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Köstlich bis deftig: "Unsen Felix" erinnert sich

Köstlich bis deftig: "Unsen Felix" erinnert sich

Felix Zimmermann und Trier - heute würde man von einer klassischen "Win-Win-Situation" sprechen: Beide profitierten von dieser Beziehung. An seine Zeit als Rathaus-Chef (1980 bis 1989) erinnert sich der heute 78-Jährige in seinem frisch erschienenen Buch "Ein OB tischt auf" - augenzwinkernd und typisch Zimmermann.

Trier/Kassel. Der Titel "Ein OB tischt auf" ist nicht auf Felix Zimmermanns Mist gewachsen. Er ist der Versuch von Verleger Michael Weyand (56), gleich unmissverständlich klarzustellen, dass da jemand seine ureigene Sichtweise ausbreitet, die nicht immer so ganz mit den Erinnerungen von Zeitzeugen übereinstimmt. Zimmermann hatte das Manuskript seiner Trier-Memoiren "Zwischen Marx und Konstantin" betitelt, was, wie er nun einräumt, "vielleicht akademisch anmutet und eher sperrig klingt". Wohl wahr. Zimmermanns Werk ist weitaus mehr Belletristik als ein Elaborat mit wissenschaftlichem Anspruch. Aber, und das macht es spannend und lesenswert, ein äußerst origineller und selbstironischer Beitrag zu einem bedeutenden Kapitel der jüngeren Stadtgeschichte, von dem viele Trierer schwärmen: Das waren noch Zeiten!
Und Typen! Allen voran Felix Zimmermann. Die Idealbesetzung für ein Stadtoberhaupt in den 1980ern, als die 2000-Jahr-Feier Trier international in den Blickpunkt rückte. Keine Cas ting-Show hätte einen geeigneteren Repräsentanten hervorbringen können als ihn, den kunstsinnigen Schöngeist von barocker Statur und weltmännischem Habitus. Es war so, als hätte Trier fast 200 Jahre nach der französischen Revolution wieder einen Kurfürsten. Der Trier inszenierte und sich auch selbst gleich mit.
"Unsen Felix", wie das Volk grammatikalisch unkorrekt, aber liebevoll seinen ungekrönten Stadtchef nannte, kam damals in Ausübung seines Amtes weit herum in der Welt. Deshalb geben sich in Zimmermanns gesammelten Anekdoten texanische Magnaten, Geister in Gloucester, Picassos Friseur und Weimarer DDR-Hardliner die Klinke in die Hand. Ganz selbstverständlich parliert und verhandelt Zimmermann mit Größen wie Kohl, Mitterrand und Reagan und bleibt dabei doch stets der Felix, der nicht versäumt, an einem eisigen Wintermorgen den Männern vom Schneeräumkommando seine Aufwartung zu machen. Und ja: Zwischen all den vielen Reisen und Repräsentationsterminen hat er offenbar auch noch Zeit für Rathausarbeit gefunden.
Und selbstverständlich kommt auch der Gourmet Zimmermann nicht zu kurz. Bisweilen fallen seine Schilderungen deftig aus, meistens aber köstlich. Etwa, wenn er den Leser an einem Dienstessen breughelschen Ausmaßes in Vianden teilhaben lässt.
Zimmermanns Buch ist bereits auf dem Markt, die offizielle Vorstellung aber erst für den 18. Oktober geplant (20 Uhr, Buchhandlung Mayersche Interbook) - mit dem dann 79-jährigen Autoren, der eigens aus Kassel anreisen will, so es seine Gesundheit erlaubt: "Ich freue mich aufs Wiedersehen mit Trier und den Trierern." Danke, gleichfalls!Extra

Felix Zimmermann, geboren am 25. August 1933 in München, wuchs auf am badischen Bodensee und studierte Jura in München und Köln. Nach beruflichen Anfängen als Rechtsanwalt und Justitiar wurde er Leiter der Stadtwerke Trier, dann Direktor der Stadtwerke in Augsburg. Von 1980 bis 1989 war Zimmermann Oberbürgermeister der Stadt Trier und übernahm anschließend den Posten des Hauptgeschäftsführers des Verbands Kommunaler Unternehmen in Köln. Heute lebt er in Kassel. rm.Extra

Felix Zimmermann ,Ein OB tischt auf‘ (144 Seiten, 31 Abbildungen, Paperback), mit einem Vorwort von Hans-Günther Lanfer, ist erschienen im Verlag Michael Weyand (Trier) und für 9,80 Euro im Buchhandel erhältlich.