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KLASSE!-Projekt: So funktioniert das Briefzentrum Trier

KLASSE!-Projekt : So funktioniert das Briefzentrum Trier (Fotos und Video)

Wir alle haben schon mal einen Brief geschrieben, eine Briefmarke auf den Umschlag geklebt und in einen der vielen gelben Briefkästen geworfen. Leerung: 16.45 Uhr. Das heißt, ein Kastenleerer macht den Kasten auf und nimmt die Post mit ins Briefzentrum. Doch wie kommt der Brief dann zu unserer besten Freundin oder Oma? Wir verraten es euch.

Vor dem Gebäude stehen sie: Die gelben Postautos. Doch nicht nur eins hat hier am Rand geparkt, nein, gleich acht stehen in einer langen Reihe auf dem Gelände des Briefzentrums. Ein Blick nach rechts: Wow, die Halle ist riesig! 4700 Quadratmeter, so groß wie ein Fußballfeld. Und von innen ganz schön beeindruckend. Überall stehen große Maschinen, Menschen wuseln umher, es rattert und piept – und das 24 Stunden am Tag.

„Wir sind im Briefzentrum 54 Trier, eins von 82 Zentren in Deutschland, die miteinander vernetzt sind“, begrüßt mich Ralf Heinz. Er ist seit 2019 der Leiter des Briefzentrums. Insgesamt ist er jedoch schon seit 37 Jahren bei der Post, eine ganz schön lange Zeit. Doch damit kennt er sich hier bestens aus. So erklärt er zum Beispiel, dass die Briefe auf der vorderen Seite der Halle reinkommen, sie durchlaufen und auf der gegenüberliegenden Seite sortiert wieder das Briefzentrum verlassen, verladen und weitergefahren werden. Doch wie genau funktioniert das?

Mit Struktur zum Empfänger

„Wir haben ein dreigeteiltes System: Vorlauf, Hauptlauf, Nachlauf“, sagt Heinz. Im Vorlauf holen die Postautos nachmittags die Briefe aus den Briefkästen oder aus den Postfilialen ab, also die ganze Post aus den Gebieten, die mit der Postleitzahl 54 beginnen, so wie 54290 Trier. Mit Sprintern (Transportern) oder in großen LKWs werden die Briefe dann an eins der zwölf Tore der vorderen Seite der Halle gebracht und dort ausgeladen. Zwar kommen im Briefzentrum auch Pakete an, doch die werden sofort aussortiert und mit LKWs nach Neuwied gebracht.

Ein Besuch im Briefzentrum Trier

Im Briefzentrum werden die Briefe dann von Maschinen oder Menschenhand geordnet, gestempelt und dann nach Postleitzahlen sortiert.

Briefe, die nach ganz Deutschland verschickt werden (das nennt man Hauptlauf oder einfacher Fernverkehr), zum Beispiel nach Köln oder Berlin, werden von etwa 18 bis ungefähr 21 Uhr sortiert. Noch am gleichen Abend fahren LKWs die Ladungen weiter in andere Briefzentren, von wo sie morgens auf die letzten drei Stellen der Postleitzahl sortiert werden, dann zu den Zustellern transportiert und ausgetragen werden können.

Manche Briefe werden sogar geflogen, weil das Ziel sehr weit weg ist, so wie das Gebiet unserer Hauptstadt Berlin und Städte im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern: Von Trier nach Rostock sind es etwa 760 Kilometer. Das geht mit dem Flugzeug schneller.

Um Mitternacht fängt dann die Verteilung unserer Postleitzahlen an (Ihr wisst ja noch: 54 ist unser Versorgungsgebiet. Dazu gehört nicht nur Trier. Zum Beispiel fangen auch Bitburg, Hermeskeil oder Wittlich mit der 54 an).

Der Nachlauf beginnt sehr früh am Morgen. Ab etwa fünf bis acht Uhr morgens werden die Briefe für die Postleitzahlen, die mit 54 beginnen, auf 16 Zustellstützpunkte gefahren. Dort kümmern sich die Kollegen der Zustellung dann um die Post und bringen diese zu den Empfängern.

Puh, das waren schon viele Informationen. Doch wie der Brief jetzt genau zum gewünschten Empfänger kommt, wissen wir immer noch nicht.

