Kleiner verkauft sich besser

Für den Industriepark Region Trier (IRT) stehen die Zeichen weiter auf Expansion. Derzeit sind 120 Unternehmen mit rund 2000 Beschäftigten auf dem etwa 106 Hektar großen Areal tätig. Weitere Anfragen nach Gewerbeflächen bestätigen den Trend der vergangenen Jahre: Nicht riesige Industrieansiedlungen, sondern zahlreiche mittelgroße Unternehmen sind die Domäne des IRT.

Föhren/Hetzerath. In der Vorstellung der Gründerväter sollten einmal große Industrieanlagen das Bild des IRT prägen. Bei der ursprünglichen Flächenaufteilung hatten sie daher weite Bereiche des Areals zwischen Föhren und Hetzerath für Industriegroß ansiedlungen reserviert. Doch rund zwei Jahrzehnte später ist diese Planung überholt: Der IRT hat sich zum Mekka der kleineren und mittelgroßen Betriebe entwickelt.
In den vergangenen Jahren wurde daher der Flächennutzungsplan des Industrieparks kontinuierlich der Entwicklung angepasst. Auch in der jüngsten Versammlung des Zweckverbandes IRT stand eine entsprechende Änderung an: Ein 26,5 Hektar (etwa 25 Fußballfelder) umfassendes Areal verlor auf einstimmigen Beschluss den Status als Vorrangfläche für großflächige Industrieanlagen.
Durch diese Änderung können auf dem Gelände zwischen der L 141 und der neuen IRT-Ringstraße künftig kleinere Einzelparzellen erschlossen werden. In dem Zusammenhang beschloss die Versammlung auch den Bau einer weiteren rund 600 Meter langen Erschließungsstraße. Zu ihrer Finanzierung wurden 350 000 Euro in den Haushalt 2012 eingestellt.
Da inzwischen mehr als 65 Prozent der insgesamt vorhandenen, 105 Hektar umfassenden Siedlungsfläche verkauft sind, nimmt der Zweckverband auch gedanklich Abschied vom Bild neuer, riesiger Industrieanlagen. Dies zeigte die Diskussion vor der Abstimmung. Einige Versammlungsmitglieder erinnerten an die ursprünglichen Ziele der IRT-Gründer: Sie wollten neue Großindustrien in die Region ziehen und so neue Arbeitsplätze schaffen. Dies sei in der Tat die Grundidee gewesen, erklärte Verbandsvorsteher Christoph Holkenbrink. Doch alle Angebote des IRT an Großkonzerne - etwa den Autohersteller BMW - seien in den vergangenen 20 Jahren im Sande verlaufen.
Holkenbrink: "Oberstes Ziel des IRT war und ist die Schaffung von Arbeitsplätzen. Und dieses Ziel wurde seit der Gründung des Industrieparks erreicht."
Derzeit liegen nach Angaben des Verbandsvorstands Kaufoptionen für Grundstücke mit einem Gesamtumfang von sechs Hektar vor. Mit weiteren Unternehmen würden zurzeit Gespräche über mögliche Neuansiedlungen geführt. Deren voraussichtlicher Flächenbedarf betrage rund zehn Hektar.
Personelle Veränderungen gibt es in der Zusammensetzung der Verbandsversammlung und auf der Führungsebene. Dazu zählt der turnusmäßige Wechsel an der Spitze: Günther Schartz, Landrat des Kreises Trier-Saarburg, ist ab dem 1. April neuer Verbandvorsteher. Sein Stellvertreter wird der bisherige Verbandsvorsteher Christoph Holkenbrink, Bürgermeister der Verbandsgemeinde (VG) Wittlich-Land. Neues Mitglied der Verbandversammlung ist Christiane Horsch, Bürgermeisterin der VG Schweich. Sie tritt damit die Nachfolge ihres Amtsvorgängers Berthold Biwer an. Ebenfalls neu in der Versammlungsrunde ist Werner Monzel, Ortsbürgermeister der Gemeinde Hetzerath.
Die Mitglieder des Zweckverbands IRT sind die Landkreise Trier-Saarburg und Bernkastel-Wittlich, die Stadt Trier, die Verbandsgemeinden Schweich und Wittlich-Land sowie die Ortsgemeinden Bekond, Hetzerath und Föhren.
Meinung

Ein gesunder Branchenmix
Bei der Gründung des Industriepark Region Trier (IRT) vor zwei Jahrzehnten mögen viele der damals Beteiligten von riesigen Industrieanlagen auf den Flächen zwischen Hetzerath und Föhren geträumt haben. Doch die ganz Großen kamen nicht. Stattdessen geht es heute auf dem Gelände deutlich kleinteiliger, aber auch bunter zu. Wobei der Begriff "kleinteilig" bei einigen IRT-Ansiedlungen verniedlichend klingen mag. Ist die Entwicklung des IRT also fehlgelaufen? Das Gegenteil ist der Fall: Die bunte Vielfalt und der große Branchenmix bedeuten Sicherheit. Denn nichts ist für eine Region wirtschaftlich riskanter als die Abhängigkeit von wenigen Großunternehmen. Opel in Bochum lässt grüßen. f.knopp@volksfreund.deExtra

Der in der Versammlung verabschiedete Haushalt 2012 zeigt weiterhin eine gesunde Entwicklung: Als Einnahmen aus Grundstücksverkäufen sind eine Million Euro veranschlagt. 460 000 Euro stehen für Investitionen in die Infrastruktur (Straßenbau, Bau von Ver- und Entsorgungsanlagen) bereit. Zur Finanzierung der Investitionen wurde ein Zuschuss von 14 000 Euro eingeplant. Der Restbetrag kann durch eigene Einnahmen abgedeckt werden - eine Kreditaufnahme ist nicht erforderliche. Unter dem Strich bleibt sogar ein Überschuss von rund 622 000 Euro. Erfreulich ist auch die Entwicklung des Schuldenstandes: Eine neue Kreditaufnahme ist nicht geplant. Die planmäßigen Tilgungen werden 390 000 Euro betragen. Dadurch reduziert sich der Schuldenstand um 3,3 Prozent von derzeit 11.67 auf 11,28 Millionen Euro. f.k.