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Kolumne Glaube im Alltag: Erinnerung, die trägt

Glaube im Alltag : Erinnerung, die trägt

Ein reichlich gedeckter Tisch. Köstlicher Lammbraten. Guter Wein, von der Mosel vielleicht. Duftendes Brot. Eine große Runde – Freunde, Familie, Menschen, die mir wichtig sind. Gemeinsam wird gegessen, getrunken, erzählt.

Kinder, die um den Tisch herum toben. Lachen, aber auch andächtige Stille, wenn von denen die Rede ist, die nicht dabei sein können. Ein Festmahl. Feierlich, fröhlich, ausgelassen, voller Erinnerung.- Das ist eines meiner schönsten Bilder. Nicht nur, wenn ich an vergangene Ostertage zurückdenke. Dieses Osterfest wird anders. Wir werden nur im kleinen Kreis feiern können. Vielleicht auch ganz allein. Ich kann es mir noch gar nicht richtig vorstellen. Mich tröstet aber die Erinnerung. Wie schön das war. Als wir das letzte Mal zusammen gegessen und gefeiert haben. – Christinnen und Christen erinnern sich heute an Gründonnerstag an das letzte Zusammensein von Jesus und seinen Jüngern. Es hat Brot und Wein gegeben, erzählt die Bibel. Und Lamm. Mit frischen Kräutern. In der Nacht, in der Jesus verraten wurde. Und doch mit seinen Freunden zusammensaß. Betete. Das Brot mit ihnen teilte. »Das ist mein Leib für euch. Tut das immer wieder zur Erinnerung an mich!« Und nicht nur das Brot – auch den Kelch mit Wein. »Dieser Becher steht für den neuen Bund, den Gott mit den Menschen schließt. Er kommt zustande durch mein Blut. Tut das immer wieder, sooft ihr aus dem Becher trinkt, zur Erinnerung an mich!«- Zur Erinnerung… Auch die Jünger damals trauerten. Und mussten das Alleine-Sein und die Trauer aushalten. Und stärkten sich an der Erinnerung. An dieses besondere Mahl… Und erzählten davon - und von all ihren Begegnungen mit Jesus, die sie im Herzen mit sich trugen. - So mache ich das auch. Wenn ich in diesen Tagen mit meiner Tochter zusammen den Tisch besonders schön decke. Mit bunten Frühlingsblumen vielleicht. Wir unser Lieblingsgericht gemeinsam kochen. Und dabei erzählen von den letzten Malen, als wir… Vielleicht machen wir ein Foto und schicken es an die Großeltern, an Geschwister und Freunde… Und rufen sie an, um zu berichten, dass der Braten, zwar ein bisschen verbrannt, aber doch sehr gelungen sei… Und wir lauschen dem Lachen am anderen Ende der Leitung – andächtig. Und mit dem Herzen voll Erinnerung. Die trägt. Auch und ganz besonders in diesen Zeiten.

Pfarrerin Maike Roeber, Trier