Ralf Heinz hilft weiter: „Im sogenannten Abgangsdienst, am frühen Abend, kommen alle Sendungen aus dem Bereich der Postleitzahl 54 in das Briefzentrum rein. Auf unserem Trennplatz kurz hinter den Toren werden die Kisten (Briefbehälter) aus den Autos auf verschiedene Stellen sortiert.“ Da gibt es zum einen die Briefordnerei (das Herzstück im Abgangsdienst), eine der wichtigsten Stationen, die am Anfang der Halle auf der rechten Seite liegt. „Die Briefordnerei ist für alle ungestempelten Briefe aus den Briefkästen und von den Postfilialen und -agenturen zuständig“, erklärt Heinz und führt weiter aus: „Die fängt gegen 18 Uhr an. Die ganzen Briefe werden ausgeschüttet und dann nach Formaten getrennt und kantengleich aufgestellt: nach Standard-, Groß- oder Maxibriefe.“

Und das sieht ziemlich lustig aus: Mitarbeiter werfen die großen Briefe vom Band von sich weg, die dann an einer durchsichtigen Plastikwand abprallen, runtergleiten und gesammelt werden. Diese Großbriefe und Maxibriefe werden anschließend in anderen Bereichen sortiert, die Standard- oder Kurzbriefe, also die normalen Briefe für 80 Cent, haben einen anderen Weg und können gleich nebenan weiterverarbeitet werden. Kurz gesagt: „Hier in der Briefordnerei bringen wir erst Ordnung rein und stempeln das Postwertzeichen.“

So werden Kurzbriefe sortiert

In der Briefordnerei werden die Kurzbriefe zunächst durch den teilautomatisieren Teil der Briefordnerei kantengleich aufgestellt, damit sie nicht mehr kreuz und quer auf dem Band liegen. Dazu kommen sie aus der Maschine geschossen und werden gesammelt. Eine Mitarbeiterin nimmt den Stapel, packt ihn in eine Kiste und weiter geht’s zur Stempelmaschine. Dort werden sie dann abgestempelt, damit man die Briefmarke nicht nochmal benutzen kann. Außerdem kann man sehen, wann der Brief abgeschickt wurde.

Die Kurzbriefsortieranlagen, sogenannte ILVM (Integrierte Lese- und Videocodiermaschinen), verteilen etwa 30 000 bis 40 000 Sendungen die Stunde. Davon gibt es drei Stück, zwei laufen für die nationale Inlandspost und eine für die internationale Post (schau im Infokasten). „Die Maschinen lesen anhand der Postleitzahl wo es hingeht und spritzen dann unten einen orangefarbenen Code drauf“, erklärt Heinz. Dieser Code macht den Brief „leitfähig“, denn darin ist die Postleitzahl, die Straße und die Hausnummer versteckt. Zwar werden abends in Trier nur die ersten zwei Postleitzahlen zum Sortieren gebraucht, der Rest vom Code ist jedoch nützlich für das Zielbriefzentrum am nächsten Morgen, wo die letzten drei Ziffern gelesen werden.

Die Briefe, die die Maschine nicht lesen kann, werden bis kurz nach 20 Uhr gesammelt und dann nochmal aufs Band gegeben. „Was die Maschine nicht erkennen kann, nicht selbst liest, ist jetzt hier in der Videocdierung“, sagt Heinz. „Diese Briefe werden fotografiert. Im Briefzentrum in Köln sitzen Postler vor einem Bildschirm, die sehen den Brief auf dem Bildschirm und tippen dann auf der Tastatur die Postleitzahl ein, der Impuls geht sofort zurück an die Maschine in Trier (so lange läuft der Brief in der Warteschleife, das geht aber in einem Bruchteil von Sekunden), dann bekommt die Maschine den Input und der Code wird nachträglich aufgespritzt. Dann wird die Sendung durch die Maschine verteilt.“

Und so flitzen die Umschläge dann in ihre Fächer, Postleitzahl sucht Postleitzahl sozusagen. Die sortierten Briefe werden anschließend geordnet in Behälter gelegt und in die Mitte geschoben, zur sogenannten Endkommissionierung.

So werden die großen Briefe sortiert

Die Großbriefsortieranlage (GSA) kann große Briefe für Deutschland, aber auch internationale Post sortieren – pro Stunde etwa 12 000 bis 14 000! Zu der Maschine gehört auch ein Laufband, auf dem viele Kisten so lange im Kreis fahren, bis die Briefe drin liegen – die fallen von den darüber liegenden Taschen hinein. Ob München oder Würzburg, die Maschine ist ganz schön schlau: Sie weiß genau, in welche Kiste welche Post kommt. „Die Briefe werden in eine Tasche abgeworfen und bleiben so lange da drin, bis der richtige Behälter kommt“, sagt Heinz. Wenn dann ein bestimmter Füllgrad oder Gewicht für den Behälter erreicht ist (die Maschine sieht das mit einer Lichtschranke), werden die Kisten ausgeschleust.

