Kneipen-Schießerei landet vor dem Kadi

Kneipen-Schießerei landet vor dem Kadi

Weil er in einer Gaststätte im Moselort Leiwen wild um sich geschossen haben soll, muss sich demnächst ein 40-jähriger Mann vor dem Landgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft hat den Familienvater unter anderem wegen versuchten Totschlags angeklagt.

Trier/Leiwen. Es waren Szenen wie aus einem schlechten Wildwest-Film, die sich Mitte September spätabends in einer Leiwener Gaststätte abgespielt haben. Ein 40-jähriger Mann aus dem Ort kommt sich mit drei anderen Gästen in die Wolle, geht daraufhin wutentbrannt nach Hause und kehrt schwer bewaffnet zurück, um für mögliche weitere Auseinandersetzungen gerüstet zu sein. Was nach den Ermittlungen der Trie rer Kriminalpolizei dann folgt, erinnert wirklich an einen Italo-Western: In der Gaststätte geht der Streit der vier angeblich betrunkenen Männer von vorne los. Es bleibt nicht bei verbalen Scharmützeln.

Nach einem Handgemenge fließt Blut: Der 40-jährige Leiwener hat eine Platzwunde am Kopf. Laut Trierer Staatsanwaltschaft zieht der Mann daraufhin seine halbautomatische Pistole und drückt zwei Mal ab. Die Kugeln schlagen in der Wand der Gaststätte ein.

Die nächsten beiden Schüsse soll der Elektromonteur gezielt abgegeben haben - auf den Mann, dem er die blutende Kopfwunde zu verdanken gehabt habe. Beide Schüsse verfehlten jedoch ihr Ziel.

Triers Chef-Staatsanwalt Jürgen Brauer glaubt, dass der Schütze den Tod des Gastes "zumindest billigend in Kauf genommen" habe. Aus diesem Grund muss sich der seit dem Vorfall in Untersuchungshaft sitzende Leiwener demnächst wegen versuchten Totschlags vor dem Trierer Landgericht verantworten.

Nicht der einzige Vorwurf, den die Ermittler dem bis dato unbescholtenen Familienvater machen. Denn in seiner Wohnung und im Auto des Mannes fanden die Beamten ein ganzes Waffenarsenal sowie hochexplosiven Sprengstoff. "Allein die 200 Gramm TNT hätten ausgereicht, um ein ganzes Haus in die Luft zu sprengen", sagen Experten.

Sichergestellt wurden seinerzeit auch eine Maschinenpistole mit 470 Schuss Munition, ein vollautomatisches Militärgewehr mit 96 Schuss Munition sowie zahlreiche andere Gewehre und Pistolen. Auch ein Ninja-Schwert, Schlagringe, Schlagstöcke, Wurfsterne und eine Präzisionsschleuder fanden sich in dem Arsenal.

Lediglich für zwei Waffen habe der Sportschütze eine Waffenbesitzkarte, also eine offizielle Erlaubnis, besessen, sagt Chef-Staatsanwalt Jürgen Brauer am Donnerstag unserer Zeitung. Wie der Leiwener an den Sprengstoff und die Waffen kam, ist nicht bekannt. Laut Brauer hat sich der 40-Jährige bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann neben Totschlagversuch auch schwere Verstöße gegen das Waffengesetz vor.

Der Prozess gegen den Leiwener vor dem Trierer Landgericht ist noch nicht terminiert. Da er in Untersuchungshaft sitzt, dürfen bis zum Verhandlungsbeginn nicht mehr als sechs Monate vergehen. Heißt: Spätestens Mitte März wird der Fall verhandelt. Bei einer Verurteilung droht dem 40-Jährigen eine langjährige Haftstrafe.

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