Kitas: Die Zweijährigen können kommen

Kitas: Die Zweijährigen können kommen

Der Kreis ist gut gewappnet, wenn am 1. August diesen Jahres der Rechtsanspruch auf einen Kindergarten-Platz für Zweijährige in Kraft tritt. Zurzeit stehen 731 Plätze für unter Dreijährige in den 74 Kitas des Kreises zur Verfügung.

Keiner kennt die Situation in den 74 Kindergärten des Kreises besser als Hubert Ludwig und Agnes Thielen. Doch selbst die Kita-Referenten vom Jugendamt der Kreisverwaltung haben mittlerweile Mühe, den Überblick zu behalten. Im Kindertagesstätten-Sektor ist Dampf unter dem Kessel, seit das Land Rheinland-Pfalz vor vier Jahren den Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz für Zweijährige ab 1. August 2010 ins Gesetz geschrieben hat. Doch damit nicht genug: Bundesweit gilt ab 2013 der Rechtsanspruch für Kinder mit Vollendung des ersten Lebensjahres.

Umbauten in 60 der 74 Kreis-Kindergärten



Die Direktiven aus Mainz und Berlin haben zur Folge, dass in 60 der 74 Kitas im Kreis gebaut wurde oder wird, damit man die zusätzlichen Kinder aufnehmen und altersgerecht betreuen kann. "Die Maßnahmen reichen von der simplen Trennwand für 12 000 Euro bis zur Erweiterung und Generalsanierung des Kindergartens in Aach für 1,7 Millionen Euro", sagt Ludwig. Seit 2007 seien 14,4 Millionen Euro in Kitas investiert, 29 zusätzliche Gruppen geschaffen worden. 3,1 Millionen Euro kamen vom Bund, 6,6 Millionen von den Gemeinden, 4,2 Millionen Euro zahlte der Kreis, 780 000 Euro steuerte das Bistum bei.

Zwei Zahlen machen deutlich, was sich in den vergangenen vier Jahren auf dem Kita-Sektor getan hat: Standen im Jahr 2005 kreisweit gerade mal knapp 40 Plätze für unter Dreijährige zur Verfügung, so sind es heute bereits 731. Zusätzlich werden 60 Kinder bei Tagesmüttern betreut. Das Land geht davon aus, dass 55 Prozent eines Jahrgangs den neuen Rechtsanspruch für Zweijährige geltend machen werden - auf den Kreis bezogen bedeutet diese Quote einen Bedarf von 600 Plätzen. Laut Ludwig werden am Ende des Ausbauprozesses in allen 74 Kitas Plätze für Zweijährige zur Verfügung stehen. Bei den Bauplanungen werde auch bereits an die Garantieplätze für die Einjährigen gedacht, sagt Joachim Weber, Beigeordneter der Verbandsgemeinde Konz. Auch Kita-Experte Ludwig geht davon, dass der bundesweite Rechtsanspruch ab 2013 im Kreis erfüllt werden kann. Die frühere Familienministerin Ursula von der Leyen sei davon ausgegangen, dass etwa 35 Prozent der infrage kommenden Kinder (zwei Jahrgänge der Ein- bis Dreijährigen) die Kitas besuchen werden. Ausgehend von den 1100 Geburten pro Jahr, die man im Schnitt der letzten beiden Jahre im Kreis Trier-Saarburg verzeichnete, hätten bei zwei Jahrgängen also rund 2200 Kinder einen Anspruch. 35 Prozent davon wären knapp 800 Plätze. "Das kriegen wir hin", sagt Hubert Ludwig. Allerdings rechnet er mit einer ungleichen Verteilung in Städten und auf dem Land. Ludwig: "Ich kann mir vorstellen, dass beispielsweise in Konz bis zu 70 Prozent der Kinder in die Kitas gebracht werden, weil die Wege dort kürzer sind."

Extra 308 Kita-Plätze für unter Dreijährige gibt es zurzeit in den VGen Konz und Saarburg: Konz (108), Oberbillig (8), Pellingen (12), Tawern (18), Wasserliesch (17), Wellen (7), Wiltingen (6), Ayl (6), Freudenburg (28), Irsch (12), Palzem (4), Saarburg (27), Serrig (13), Taben (6), Wincheringen (36). Abgeschlossene Umbauten sind in folgenden Kitas erfolgt (in Klammern die Zahl der zusätzlich geschaffenen Gruppen, in Orten mit einer "0" sind nur Nebenräume geschaffen worden): Konz (Lorenz Kellner, 0), Konz-Könen (0), Irsch (0), Freudenburg (2), Serrig (1), Wincheringen (Neubau, 3). Maßnahmen im Bau: Konz-Roscheid (2), Palzem (Neubau, 2) Baubeginn 2010 geplant: Nittel (1), Wellen (0), Taben (1), Trassem (0). Eventuell vorgesehen: Konz St. Johann (1), ehem. Sprachenschule Konz (1), Arche Noah Konz (1), Niedermennig (1), Oberbillig (1), Tawern (1), Wasserliesch (1) Wiltingen (1), Saarburg St. Marien (1), Saarburg St. Laurentius (1). (alf)

Meinung
Familienfreundlich

Das Prädikat "Familienfreundlicher Landkreis" hat der Kreis Trier-Saarburg in Bezug auf seine Kindergärten in der Tat verdient. Man hat frühzeitig geplant und erweitert, deshalb kann man jetzt entspannt zuschauen, wie andernorts Panik aufkommt. Denn wenige Monate vor dem Inkrafttreten des Rechtsanspruches auf einen Platz für Zweijährige sind viele Städte und Kreise noch längst nicht am Ziel. Insbesondere die Bundesvorgabe, dass unter Dreijährige ab 2013 einen Platz bekommen müssen, ist eine hohe Hürde. Mainz hat mit seinem Alleingang, einen Rechtsanspruch für Zweijährige gesetzlich vorzuschreiben, seinen Kommunen bereits so viel Feuer unterm Hintern gemacht, dass man für den Berliner Stichtag einen Großteil des Wegs zurückgelegt hat. a.follmann@volksfreund.de