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Kleine Weltreise im Rathaussaal

Kleine Weltreise im Rathaussaal

Die Einbürgerungsfeier im Trie rer Rathaus ist für viele mehr als ein einfacher Verwaltungsakt. Jeder Teilnehmer verbindet ganz eigene Ideen und Gefühle mit seiner neuen Staatsbürgerschaft. Der TV hat sich vor Ort umgehört.

Trier. Der große Saal des Trierer Rathauses ist komplett gefüllt. Wo sonst der Stadtrat tagt, warten mehr als 70 Menschen vieler Nationalitäten gespannt darauf, offiziell Deutsche zu werden. Es werden freudige Blicke ausgetauscht und hektisch ein paar Fotos geschossen. Jeder möchte diesen besonderen Moment für sich verewigen.

Für Oberbürgermeister Klaus Jensen sind die Einbürgerungszeremonien ebenfalls alles andere als tägliche Routine. "Das ist immer wie eine kleine Weltreise", erklärt Jensen in seiner kurzen Ansprache. Darin ermutigte er die neuen Staatsbürger dazu, sich aktiv für das Gemeinwesen einzusetzen und neue Ideen einzubringen. Nur so könnten Integration und kultureller Austausch sinnvoll gelingen.

Worte, die Nouredine al Arroudi vermutlich noch lange im Gedächtnis bleiben werden. Mit zögerlichen Schritten geht der 23-Jährige marokkanischer Abstammung zum Podium, um seine Urkunde entgegenzunehmen. Erst in diesem Augenblick ist er offizieller Deutscher, obwohl er seit seiner Geburt hier lebt.

Schon immer als Deutscher gefühlt



"Ich bin in Deutschland aufgewachsen, habe hier die Schule besucht und fühle mich damit schon immer als Deutscher", beschreibt Arroudi seine Gefühle. Vor zwei Jahren verließ Arroudi seine Heimatstadt Bonn, um in Trier zu studieren.

Sein Ziel ist es, Lehrer für Deutsch und Geschichte zu werden. Nicht zuletzt deswegen war die Einbürgerung für ihn unumgänglich. Denn um Beamter werden zu können, müsse man deutscher Staatsbürger sein, stellt der 23-Jährige klar. Dennoch sei die Einbürgerung für ihn kein reiner Verwaltungsakt. "Diese Zeremonie hat auch eine emotionale Bedeutung für mich, schließlich bin ich jetzt vollwertiger Bürger mit allen Rechten und auch Pflichten", betont der gläubige Muslim, während er stolz seine Urkunde in einen Umschlag verstaut. Seine Familie kam vor 35 Jahren nach Deutschland. Viele seiner Geschwister hätten die Einbürgerung bereits hinter sich. "Ich bin dann so ziemlich der Letzte", gibt der Student lächelnd zu.

Auch Naser Halayqa wird diesen Tag so schnell nicht vergessen. "Schließlich ist dies ein Tag, den man nur einmal im Leben hat", betont der 30-Jährige aus Palästina. Halayqa kam als Staatenloser bereits vor sieben Jahren nach Trier. Hier studierte er Musik und arbeitet inzwischen als Musiklehrer an verschiedenen Schulen.

Die Entscheidung für die Einbürgerung sei für ihn, so macht Halayga deutlich, ein logischer Schritt gewesen: "Schließlich identifiziere ich mich mit Deutschland, weil ich hier lebe und arbeite." Für den studierten Konzertgitarristen ist es jedoch besonders wichtig, künftig offiziell in Deutschland zur Wahl gehen zu können. "Vielleicht trete ich ja auch einer Partei bei", sinniert Halayqa und fügt hinzu: "Die Gesellschaft braucht immer neue Ideen und Perspektiven."

Die Einbürgerungszeremonie schließt mit der gemeinsam gesungenen Nationalhymne. Auch wenn vielen im Saal die Zeilen noch zaghaft über die Lippen kommen, so verraten die Blicke der neuen Staatsbürger Freude und Zuversicht.