernent Andreas Ludwig den Vertrag mit dem ersten Preisträger des Architektenwettbewerbs, dem Luxemburger Büro Nicklas, auflösen. Nach mehr als zwei Jahren Planung. Die Kosten, die dadurch allein bei den Architekten entstanden sind, liegen im niedrigen sechsstelligen Bereich, hinzu kommen Kosten bei Ingenieurbüros, die zugearbeitet haben.

Ein bisschen sehen Bürgermeisterin und Jugenddezernentin Angelika Birk, Baudezernent Andreas Ludwig, der Leiter des Amts für Gebäudewirtschaft Frank Simons und der Vertreter des Bauherrn, der Leiter der Abteilung Kindertagesbetreuung im Jugendamt, Werner Theis so aus, als könnten sie selbst nicht fassen, wie es so weit gekommen ist.

"Der Betrag ist jenseits von Gut und Böse", sagt Ludwig. Wir konnten ja nicht sehenden Auges in so ein finanzielles Desaster rennen. Da mussten wir irgendwann den Stecker ziehen", erklärt er. Aber wie kam es zu den horrenden Kosten? Vielleicht hätten sie den Kostenrahmen von 2,82 Millionen Euro zu knapp veranschlagt, räumt Birk ein. Mit etwa 3,5 Millionen Euro hätten sie gerechnet, aber nicht mit mehr als fünf. Außerdem müsse die Kita im Passivhausstandard gebaut werden, erklärt Ludwig. Das sei eben teurer. Aber war das nicht schon bei der Ausschreibung des Preises klar? Ludwig sagt, seines Wissens nach nein, Birk sagt doch. Die Preiszusage des Architekturbüros sei offensichtlich unrealistisch gewesen, sagt die Bürgermeisterin.

Das Büro Nicklas möchte sich vor den für Montag angesetzten Auflösungsverhandlungen mit der Stadt nicht äußern. Nur insofern, dass sie nach wie vor zur ihrem Entwurf stehen.

Das tut die Stadt nicht mehr. Von Sommer bis Herbst hätten sie gemeinsam mit dem Architekten versucht, die Kosten zu reduzieren. "Aber im Oktober waren es immer noch 4,75 Millionen Euro. Uns war klar, für den Preis können wir nicht anfangen", sagt Ludwig. Er wie Birk betonen beide, der Entwurf sei eigentlich sehr gut - aber eben zu teuer.
Und wie soll es jetzt weitergehen? "Wir fangen nicht bei null an", verspricht Ludwig. Im Januar werde die Stadt Vergabegespräche mit dem zweiten, dritten und vierten Preisträger des Wettbewerbs führen und diese nach ihrer Verfügbarkeit und ihren Erfahrungen mit dem Bau von Kindergärten befragen. Und ob sie noch interessiert seien. "Einer dieser drei Entwürfe wird realisiert werden", sagt Ludwig. Pressesprecher Ralf Frühauf ergänzt: "Durch dieses Verfahren sparen wir jetzt Zeit, nachdem wir viel Zeit verloren haben." 2016 sei das Ziel für den Bau, sagt Ludwig. Die anderen Gesprächsteilnehmer schauen besorgt. Die Kosten hoffen die Verantwortlichen, durch ein geringeres Bauvolumen zu senken. Auch hier gibt Ludwig vorsichtig ein Ziel aus: "Es sollte eine Drei vorne stehen." Allerdings fügt er gleich hinzu, dass er nicht zur Verantwortung gezogen werden wolle, wenn es 4,02 Millionen Euro würden. Bei den Bürgern könnten sie nur um Verständnis bitten, sagt Birk.

Die Reaktion: Verständnis hat Tanja Wollscheid nicht. "Da wollen sie immer mehr junge Menschen hierhin locken und tun nichts dafür!", macht sie ihrem Ärger Luft. "Gut, dann kommt der Kindergarten für mich wahrscheinlich nicht mehr infrage. Bis der steht, wird mein Sohn aus dem Kindergartenalter raus sein." Auch der Filscher Ortsvorsteher Karl-Josef Gilles hat kein Verständnis. "Da freuen sich die Bewohner von BU13 und 14", sagt er. Und fügt trocken hinzu: "Das war zynisch."

Er macht die ehemalige Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani für die Situation verantwortlich. Andreass Ludwig habe erst vor drei Wochen davon erfahren. "So wie ich das verstanden habe, liegt die Schuld eindeutig beim Architekten. Der hat falsch kalkuliert." Und die Stadtverwaltung habe die Kosten nicht richtig geprüft. Kaes-Torchiani habe das einfach so laufen lassen. Er ärgert sich, dass man zwei Baugebiete baue und es versäume, die Infrastruktur zu schaffen. "Was meinen Sie, was man mir schon alles an den Kopf geworfen hat? Keine Spielplätze, keine Kita. Die Kinder spielen im Dreck auf der Straße. Das ist unverantwortlich!"Meinung

Hoffnungen bitter enttäuscht
Viele junge Familien sind hoffnungsvoll ins Filscher Neubaugebiet gezogen. Noch vor Einzug wurde ihnen ein Kindergarten für ihren Nachwuchs versprochen, damit verbunden natürlich ein Spielplatz. Jahre sind vergangen, manche Kinder gehen schon zur Schule. Eine Kita gibt es nicht. Auch keinen Spielplatz. Warum? Andere Prioritäten, Projektstillstand, überlastete Verwaltung. Und jetzt: Ein fertiger, ausgezeichneter Entwurf wandert nach zwei Jahren Planung in die Mülltonne. Weil er der Stadt zu teuer ist. Die Erkenntnis scheint vom Himmel zu fallen. Für die Eltern ein Schlag ins Gesicht. Auch die jetzige Kindergartengeneration wird die Kita nicht mehr kennenlernen. Es bleibt: Bittere Enttäuschung und Ungewissheit. Denn: Wie die Kosten genau gesenkt werden sollen, dafür scheint es keinen Plan zu geben und damit auch keine Gewähr für den baldigen Kita-Bau. a.weber@volksfreund.de