Anschließend laufen die Behälter in sogenannte Bahnhöfe. Davon gibt es mehrere. Mit Zügen hat das allerdings nichts zu tun, sondern mit der Postleitzahl: Die Kisten laufen zu den ihnen vorbestimmten Bahnhöfen. Das macht den nächsten Schritt einfacher. Ein Mitarbeiter holt eine der Kisten und kann anhand der Postleitzahl und der internen Kennziffer auf einem Infoträger (Zettel an der Kiste) erkennen, auf welchen Behälterwagen dieser im Anschluss gestellt werden muss.

„Wenn die Sortierung der GSA fertig ist, kommt ein Infoträger vorne an den Behälterwagen dran, der für die weitere Bearbeitung zur Kommissionierung gelangt“, erklärt Heinz.

Es wird auch per Hand sortiert

In der Mitte der Halle ist der händische Bereich. Die Maschinen können nicht immer alles lesen, da kommt dann die Menschenhand zum Einsatz. „Großbriefe, Kurzbriefe und so weiter, die nicht maschinenfähig sind, werden von Menschen sortiert“, erklärt Heinz. Nicht maschinenfähig bedeutet, dass die Briefe entweder zu dick sind oder die Anschrift nicht lesbar ist, die Maschinen also nicht damit umgehen können. Eine Mitarbeiterin steht dabei vor einer Art Regal und kann die verschiedenen Briefe in die dazugehörigen Fächer legen.

Kommissionierung Hier kommen alle Behälter mit den sortierten Briefen der gleichen Postleitzahl aus den einzelnen Bereichen des Briefzentrums zusammen. Egal ob Großbrief, händisch bearbeitet oder Kurzbrief, alle werden auf Behälterwagen für den Weitertransport gestellt. Der Behälterwagen erhält hier seinen Infoträger mit seinem neuen Ziel. Da steht zum Beispiel die Postleitzahl des Zielbriefzentrums drauf. Die interne Kennziffer beinhaltet zum Beispiel, an welches Tor der Wagen gefahren werden muss, damit er ins richtige Auto verladen werden kann.

Weil jedoch auch Menschen und Maschinen mal Fehler machen können, werden die Infoträger der Kisten, die auf dem zugeordneten Behälterwagen stehen, vorher mit einem Multiscanner gescannt. Auf dem Bildschirm sieht man dann, ob vielleicht eine falsche Kiste mit falschen Postleitzahlen draufgestellt wurde.

Früh morgens im Briefzentrum vor der Zustellung

 Alle Briefe, die nachts reingekommen sind und für den Postleitzahlenbereich 54 bestimmt sind, werden jetzt ganz fein auf die letzten drei Stellen sortiert, wie zum Beispiel 54 290 Trier oder 54 634 Bitburg. Aber für die maschinell zu sortierenden Briefe und Postkarten gibt es noch eine Steigerung: In den bundesweiten 82 Briefzentren werden morgens die Kurzbriefe und größtenteils auch die Großbriefe auf die sogenannte Gangfolge sortiert. Das bedeutet, die Briefe und Postkarten werden so für den Zusteller sortiert, wie er seinen Zustellgang ausführt oder Zustellbezirk durchläuft.

„Im Briefzentrum in Trier gibt es für die Kurzbriefe insgesamt sieben Gangfolgesortiermaschinen, die beiden großen ILVM sowie die GSA für die Kurzbriefe, die morgens in den frühen Morgenstunden bis etwa 8 Uhr die Post so sortieren“, erklärt Heinz. „Damit die Sortiermaschinen diese Gangfolge richtig sortieren können, bekommen wir den vorgesehenen Zustellgang von der Auslieferung gemeldet und „füttern“ damit die Sortiermaschinen.“

In Trier arbeiten etwa 220 Mitarbeiter in verschiedenen Schichten rund um die Uhr an fast sieben Tagen in der Woche, damit das alles funktioniert. In 24 Stunden werden ungefähr 800 000 Briefe bearbeitet, zu Weihnachten bis zu einer Million und knapp drüber.

Auch Ralf Heinz ist heute zufrieden. „Mir macht die Arbeit mit allen Kollegen riesengroßen Spaß, mein Blut ist nicht nur rot, es ist auch etwas gelb“, lacht er. „Und wenn alles normal läuft, ist der Brief am nächsten Tag bei der besten Freundin oder bei den Großeltern. Dafür sind wir da und schaffen das in fast 95 % der Fälle.“

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