Kleinod des Friedhofs

TRIER. Wie ein Klotz am Bein empfand die Buchbinderfamilie Mohr ihre Grabkapelle auf dem Trierer Hauptfriedhof. Der Zahn der Zeit hatte an dem alten Mauerwerk unverkennbar seine Spuren hinterlassen. Die Familie sanierte mit Unterstützung des Landes und der Gesellschaft zur Erhaltung Trierer Kulturdenkmäler die Grabkapelle, die jetzt in neuem Glanz erstrahlt.

Die erste Beisetzung in der Familiengruft auf dem Trierer Hauptfriedhof hatte 1876 stattgefunden, erfuhr Marianne Mohr, Seniorchefin der Buchbinderei Mohr in der Diedrichstraße, vom städtischen Grünflächenamt. Die Eigentumsverhältnisse waren damals allerdings noch andere: Eine alte Unterlage des Amtes dokumentiert, dass eine Franziska Monshausen 1876 in der Gruft auf dem Friedhof "Ruwererstraße" beigesetzt wurde.Marianne Mohrs Nachforschungen ergaben, dass die Grabkapelle am 1. Februar 1876 in den Besitz der Vorfahren ihres verstorbenen Mannes gekommen sei. Sie hatten die Kapelle für 600 Reichsmark erworben.Laut Trierer Denkmalamt reicht das Bauwerk im Spät-Klassizismus bis 1845 zurück. Ein weiteres wichtiges Jahr für die heutigen Besitzer markiert 1910. Damals wurden zwei Familienmitglieder der Mohrschen Vorfahren, Peter Alfons Mohr (18. August) und Maria Mohr geborene Oberhoffer (22. September), in der Gruft bestattet.Einstiegstür können nur Fachleute öffnen

Für Marianne Mohr und ihrem 1974 verstorbenen Ehemann stellte sich Anfang der 70er Jahre die Frage, wie der weitere Verbleib der Grabkapelle aussehen soll. Sie entschieden sich, die heute unter Denkmalschutz stehende Grabkapelle neu anzukaufen, um sich so weitere Beilegungen zu sichern.Unter dem Boden der Gruft befindet sich ein ausgebauter Kellerraum, dessen Einstiegstür allerdings nur mit erheblichem Aufwand, von Fachleuten zu öffnen ist.Die Särge dort müssten besondere Anforderungen erfüllen und innen mit einer Zinkschale versehen sein, erklärt Marianne Mohr.Das Baudenkmal auf dem Trierer Hauptfriedhof kam in die Jahre. Es drohte zwar nicht zu verfallen, aber es nahm mehr und mehr ein unansehnliches Äußeres an. Marianne Mohr blieben zwei Möglichkeiten: Die Gruft verkaufen oder sanieren. "Ich entschied mich für die letztere Variante. Das war doch gar keine Frage", betont sie und freut sich über den guten Abschluss der umfangreichen Sanierungsarbeiten.Restaurierung kostet 16 560 Euro

Die Kosten für die Restaurierung von 16 560 Euro musste die Familie nicht alleine aufbringen. Das Denkmalpflegeamt Rheinland-Pfalz bezuschusste das Projekt mit 5000 Euro. Weitere 2500 Euro schoss die Gesellschaft zur Erhaltung Trierer Kulturdenkmale bei. Fünf Trierer Handwerksbetriebe leisteten ihren Beitrag zum gelungenen Werk.Ergebnis der umfangreichen Sanierung innen wie außen ist ein Kleinod im besten Sinne des Wortes, dass auf dem großen Areal des Trierer Hauptfriedhofs seinesgleichen sucht.