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Kolumne Trierisch balaawern: Sprachlicher Selbstversuch

Kolumne : Sprachlicher Selbstversuch

Heute beginne ich mit einem Kalauer: Früher einmal, als es noch die Hochwaldbahn gab: Kommt ein Bauer mit seinem Söhnchen in Trier zum Fahrkartenschalter und fragt: „Wann geht der nächste Zug nach Hermeskeil?

“ Darauf der Schalterbeamte: „Der geht nicht, der fährt!“ Entgegnet der Bauer: „Nicht der fährt, das Pferd!“

Gesprochen wirkt der Dialog natürlich witziger als geschrieben, denn der Bauer hat natürlich so gesprochen: „Nicht der fährt, das Ferd!“ und die Pointe beruht darauf, dass in unserem Sprachraum der Laut pf regelmäßig wie ein f gesprochen wird. Das gilt vor allem für unsere bürgerliche Umgangssprache, die wir für hochdeutsch halten.

Mal ehrlich, sagen Sie als Trierer, auch wenn Sie „fein“ reden, eigentlich Pfingsten, Pferd und pflücken, oder hört sich das doch nicht eher an wie Fingsten, Ferd und flücken? Sprechen Sie es mal und hören Sie sich zu! Na also! Das hätten Sie selbst nicht gedacht!

Diese flächendeckende Spracheigenheit ist ein untrügliches Zeichen dafür, dass Menschen aus dem moselfränkischen Sprachraum kommen. Warum sollten wir das leugnen?

Jetzt aber zur Mundart: Da gibt es den Laut pf überhaupt nicht. Im ganzen Trierer Wörterbuch gibt es kein einziges Wort, das mit pf beginnt und auch keines, das im Inneren ein pf enthält. Steht nämlich ein pf am Anfang eines Wortes, dann wird es, wie die folgenden Beispiele zeigen, zu einem p: Pfingsten = Pingsden, Pferd = Pärd, Pfennig = Penning und pflücken = plüggen. Steht das pf im Inneren, dann wird daraus bb: Apfel = Abbel, Topf = Döbben, knöpfen = knöbben, und stopfen = stobben.

P.S.

Der Sprach-Missverständnis-Kalauer von oben geht noch weiter. Der Bauer hat ja schließlich auch sein Söhnchen dabei. Nachdem der Bauer den Schalterbeamten belehrt hat, dass es nicht der fährt, sonder das Pferd heißen muss, sagt der Schalterbeamte: „Das ist doch wohl nicht Ihr Ernst!“ Darauf der Bauer: „Nein, das ist unser Peter, der hat nur dem Ernst seinen Mantel an!“

Horst Schmitt

Weitere Kolumnen finden Sie im Buch „Platt ist nicht platt“ von Horst Schmitt, Verlag Michael Weyand, 14,95 Euro.