Klinikum Mutterhaus der Borromäerinnen Trier verabschiedet Geschäftsführer Jörg Mehr

Gesundheitswesen : Ein Manager, der aus freien Stücken geht

Klinikum Mutterhaus der Borromäerinnen Trier verabschiedet Geschäftsführer Jörg Mehr – und weint ihm viele Tränen nach.

Mit Bomben hat das Mutterhaus Erfahrung. Im März 2007 wurde bei Bauarbeiten auf dem Gelände des Klinikums eine brisante Weltkriegshinterlassenschaft gefunden – und nach einer groß angelegten Evakuierungsaktion unschädlich gemacht. Die jüngste „Bombe“ ließ Geschäftsführer Jörg Mehr platzen, indem er vor knapp drei Monaten kündigte; aus persönlichen Gründen. Da gab es nichts zu entschärfen. Überredungsversuche fruchteten nicht. Mehr blieb bei seinem Entschluss. Das Bedauern darüber wirkt weiterhin nach, wie bei der Verabschiedung des 49-Jährigen am Mittwoch deutlich wurde.

Schauplatz des offiziellen Akts mit rund 60 geladenen Gästen: der Römersaal der benachbarten Vereinigten Hospitien. „Bei uns ist immer was los. Alle Räume sind belegt“, erklärte Klinikum-Aufsichtsratschefin Schwester Elisabeth Mues. Was als ein weiterer Beleg für das Wirken des scheidenden Managers gewertet werden darf. Zwölf Jahre stand der aus dem saarländischen Wadern stammende Diplom-Kaufmann in Mutterhaus-Diensten; seit 2011 fungierte er als kaufmännischer Geschäftsführer. Seither wuchs die Zahl der Mitarbeiter um mehr als 1000 auf 2700, die der Betten um 364 auf 1000 und die der Standorte von einem auf drei: Zum Klinikum Mutterhaus gehören heute das ehemalige evangelische Elisabeth-Krankenhaus (Trier-Nord) und das frühere Marienkrankenhaus in Ehrang.

Mehrere Redner würdigten in der vom Ehepaar Anne (Gesang) und Stephan Völpel (Gitarre) umrahmten Verabschiedung Mehrs Wirken, schilderten ihn als Mann von enormer Fachkompetenz und Zielstrebigkeit, als beliebten Chef, der mit allen Mitarbeitern auf Augenhöhe kommuniziert und sie mitreißt. Er hinterlasse ein für die Zukunftsaufgaben gut gerüstetes Mutterhaus. In den Reigen der Danksagenden reihte sich auch OB Wolfram Leibe mit einem Grußwort ein.

Mehr gab den Dank weiter: „Der Erfolg ist Teamleistung.“ Und was macht er künftig? „Nach anstrengenden und aufreibenden Jahren erst mal Pause. Mit fast 50 möchte ich eine neue Balance zwischen Berufs- und Privatleben finden.“ Frau Elke und Sohn Noah wird’s freuen.

Bis ein Nachfolger gefunden ist, fungieren Aufsichtsrat Hans-Joachim Backes und Medizin-Chef Christian Sprenger als Interims-Doppelspitze. Sprenger zeigte sich ebenfalls als Visionär: Er bot dem Krankenhaus der Barmherzigen Brüder an, „gut miteinander zu arbeiten“. Gemeinsam könne man „mit jeder Uni-Klinik in Deutschland mithalten“.

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