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Kollektiver Schock in der frühen Abendstunde - Reaktionen aus Trier auf das Wahlergebnis

Kollektiver Schock in der frühen Abendstunde - Reaktionen aus Trier auf das Wahlergebnis

Reaktionen in Trier auf die eintreffenden Wahlergebnisse. Oder: Vom gescheiterten Versuch, bekennende Anhänger der AfD zu finden.

 In der Gaststätte Louisiana herrscht keine Be-, sondern Entgeisterung.
In der Gaststätte Louisiana herrscht keine Be-, sondern Entgeisterung. Foto: Roland Morgen

Mehr, als dass er Thorsten heißt und 25 ist, will er zu seiner Person nicht sagen. Eigentlich will er jetzt gar nichts sagen: "Das Spiel beginnt gleich, und ich hoffe, dass der HSV in Leverkusen gut eins auf die Mütze bekommt. Ich hasse den HSV." Und deshalb ist er im Louisiana am Kornmarkt. Die Sportsbar zeigt Bundesligaspiele live, aber diesmal nicht nur. Eine der großen Leinwände ist für die ARD reserviert und die Berichterstattung zur Bundestagswahl.

Genau deshalb sind René Juchmes (22) und seine Freundin Annika Meyer (20) da. "Wir haben gehofft, dass wir hier auch was vom Wahlausgang mitbekommen." Wenige Augenblicke nach 18 Uhr kommt die erste Prognose - und mit ihr der Schock. "Was? 13,5 Prozent für die AfD? Ich glaube, mir vergeht gerade der Appetit", schluckt Juchmes. Auch Annika Meyer glaubt ihren Augen nicht trauen zu können, erspäht aber doch noch einen für sie positiven Aspekt: "Das Abschneiden der Grünen ist ganz okay."

Wenige Minuten später auf dem Hauptmarkt. Mit Passanten ins Gespräch zu kommen, ist schwierig. "Wahl? Interessiert mich nicht", gibt's gleich mehrfach zu hören, einige Male mit dem Zusatz: "Lassen Sie mich in Ruhe!" Das Publikum am Weinstand, den am Wochenende das Weingut Alfons Rohles aus Fell betreibt, ist freundlicher. Und gesprächiger. Aber keineswegs zufrieden. "20 Prozent für die SPD. Ich bin wirklich entsetzt", sagt Herbert Jakobs (64) aus Konz-Oberemmel, "Aber noch mehr entsetzt bin ich über die AfD." Seine Frau Rosemarie nickt zustimmend: "Genau meine Meinung. Können Sie gerne im TV schreiben."

Eine Lehrerin aus Trier, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen, sondern nur ihr Alter (49) nennen will, sieht im Erfolg der Rechtspopulisten einen "großen Imageschaden für die Bundesrepublik. Ich persönlich schäme mich dafür." Ihr Mann sieht's noch drastischer: "Ich könnte mir das Wahlergebnis theoretisch mit Federweißem schön trinken. Das Geld kann ich mir aber sparen, denn mir ist jetzt schon schlecht. Soeben geworden."
Ebenfalls auf dem Hauptmarkt. Eine junge Frau, vermutlich Studentin, bezeichnet den Stand der (Wahl-) Dinge als "schöne Schei…" Namensnennung: Fehlanzeige. Augenzwinkernde Begründung: "Sonst macht mich die AfD ausfindig und wird mich entsorgen."

In der Fleischstraße: Viktoria Kling (28) hat noch nichts vom sich abzeichnenden Wahlausgang mitbekommen: "Ich habe vier Stunden Autofahrt von Aschaffenburg nach Trier hinter mir." Auf Bitte des TV-Reporters informiert sie sich auf die Schnelle per Smartphone. Reaktion: "Echt schockierend. Dass die AfD in den Bundestag kommt, war ja klar. Aber mit so einem Stimmenanteil? Ich bin bedient."

Augustinerhof. Hans-Peter Simon (62) aus Trier-Ehrang kommt mit vorläufigen Trier-Ergebnissen aus dem Rathaus: "Ich wünschte, es gäbe mehr Eitelsbach auf der Welt." Warum die Erwähnung des Trierer Stadtteils Ruwer-Eitelsbach? "Weil die AfD da nur zwei Prozent gekriegt hat."

Hinweis in eigener Sache: Eine Umfrage, bei der etwa drei Dutzend Leute rein zufällig angesprochen wurden, kann selbstverständlich nicht repräsentativ sein. Auffallend dennoch, dass kein einziger Befürworter der AfD zu finden war oder sich als solcher zu erkennen gab. Immerhin: Thorsten ist am Ende des Tages happy. Denn der Hamburger Sportverein hat bei Bayer Leverkusen 0:3 verloren.