Kitas wollen sich der Konkurrenz stellen
Trier/Boppard · Fünf evangelische Kirchenkreise im rheinland-pfälzischen Teil der Evangelischen Kirche im Rheinland beginnen einen dreijährigen Qualitätsmanagementprozess in ihren Kindertagesstätten. Mit dabei ist der Evangelische Kirchenkreis Trier als Träger von vier Kitas in Trier, Konz, Mülheim und Rhaunen.
Trier/Boppard. Wie misst man Qualität in einer Kita? Und wie wird eine Qualitätssteigerung erreicht? Vor Fragen dieser Art gestellt, macht Marion Krutzinna-Gallmeister keinen sehr glücklichen Eindruck. "Wir stehen ja noch ganz am Anfang des Prozesses, der sich erst entwickeln wird", sagt die Leiterin der evangelischen Kita Christuskirche. "Qualität ist ja jetzt schon vorhanden", betont sie und deutet auf mehrere Leitfäden und Empfehlungen von Bund und Land für die Arbeit in Kitas. Unter diesen ist auch ein dicker Ordner, der den aktuell begonnenen Qualitätsmanagementprozess beinhaltet.
Individuelle Konzepte bleiben
Die Qualität in evangelischen Kitas soll mit Hilfe von Standards vergleichbar werden, wobei die verschiedenen Einrichtungen ihre individuellen Konzepte beibehalten, erklärt Krutzinna-Gallmeister. In der Kita Christuskirche, die von 42 Kindern im Alter von zwei bis sechs Jahren besucht wird, ist ein besonderes Profil der gemeinsame Gottesdienst, der zusammen mit einer Pfarrerin alle 14 Tage in der Kita gefeiert wird. Qualität zu steigern bedeute, Modelle zu entwickeln, etwa, wie wird beispielsweise die Anfangszeit von Zwei- oder Dreijährigen gestaltet, die neu in die Kita kommen, fügt Jörg Weber hinzu, Öffentlichkeitsreferent des Evangelischen Kirchenkreises Trier.
Warum ein Qualitätsmanagementprozess überhaupt nötig ist, begründet Weber ganz pragmatisch: "Die Evangelische Kirche stellt sich auf die gestiegenen Erwartungen von Eltern an die vorschulische Bildung ihrer Kinder ein. Sie begegnet damit dem sich abzeichnenden Wettbewerb zwischen den Kindergartenträgern, wenn infolge des demografischen Wandels weniger Kinder betreut werden müssen." Zusammen mit Qualitätsentwicklern und Schulungen der Träger werde der Prozess nun in Gang gesetzt, der 2014 mit der Vergabe eines Gütesiegels endet, "wenn die Standards in der Einrichtung gelebt werden", sagt Krutzinna-Gallmeister.
Bei dem künftigen vermehrten Papierkram sei hoffentlich eine entsprechende Personalplanung vorgesehen, sagt die Leiterin. Trotz der zu erwartenden Mehrarbeit gewinnt sie dem Projekt Positives ab: "Die Qualität wird dokumentiert und nach außen sichtbar gemacht."
In einer Auftaktveranstaltung zum Qualitätsmanagementprozess in Boppard sind 400 Erzieherinnen und Erzieher aus 50 Kindertagesstätten gekommen. Superintendent Christoph Pistorius dankte den beteiligten Kirchenkreisen für ihren Beitrag zur Fortentwicklung der Bildungsqualität. Die rheinland-pfälzische Familienministerin Irene Alt lobte das Projekt, mit dem die evangelische Kirche konsequent den Weg einer modernen und professionellen Frühpädagogik ginge. "Damit haben das Land und die Kommunen in Rheinland-Pfalz in den evangelischen Kirchen einen starken und verlässlichen Kooperationspartner", lobte sie. gsb