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Kletterkünstler in steilen Moselhängen

Kletterkünstler in steilen Moselhängen

Eine Herde Schweizer Gebirgsziegen ist an der Mosel heimisch geworden. Züchter Joachim Wiese hält die in ihrem Bestand gefährdeten Kletterer zur Beweidung von Weinbergsbrachen bei Ensch. Die sogenannten Pfauenziegen machen ihren Job gut und tragen so zur Erhaltung der Kulturlandschaft bei.

Wenn Joachim Wiese aus Ensch in die Schweiz reist, dann treibt ihn sein Hobby an. Wiese ist jedoch weder Bergsteiger noch Skifahrer oder Wanderer. Was ihn zu den Eidgenossen verschlägt, sind die dort heimischen Pfauenziegen. Der 63-Jährige ist der einzige Züchter dieser großen Gebirgsziegenart in Rheinland-Pfalz. Erst kürzlich erwarb er zwei junge Böcke aus dem Kanton Graubünden für seine Herde im Kirschenberg zwischen Ensch und Schleich. Pfauenziegen bekommen bis zu 1,50 Meter lange Hörner, sie zeichnen sich durch Kletterfreude und Robustheit aus - Eigenschaften, die ihnen auch auf den steilen Weinbergsdrieschen entgegenkommen.
Als Joachim Wiese vor gut zwei Jahren seinen Arbeitskollegen bei der Firma JTI erzählte, er wolle im Ruhestand Ziegen züchten, lachten die ihn aus. "Sie sagten, ich sei verrückt", erinnert sich Wiese, "so ganz unrecht hatten sie ja nicht." Aus der verrückten Idee ist ein ungewöhnliches Hobby geworden, das Wiese ganz in den Bann gezogen hat. Er kennt alle seine 23 Tiere beim Namen, weiß genauestens Bescheid über Befindlichkeiten, Krankheiten, Hygienebestimmungen und Zuchtmerkmale. "Schauen Sie nur den Rahmen und die Hoden von Sam und Merlin", sagt Wiese, und zeigt voller Stolz auf seine Schweizer Jungböcke. Er schätzt, dass sie bei der Körung (sie dient der Auswahl und Bewertung der zur Zucht bestimmten Tiere) die Höchstpunktzahl 9 bekommen, was "erstklassig" bedeutet.
Wieses Ziegenherde sorgt dafür, dass ein knapp sechs Hektar großes früheres Weinbergsareal zwischen Ensch und Schleich nicht verbuscht. Die Tiere bewegen sich geschickt auf dem steilen Terrain, vertilgen Blätter, Gras und Kräuter, schälen die Rinde von Bäumen. Gepachtet hat die ehemaligen Weinbergsflächen Wieses Schwiegersohn Herbert Kuhnen aus Bekond. "Ich bin positiv überrascht", so sein Fazit. Die Ziegen seien vital und erfüllten ihren Zweck hervorragend. Kuhnen wird über das Förderprogramm "Paula" für die extensive Beweidung mit 500 Euro jährlich pro Hektar unterstützt. Die Kosten deckt das nicht. Alleine die Umzäunung mit Strom sei teuer. Gerhard Spieles, bei der VG-Verwaltung Schweich für das Flächenmanagement zuständig, wäre froh, wenn er mehr Hanglagen mit Ziegen, Schafen oder Rindern "kurz halten" könnte (andere Projekte im Extra).
Man müsse die moseltypischen grünen Weinbergshänge erhalten und einer Verbuschung entgegenwirken: "Uns fehlen ortsnahe Landwirte mit entsprechenden Herden und dem Idealismus, das durchzuziehen", sagt Spieles.
Auch "Ziegenvater" Achim Wiese wäre froh, wenn er Nachahmer fände. Starthilfe gibt er gerne. Wer sich für Pfauenziegen interessiert, kann sich auch auf der Internetseite www.ziegen-bekond.de informieren.Extra

In Waldrach (Kreis Trier-Saarburg) werden als Ausgleich für Bauprojekte (Ruwer-Hochwald-Radweg, Windräder) ehemalige Rebhänge in Grünland umgewandelt. Ab Herbst sollen Schafe und Ziegen ein 3,4 Hektar großes Gelände von Hecken, Büschen und Bäumen freihalten. In ehemaligen Weinbergen bei Igel und bei Fusenich/Grewenich hält Bauer Bernhard Heintz aus Liersberg rund 30 Galloways. Dies ist eine Rinderart aus Schottland. Auch bei Fell werden Rinder in der Landschaftspflege eingesetzt. alf