Kolumne Glaube im Alltag : Ungewöhnlich (?) freundlich

Die Leute dort waren uns gegenüber ungewöhnlich freundlich – so berichtet die Apostelgeschichte in der Bibel von einem Gefangenen-Transport mit Schiffbruch: Der Apostel Paulus als Gefangener unterwegs nach Rom zur Hinrichtung wegen Hochverrat.

Unterwegs kentert das Boot im Wintersturm – und die Schiffbrüchigen retten sich nach Malta.

Noch am Strand werden sie freundlich aufgenommen – das war damals so! Auf der Insel gilt diese Szene bis heute als Anfang des maltesischen Christentums – menschenfreundlich war man dort offenbar schon vor der Taufe und ohne von Nächstenliebe und Caritas schon gehört zu haben.

Auch in Trier erinnert das Zitat über die freundlichen Eingeborenen in diesen Tagen an den Geist, in dem Christenmenschen anderen und Fremden begegnen können und sollen; besonders, wenn die Schiffbruch erlitten haben oder auf der Flucht oder sonst in Not sind.

Das Wort „ungewöhnlich freundlich uns gegenüber“ steht andererseits über der Gebetswoche für die Einheit der Christen. Das formuliert noch mal das, was zwischen den Jesusleuten der verschiedenen Kirchen und Konfessionen zumindest gelten sollte: dass sie freundlich zueinander sind. Leider muss daran auch heute noch gelegentlich erinnert werden – weltweit jedenfalls. Immer noch gibt es Kirchen-Männer, die anderen das Kirche-Sein absprechen…

„Führe zusammen, was getrennt ist“, heißt es im Trierer Wallfahrtsgebet; und manchmal fühlt es sich ja so an, als wäre das Gebet hier in Trier schon ziemlich erhört worden. „Katholisch“ oder „evangelisch“: das ist unwichtig angesichts der Not, in der die Welt um uns herum die Christenheit und ihren Einsatz täglich braucht – in Caritas und Diakonie, in der Politik bei der Schaffung von mehr Frieden und Gerechtigkeit. Und als Erinnerung an die Bewahrung der Schöpfung sowieso. Gern auch „ungewöhnlich freundlich“ – gerade heute!

Altfried G. Rempe, Pastoralreferent in Trier