Kollabierte Kinder beim Trierer Chorfestival: Ordner sollen Sängern Wasserflaschen weggenommen haben

Trier · Große Hitze hat beim Chorfestival Pueri Cantores am Sonntag für einen Großeinsatz von Rettungskräften vor dem Dom gesorgt - volksfreund.de berichtete. Jetzt wird bekannt: Schon bei einer Chorparty in der Arena am Donnerstag kippten Jugendliche um. Für Ärger sorgt nun, wie sich die Ordner der Arena zeitweise verhielten.

Die Chorparty in der Arena am vergangenen Donnerstag: Chorleiter-Legende Robert Sund bringt die Arena zum Singen. Foto: Bistum Trier


Rund 2800 Kinder und Jugendliche strömten am vergangenen Donnerstagabend in die Arena, mehr als 100 Chöre waren mit von der Partie bei der großen Party des deutschen Chorfestivals Pueri Cantores. Unter die jungen Sänger hatten sich auch Bischöfe und Schauspieler gemischt, mit dem Schweden Robert Sund stand ein Star der internationalen Chorleiterszene auf der Bühne. Die Stimmung war ausgelassen und fröhlich, für die meisten war die Fete eines der vielen schönen Erlebnisse, die sie aus Trier mitnahmen.

Doch bei einigen hielt sich die Begeisterung in Grenzen, denn schon an diesem Tag setzte ihnen die Hitze zu. Vonseiten des Bistums war man gewappnet, zwei Sprinter mit Mineralwasser hatte Organisationschef Wolfgang Meyer geordert, neun Europaletten Halbliterflaschen habe man vor der Arena verteilt. Dumm nur, dass viele Flaschen gleich darauf wieder einkassiert wurden - von Ordnern der Arena. Als Meyer wenig später zur Arena kam, schlug ihm denn auch "ziemlich viel Empörung entgegen", erklärte er am Dienstag auf Anfrage. Der Vater eines Chorkindes hatte gegenüber dem TV von Einlasskontrollen berichtet, bei denen Getränke einkassiert worden seien. Auch von etlichen Rettungseinsätzen war die Rede. Wie die Einsatzleitung der Berufsfeuerwehr am Dienstag auf Nachfrage berichtete, mussten 20 Kinder und Jugendliche behandelt werden, vier kamen ins Krankenhaus (siehe Extra).

Wolfgang Esser, Geschäftsführer des Arena-Betreibers MVG Trier Messe- und Veranstaltungsgesellschaft bestätigt, dass es beim Einlass Kontrollen gab. Mindestens eine Flasche hätten die Kinder aber mit in die Halle nehmen dürfen, betont er und ergänzt: "Nur, wer den Rucksack voll hatte, musste abliefern." Die Flaschen habe man sofort an die Festival-Macher weitergereicht. Die Sammelaktion erklärt Esser damit, dass bei Veranstaltungen die Mitnahme von maximal einer Ein-Liter Pet-Flasche erlaubt sei. In der ersten halben Stunde nach Einlass habe man das Ganze "streng" gehandhabt, dann hätten die Ordner ein Auge zugedrückt; "wegen der Witterung und weil wir sahen, dass wir es ja mit einem pflegeleichten Publikum zu tun hatten."

Wolfgang Meyer nahm die Situation anders wahr. Die Kinder und Jugendlichen hätten ihre Rucksäcke vorzeigen und bis auf eine Flasche alle Getränke abgeben müssen. Auch Betreuer, die für die jungen Sänger gebündelt Getränke transportiert hätten, seien betroffen gewesen. Erst als mehrere Kinder aufgrund von Kreislaufschwäche behandelt werden mussten und zusätzliche Rettungsassistenten anrückten, habe die Arena reagiert und ihre Linie geändert. Meyer sagt: "Ich halte das Einsammeln von Wasserflaschen bei kleinen Kindern bei dieser Hitze für einen wirklichen Fehler." Der Organisationschef des Bistums betont aber auch: "Insgesamt hat sich die Arena bei der Chorparty kooperativ gezeigt.

Der Hallen-Manager widerspricht unterdessen Mutmaßungen, die Sammelaktion habe dazu dienen sollen, den eigenen Getränkeverkauf anzukurbeln. Tatsächlich waren während der Party zwei Stände geöffnet, dort gab es Getränke zu "jugendfreundlichen Preisen" (O-Ton Esser). Konkret: 2 Euro für den halben Liter Wasser, 2,50 Euro für Cola und Co. Das Angebot wurde aber kaum angenommen, räumt er ein.Extra: Die Bilanz der Einsatzkräfte

Bei der Chorparty in der Arena wurden am vergangenen Donnerstag zusätzlich zum anwesenden Sanitätsdienst zwei Rettungswagen, ein Notarzteinsatzfahrzeug, ein Einsatzleitwagen der Berufsfeuerwehr sowie ein Rettungswagen und zwei Krankentransportwagen der Schnelleinsatzgruppe angefordert. Dieser größere Einsatz sei notwendig geworden, weil aufgrund der Hitze mehrere Jugendliche fast zeitgleich kollabiert seien, so die Berufsfeuerwehr.

Insgesamt wurden 20 Partybesucher behandelt, vier Jugendliche mussten ins Krankenhaus gebracht werden. Die Beschwerden der Jugendlichen umfassten laut Einsatzleitung überwiegend Kreislaufprobleme, Hitzeerschöpfung, Übelkeit sowie Hyperventilationstetanie. Keiner der Jugendlichen habe sich in einem kritischen Zustand befunden, betont die Feuerwehr.