Klein und rar

Trier . Noch ist die Trierer Wohnungswelt in Ordnung, doch wie in anderen Ballungsräumen könnten auch hier günstige Zimmer und kleine Wohnungen knapp werden. Ein Grund: Seit der "Hartz-IV-Reform" dürfen Bezieher von staatlichen Leistungen nur noch in "angemessen großen Zimmern und Wohnungen" leben.

Wer in der Hartz-Spirale sitzt, gegen den arbeitet die Zeit. Die amtlichen Vorgaben sind klar: Einem allein stehenden Hartz-IV-Empfänger stehen maximal 45 Quadratmeter zu, für jede weitere Person kommen 15 Quadratmeter hinzu. Wer von der öffentlichen Hand Mietübernahme oder Mietzuschüsse verlangt, muss sich innerhalb von sechs Monaten eine angemessen kleine Wohnung suchen. Ernsthafte Bemühungen bei der Suche nach einer kleineren und billigeren Wohnung muss man schriftlich nachweisen. Im Einzelfall könne die Sechs-Monatsfrist auch verlängert werden, heißt es bei der zuständigen Arbeitsgemeinschaft (Arge) Trier. "Größere Wohnungen sind bei uns immer weniger gefragt, die Nachfrage nach kleinen Einheiten steigt", sagt Michael Decker, Bewohnerbetreuer bei der Wohnungsgenossenschaft am Beutelweg (520 Wohnungen im Bestand). Acht Wohnungen über 100 Quadratmeter seien derzeit im Prinzip unvermietbar. Kleinere Wohnungen hingegen gingen praktisch unter der Hand weg. Ein negativer Nebeneffekt: Musste man sich früher die Miete vom Familienoberhaupt holen, so sind Baugenossenschaften wie die von Michael Decker seit der Einführung von Hartz IV mit einer Bedarfsgemeinschaft konfrontiert. "Unsere Buchhaltung bekommt dann oft von drei Leuten aus einer Wohnung die Miete überwiesen. Was für ein Aufwand!" Die laufenden Sanierungen von Wohnblocks der Wohnungsgenossenschaft in der Franz-Georg-Straße tragen laut Decker dem demografischen und sozialen Wandel verstärkt Rechnung: Aus drei Wohnungen sind jetzt oft fünf Einheiten geworden. Zielgruppen, ob mit oder ohne Hartz IV, sind Singles, Studenten und Senioren, die nach dem Auszug der Kinder in eine kleine Wohnung umziehen. Klaus Brosius, Leiter der Vermietung bei Samok-Bau-Wohnungsunternehmen, stellt ebenfalls eine wachsende Nachfrage bei kleineren Wohnungen fest. Obwohl auch Samok öffentlich geförderten Wohnraum im Angebot hat, "nehmen wir nicht jeden, der anruft". Man bilde sich die Meinung im persönlichen Gespräch. Und berücksichtige auch die Mischung in den Häusern. Viele Interessenten für günstige Wohnungen verbucht auch die Aachener Siedlungs- und Wohnungsgesellschaft. Sie hat allein 965 öffentlich geförderte Wohnungen im Angebot.Mit spitzem Stift rechnen

"Das Problem stellt sich für uns nicht", erklärt dagegen Christian Otto von der Gemeinnützigen Wohnungsgenossenschaft Trier 1922. "Bei uns muss man Mitglied werden und im Jahr 260 Euro Genossenschaftsbeitrag zahlen. Wer als Hartz-IV-Single mit 345 Euro im Monat auskommen soll, der muss mit so spitzem Stift rechnen, dass er bei uns nicht anruft." Arge-Geschäftsführerin Marita Wallrich schließlich sagt: "Dass billige und kleine Wohnungen knapp werden, haben wir so noch nicht bemerkt." Aus dem neuen Trierer Mietspiegel ergebe sich, dass es genug günstigen Wohnraum für Hartz-IV-Empfänger gebe. Ob der auch frei sei, stehe allerdings auf einem anderen Blatt.

Mehr von Volksfreund