Kleider und Lebensmittel gratis - kein Problem
Der Verein "Streetwork Trier" wird in diesem Monat zehn Jahre alt. Ein Jahrzehnt also, in dem sich sowohl in der Außenwirkung als auch in den Hilfsangeboten einiges getan hat.
Trier. (DQ) Im TV-Interview mit Mitarbeiterin Dorothee Quaré spricht Streetworker Raimund Ackermann über die Arbeit des Vereins.
Wie hat sich die Arbeit des Vereins in den zehn Jahren verändert?
Raimund Ackermann: Wir sind froh und stolz, dass uns die Profis in Trier wie die Caritas, die Stadt Trier und das Ordnungsamt gut in ihr Verbundsystem aufgenommen haben. Wir werden dort voll und ganz akzeptiert und erhalten seit fünf Jahren Geld von der Stadt Trier, was anfangs undenkbar war.
Gibt es mehr Obdachlose und von Obdachlosigkeit Bedrohte als früher?
Raimund Ackermann: Ja, vor allem die Tendenz bei den jungen Leuten ist erschreckend. Die 18- bis 25-Jährigen bevölkern etwa ein Drittel der Suppenküche, und auch im Benedikt-Labre-Haus machen sie einen großen Prozentsatz aus. Die haben Krach im Elternhaus, gehen einfach weg und überschätzen sich total. Sie landen meistens schnell auf der Straße. Ein paar Kandidaten sitzen im Knast und haben vorher noch ihre Freundinnen geschwängert. Es haben mich schon verzweifelte Eltern auf der Suche nach ihren Kindern angerufen, etwa aus Düren, Euskirchen und Nittel.
Wie kann den Leuten effektiv geholfen werden?
Raimund Ackermann: Die Hilfsangebote in Trier sind vorzüglich! Es gibt fünf Kleiderkammern und fünf Stellen, wo man Lebensmittel gratis bekommen kann. Die Leute können umsonst duschen, sich die Haare schneiden lassen und zum Arzt gehen. Das Problem ist, dass sie hochgradig labil sind. Sie haben lauter gute Vorsätze, aber dann kommt eine Kiste Bier dazwischen. Sie haben Angst, aus ihrem negativen gewohnten Alltagstrott herausgeworfen zu werden, womöglich Verpflichtungen zu haben und sich unterordnen zu müssen. So gehen manche noch nicht einmal ihr Geld bei der Arge holen, weil sie Angst haben, gemeinnützige Arbeit verrichten zu müssen. Ich werde bei jedem vierten Termin versetzt. Etwa zwei bis drei von zehn Leuten gelingt es, Wohnung und Partnerschaft aufrechtzuerhalten.