Klinik will Augennotdienst ausweiten

Klinik will Augennotdienst ausweiten

Bei akuten Augenproblemen müssen Patienten in Stadt und Landkreis unter Umständen weite Fahrten auf sich nehmen: Notdienst hat jeweils nur ein Augenarzt im gesamten Gebiet. Das Trie rer Brüderkrankenhaus würde gerne einen eigenen Notdienst anbieten. Die Kassenärztliche Vereinigung ist dagegen.

Trier. Die Trierer Familie Thome hat es mit ihrer sechsjährigen Tochter im wahrsten Sinne des Wortes schmerzhaft erleben müssen: Samstagabends war Lisa ein Fremdkörper ins Auge geraten. Die Notaufnahmen der Trie rer Krankenhäuser verwiesen die Familie an einen niedergelassenen Augenarzt im Kreis - 30 Kilometer von Trier entfernt. Denn auch das Brüderkrankenhaus mit einer eigenen Augenarztabteilung und rund um die Uhr diensthabenden Augenärzten muss Notfallpatienten an die niedergelassenen Ärzte verweisen. So will es die Vereinbarung mit der Kassenärztlichen Vereinigung, die die niedergelassenen Ärzte vertritt (der TV berichtete).
Um Patienten Odysseen durchs Kreisgebiet zu ersparen, würde das Brüderkrankenhaus Trier (BKT) gerne den eigenen augenärztlichen Notdienst ausweiten. "Wenn uns die Möglichkeit eröffnet wird", sagt BKT-Hausoberer Markus Leineweber. Doch die KV pocht auf das Vorrecht ihrer niedergelassenen Ärzte. "Die Sicherstellung der ambulanten Versorgung liegt bei den niedergelassenen Ärzten und nicht im stationären Bereich", teilt KV-Pressesprecherin Ricarda Busch auf TV-Anfrage mit.
Dabei sind auch einige der niedergelassenen Ärzte unzufrieden mit der Situation: Viele Patienten seien ungehalten, weil sie weite Strecken fahren müssen, und finanziell lohne sich der Notdienst nicht. Die KV hält dagegen: Grundsätzlich sei jeder Vertragsarzt verpflichtet, an 365 Tagen im Jahr 24 Stunden für die Behandlung der Patienten zur Verfügung zu stehen. Wie in Trier und dem Kreis Trier-Saarburg könnten sie sich allerdings zu größeren Versorgungseinheiten zusammenschließen, um die Bereitschaftsdienste aufzuteilen. "Lohnen" könne sich der Bereitschaftsdienst allerdings "per definitionem nicht", erklärt KV-Sprecherin Busch und zieht zum Vergleich die Feuerwehr heran: "Sonst müssten die Feuerwehren regelmäßig Brände legen, um kein Defizit zu produzieren."
Auf die Frage, ob die KV es für vertretbar hält, dass in der 100 000-Einwohnerstadt Trier Patienten mit einem augenärztlichen Notfall bis zu 50 Kilometer zum Augenarzt fahren müssten, geht die KV nicht konkret ein. Immerhin: Zu Gesprächen mit dem Brüderkrankenhaus über eine mögliche Neuorganisation des augenärztlichen Notdienstes in Stadt und Kreis sei die KV bereit.