Kleine Schritte zur großen Kultur

LORSCHEID. In der Hochwaldgemeinde Lorscheid wird am 21. Dezember das Kulturzentrum "Theater Petipa" eröffnet. Sein Gründer, der langjährige Ballettchef des Trierer Theaters Sergey B. Volobuyev, will dort Kunst auf höchster Ebene vermitteln.

"Petipa" ist nicht nur die lautmalerische Schreibweise von "Petits Passes", einem Begriff aus dem Ballett, der "kleine Schritte" bedeutet, sondern gleichzeitig die des Namens von einem der bedeutendsten Tänzer und Choreographen des 19. Jahrhunderts. Sergey B. Volobuyev, selbst erfolgreicher Solotänzer an Bühnen in Tiflis, St. Petersburg, Sydney und später 14 Jahre lang Choreograph und Regisseur am Theater Trier, hat sich diesen Namen für einen Traum patentieren lassen, der nun Wirklichkeit wird. Am 21. Dezember eröffnet er sein eigenes Kulturzentrum in Lorscheid - wie er sagt, "das erste private Theater in dieser Form in Rheinland-Pfalz". In dieser Form will heißen, dass nichts weniger geplant ist, als ein umfassendes Angebot aus Tanz-, Gesangs- und Musikunterricht, Konzerten, Theater, Lesungen, Ballettaufführungen und Ausstellungen auf höchstem Qualitätsniveau. Um das realisieren zu können, pflegt Volobuyev Kontakte zu namhaften Regisseuren und Intendanten wie Heinz Lukas-Kindermann, René Kollo oder Juri Vamos (Ballettdirektor in Düsseldorf), aber auch zu Künstlern und Musikern. "Gerade sind Verhandlungen mit den Kölner Kammermusik-Philharmonikern im Gange, wegen eines Konzerts, das 20 von ihnen hier geben sollen", erzählt Volobuyev. Auch landesweite Künstleragenturen hat er eingeschaltet, um einen abwechslungsreichen Spielplan mit zunächst einer, dann zwei Veranstaltungen pro Woche anbieten zu können. Große Namen wie Peter Bause mit seinem Paradestück "Der Kontrabass" sollen genauso vertreten sein wie noch unbekannte Talente, die Volobuyev auch in der Region entdecken will. Der Theatermacher setzt auf seine Erfahrung und sein Gespür für Qualität: "Meine Inszenierungen sind manchmal ein Jahr im Kopf gereift, aber immer aus dem Gefühl heraus: Das ist der Stoff." Genauso sei es auch gewesen, als er 2002 das ehemalige Gemeindehaus und Jugendheim der Gemeinde Lorscheid gekauft habe, womit das Theaterprojekt in kleinen Schritten seinen Anfang genommen habe. Mit den vier Materialien Naturstein, Holz, Edelstahl und Glas ist das Haus mit dem großen Bühnenraum und Platz für knapp 200 Besucher inzwischen repräsentativ renoviert worden. Blickfang sind die Schiefer-Bruchsteinwände (Volobuyev: "Eine ideale Kulisse für Shakespeare") und eine Galerie. Die Akustik wurde schon erprobt: "Vera Ilieva und Thomas Kiessling sagten, ihre Stimmen hätten noch nirgends so gut geklungen." Kiessling wird im kommenden Jahr gleich dreimal dort gastieren: am 21. Januar (Weinprobe), vom 2. bis 4. April mit einem Master-Gesangsseminar (begrenzte Teilnehmerzahl) und am 21. April in einem Solokonzert mit Klavierbegleitung.Hochkarätiges Eröffnungsprogramm

Sein Programm für Erwachsene will Volobuyev aus Eintrittsgeldern und ohne Sponsoring finanzieren, im Eintritt ist für jeden Besucher ein Glas Wein aus dem eigenen Weinberg enthalten. Nur bei von ADD und Kultusministerium unterstützten Projekten für Kinder (Theater- und Ballett-Aufführungen) hofft er auf Bezuschussung. Zweifel an seinem Konzept, etwa wegen des ländlichen Standorts, hat er nicht: "Wir liegen nah bei, aber auch weit weg genug von Trier, und im gesamten Hochwaldbereich gibt es nichts in dieser Art", sagt er. "Die Menschen haben durch vielfältige Informationsquellen auch auf dem Land Anspruch an und Gefühl für Qualität. Und Qualität setzt sich durch." Mit einem Tag der offenen Tür am 21. Dezember wird das Theater Petipa in der Hauptstraße 44 in Lorscheid eröffnet. Um 19 Uhr findet die musikalisch umrahmte Vernissage einer Ausstellung von Viktoria und Slawa Prischenko statt. Am 22. Dezember um 20 Uhr folgt ein erster Höhepunkt mit dem Konzert "Let´s play Bach" des Jazz-Quartetts "Swinging Mallets" um Roland Härdtner. Hochkarätige Künstler sind auch am 28. Dezember zu Gast: das Duo für Gesang und Laute, Peter Croton und Theresia Bothe (Basel). Karten an der Abendkasse oder im Vorverkauf im Rathaus Waldrach und der Tourist-Information Kasel, telefonische Reservierung unter 06500/1301 und 0651/1818.