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Klassenzimmer, Notfall-Anruf, Hausbesuche

Klassenzimmer, Notfall-Anruf, Hausbesuche

Die bundesweiten Vorfälle in jüngster Zeit, in denen Schüler Amokläufe in der Schule ankündigten oder derartig verbreitete Gerüchte zu Panik-Reaktionen führten, zeigen die Notwendigkeit von Schul-Sozialarbeit. Im Konzer Schulzentrum arbeitet Prisca Port - in befristeter Position.

Konz. Tür-und-Angel-Gespräche in der Schule, Präsenz im Klassenzimmer, Notfall-Anrufe in der Nacht, Hausbesuche, Büroarbeit: Der 38,5-Stunden-Job der diplomierten Sozialarbeiterin und Sozialpädagogin scheint prall ausgefüllt zu sein. Wie in diesen Tagen in Konz-Hamm, wo sie mit 20 Hauptschülern der Arbeitsweltklasse und des zehnten Schuljahrs ein Berufsorientierungscamp durchführt. Dass sie kaum Nachtruhe gefunden hat, gehört zum Geschäft. "Man weiß ja vorher, auf was man sich einlässt", sagt sie bestimmt.Die Arbeit von Port, die ihren Arbeitsschwerpunkt fast ausschließlich in die Hauptschule gelegt hat, ist belastend: Gewalt in der Familie, Eltern und Kindern Einsichten vermitteln, an die Grenzen stoßen und den Fall der Polizei überlassen. Aber auch die positive Erkenntnis: "Wenn ich mich nicht eingemischt hätte, wäre die Situation gleich geblieben." Zu Ports Job gehört die Einzelfallberatung in der Schule und zu Hause. Überraschend: Mittlerweile werden etwa genauso viele Eltern beraten wie Schüler. "Die Eltern sind mit der Erziehung überfordert, leben oft in schwierigen Situationen", weiß die 28-Jährige. Daher nähmen Eltern die Hilfe gerne an, bevor sie zum Jugendamt gingen. Hilfestellung beim Übergang von der Schule in den Beruf, das Vermitteln von sozialen Kompetenzen und Präventionsarbeit sind weitere Aufgaben. Das heißt im Klartext: ein schwieriges Klassenklima zu bereinigen, Mobbing-Probleme zu lösen oder Lehrern Tipps zu geben.Private Konflikte in die Schule getragen

Mehr als hilfreich ist die Zusammenarbeit mit dem Haus der Jugend, anderen Kooperationspartnern und der "Runde Tisch". "Es gibt ein paar gewalttätige Schüler, überwiegend in der Hauptschule, aber die sind nur ein sehr kleiner Teil", räumt Port ein. Um gleich hinzuzufügen, dass vielfach die Konflikte der Jugendlichen ihre Ursache nicht in der Schule hätten, sondern nur dort ausgetragen würden. Dass die Realschule derzeit Notfallpläne ausarbeite, sei normal. "Das machen andere Schulen aber auch", relativiert sie. Bei auffälligen Mitschülern würden sie sich im Zweifelsfall mit Freunden und Lehrern beraten, erklären einige Mädchen, die offenkundig auf ihre Schule und die engagierten Lehrer mächtig stolz sind. Der kürzeste Weg führe allerdings zu Prisca Port. "Selbst wenn ich den Unterricht störe, und das kommt gelegentlich vor", sagt sie unter dem zustimmenden Gekicher der Schülerinnen. Prisca Ports Einsatz wird von der Kreisverwaltung nach der ersten Verlängerung vorläufig bis Oktober 2008 befristet finanziert.