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Klangkunst Opening 21 in Trier ist ins Wasser gefallen

Klangkunst Opening 21 : Verwässerte Klangkunst

In Trier fiel am Wochenende das Internationale Festival für Aktuelle Klangkunst Opening 21 buchstäblich ins Wasser.

Dass Petrus seine eigene Vorstellung von Klang hat oder zumindest kein Freund neuer Musik ist, hat er am Wochenende in Trier mal wieder bewiesen. Dort startete  das Internationale Festival für Aktuelle Klangkunst Opening 21  bei Blitz und Donner. Als Folge der Corona-Beschränkungen war das Festival diesmal als  Open-Air-Veranstaltung geplant. Zwei Klangachsen vom Viehmarktplatz bis zur Porta Nigra hatten die beiden Programmmacher Bernd Bleffert und Thomas Rath durch die Stadt gelegt, auf denen  jeweils  „Platz-Konzerte“ der neun teilnehmenden internationalen Ensembles (meist Duos) präsentiert werden sollten. Ein durchaus attraktives Konzept, das in der traditionellen Straßenmusik seine Vorbilder hat.

Als „Sommerung“  bezeichneten die Kuratoren ihr Programm, ein Begriff aus der Landwirtschaft, der gleichermaßen die Weiden des Sommers wie  die im Sommer heranreifenden Feldfrüchte bezeichnet. Wie in den Jahren davor hatten die Kuratoren eine Mischung aus modernen Klassikern wie John Cage oder  Hugo Ball und  Werke zeitgenössischer Komponisten wie Kunsu Shim versammelt. Einmal mehr schlugen sie dabei die Brücke zwischen Ost und West. Was schlüssig geplant war, fiel am Ende buchstäblich ins Wasser. Bereits morgens regnete es in Strömen, so dass die Konzerte in die Tufa verlegt werden mussten.

Immerhin ein feiner, intimer Rahmen, genau passend für Spannung und dialogisches Spiel. Vorsorglich war nach dem verwässerten Anfang die offizielle Eröffnung des Festivals, das von der Stadt Trier in Kooperation mit der Tufa und der Trierer Gesellschaft für aktuelle Klangkunst veranstaltet wird,  ins Innere des Museums am Dom verlegt worden, wo Direktor Markus Groß-Morgen zahlreiche Gäste begrüßen konnte, unter ihnen  der designierte Kulturdezernent der Stadt Markus Nöhl sowie der Kurator der zum Festival gehörenden Klangkunstausstellung „Klanglinie Trier“, Peter Kiefer von der Hochschule für Musik in Mainz.

Ausdrucksstark interpretierten eingangs Salomé Kammer und Achim Seyler Hugo Balls „Laut- und Klanggedichte“. Dem Wetter weitgehend zum Opfer fielen auch die nachmittäglichen „Platz-Konzerte“. Kaum waren die Musiker in die Stadt ausgeströmt, war in der Ferne Donnergrollen zu hören. Da kam selbst Marc Boukouya mit der Posaune nicht an. Und leider  blieb auch die hervorragende Performance seiner Partnerin Alwynne Pritchard in der Menge der geschäftig vorbeilaufenden Passanten fast unbemerkt, wie ein Großteil der Konzerte.

Auch die Idee, die Klänge der zeitgenössischen Musik mit den Geräuschen der Stadt zu neuen Hörerfahrungen zu verbinden, funktionierte nicht. Überhaupt blieb das Publikum auf wenige Interessierte beschränkt. Die allerdings verfolgten das musikalische Geschehen mit Aufmerksamkeit. „Die Idee ist gut, ist aber noch ausbaufähig“, brachte eine Zuhörerin das Geschehen  auf den Punkt.

Die Ausstellung „Klanglinie“ ist bis zum 15. August in Trier. Weitere Informationen finden Sie unter www.opening-festival.de