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Klinik-Informationssysteme für die ganze Welt

Klinik-Informationssysteme für die ganze Welt

Mit Agfa verbinden viele Menschen immer noch Filme und Kameras. Doch das Unternehmen hat sich in Krisenzeiten neu aufgestellt und mischt heute auch in der Gesundheitsbranche mit. In Trier arbeiten 200 Beschäftigte und entwickeln Klinikinformationssysteme.

Trier. Für Fotofreunde war Agfa über viele Jahrzehnte einer der größten europäischen Hersteller von Filmen, Kameras, Laborausrüstungen und Diaprojektoren. Als sich das Unternehmen Anfang der 80er Jahre er aus dem Kamerabereich und 2005 aus der Herstellung von Filmmaterial und Fotopapier verabschiedete, sahen viele das Ende des Traditions-Unternehmens gekommen, das 1867 mit der chemischen Produktion von Anilin begonnen hatte. Ein Irrtum. Im Februar 2007 gab das Unternehmen seine Aufteilung in drei Unternehmen bekannt. Eines davon ist die unter anderem in Trier tätige Agfa HealthCare, die erfolgreich Software für den medizinischen Bereich entwickelt und verkauft.
Wenn man Andreas Klüter nach dem Erfolg von Agfa HealthCare befragt, zeigt er stolz auf den Neubau in der Monaiser Straße, der gerade Ende September bezogen wurde. "Jetzt sind die 194 Mitarbeiter endlich unter einem Dach zusammen", freut sich der Niederlassungsleiter.
Auch Altbau wird saniert


Bislang musste ein Teil seiner Mitarbeiter einige hundert Meter entfernt in der Gottbillstraße auf einer angemieteten Bürofläche arbeiten. Aktuell renovieren und modernisieren Bauarbeiter den benachbarten Altbau, der auch künftig mit genutzt werden soll: "Dann stehen uns 3215 Quadratmeter Büroraum zur Verfügung." Ein Rundgang durch das Gebäude zeigt schlichte, aber helle und funktionale Büros. Die Gebäude hat ein Vermieter für das Unternehmen nach dessen Wünschen gebaut und langfristig vermietet. "Räumliche Enge und mangelndes Licht ersticken Freude und Engagement im Beruf. Wo kreativ gearbeitet wird, bedarf es einer hellen und freundlichen Umgebung", umreißt der Diplom-Informatiker seine Vorstellung eines positiven Arbeitsumfeldes. Martina Götz, verantwortlich für Marketing und Information, bestätigt das: "Mit unserer Firmen-Philosophie haben wir Arbeitnehmer zurückgewonnen, die nach Luxemburg abgewandert waren."
Gelungene Mischung


Den Grund sieht sie vor allem in der Motivation: "Die Menschen haben hier viele Freiheiten und einen hohen Gestaltungsspielraum. Hier gibt es weder Scheuklappen noch enge Tätigkeitsfelder. Dazu kommt die Gewissheit, dass wir Systeme entwickeln, die dem Gesundheitswesen und damit dem Menschen dienen."
Die Kunden der Agfa HealthCare sind Krankenhäuser und medizinische Einrichtungen, die für die Erfassung und Bearbeitung von Bildern und Texten hochmoderne IT-Systeme benötigen. Während Agfa bei der diagnostischen Bildgebung auf eigene, über 100-jährige Erfahrungen verweisen kann, schuf erst die 2005 erfolgte Verschmelzung mit dem ursprünglich in Trier beheimateten Unternehmen GWI (Gesellschaft für Wirtschaftsinformatik) den Grundstein für den Erfolg der Agfa HealthCare. Es waren Jörg Haas und Rüdiger Wilbert, die 1990 nach ihrem Studium an der Universität Trier auf der Eurener Flur das Unternehmen GWI gegründet hatten. Sie entwickelten und vermarkteten das Klinik-Informationssystem "ORBIS", das in seiner aktuellen Form heute in mehreren tausend Kliniken in Deutschland, Luxemburg, Österreich und der Schweiz arbeitet. "Hier am Standort Trier wird ORBIS kontinuierlich weiter entwickelt", sagt Andreas Klüter. Dafür stehen ihm gut ausgebildete Mitarbeiter zur Verfügung. "Unsere Software-Entwickler, die etwa die Hälfte unseres Personals ausmachen, kommen zu einem großen Teil von den beiden Trierer Hochschulen, mit denen wir intensiv zusammenarbeiten." Im Bereich "Service & Beratung" arbeiten Ingenieure, Maschinenbauer und Techniker. Hochkarätig besetzt auch der Bereich Produktmanager, in dem unter anderem auch Ärzte und Pflegekräfte aus dem medizinischen Bereich tätig sind. Das Durchschnittsalter am Standort Trier liegt bei 38 Jahren. Stolz verweist der Niederlassungsleiter auch auf die durchschnittliche Betriebszugehörigkeit, die bei achteinhalb Jahren liegt: "Die Fluktuation ist sehr gering." Die Zufriedenheit der Mitarbeiter führt Klüter auch auf einen anderen Faktor zurück: "Wir haben hier eine gelungene Mischung aus gestandenen Mitarbeitern und Berufsneulingen. Im täglichen Umgang profitieren beide Gruppen von einander, was uns sowohl bei der Arbeit wie auch zwischenmenschlich weiter bringt."Extra

Agfa HealthCare ist neben Agfa Graphics und Agfa Speciality Products Teil der Agfa Gevaert Group. Die Gruppe ist weltweit tätig und hat 12 276 Mitarbeiter in Niederlassungen und Vertretungen in über 100 Ländern. Die Agfa HealthCare IT hat rund 7500 Mitarbeiter und Entwicklungsabteilungen in sieben Ländern. Im Laufe der Jahre hat das Unternehmen seine Kompetenz zur Unterstützung seiner Kunden bei der Bewältigung ihrer technologischen Herausforderungen und bei der Umstellung von analogen auf digitale IT-Lösungen erfolgreich unter Beweis gestellt. Agfa HealthCare ist inzwischen ein global führender IT-Anbieter im Bereich der medizinischen Bildgebung und hat weltweit über 2000 Systeme in 1200 Krankenhäusern und 1000 Laboren installiert. In Trier unter anderem bei den Barmherzigen Brüdern und im Evangelischen Krankenhaus. Die Lösungen von Agfa HealthCare kommen in zahlreichen medizinischen Fachbereichen und Abteilungen zum Einsatz, wie in der Radiologie, Kardiologie, Orthopädie, Gynäkologie und auf Intensivstationen. Das Unternehmen gilt auch als Pionier im E-Health-Bereich und führender Anbieter von Lösungen zur Vernetzung von Tausenden von Allgemeinmedizinern mit Gesundheitsdienstleistern. Im Jahr 2011 erzielte Agfa HealthCare einen Umsatz von 1,177 Milliarden Euro. (Quelle: Agfa HealthCare) flo