1. Region
  2. Trier & Trierer Land

Kolumne Trierisch balaawern über Waschmittel

Kolumne Trierisch balaawern : Von der Wäsch obb der Bleich

Heute kommt die Wäsche dank der trickreichen optischen Aufheller strahlend weiß, sogar „weißer als weiß“ aus der Waschmaschine. Fluoreszierende Zusätze im Waschmittel sorgen dafür, dass Mutti keine Sorgen zu haben braucht, dass Papis Oberhemd einen Grauschleier hat.

Grauschleier in weißer Wäsche gibt es heute nicht mehr. Das Thema ist erledigt, aber auch erst seit ein paar Jahrzehnten.

Für meine Großmutter war es durchaus noch Thema, den „Gilb“ aus der Wäsche hinaus zu bekommen. Alle zu ihrer Zeit gebräuchlichen Textilfasern hatten nämlich von Natur aus einen leicht gelblich-grauen Ton, der durch Waschen nicht zu beseitigen war. Wie half sich die kluge Hausfrau? Mit Wäscheblau: Seit dem 18./19. Jahrhundert bis in die 1960er Jahre wurde dem letzten Waschwasser sogenanntes Wäscheblau (Ultramarinblau) in Form von Tabletten oder Pulver zugesetzt. Der einfache Trick des Wäsche-Bläuens bestand darin, dass der blaue Ton den störenden Gelbstich ein wenig kompensierte, und die Wäsche dadurch „weißer“ und frischer aussah.

Dann gab es noch eine zweite Möglichkeit: Die Wäsche von der Sonne bleichen zu lassen! Dazu wurde sie nach dem Waschen noch feucht auf einer Wiese ausgebreitet und dem Sonnenlicht ausgesetzt. In meinem Heimatort Pallien, wo die Wiesen um die Häuser herum knapp waren, ging es zum Bleichen obb de Muusel (an die Mosel).

Eine Randbemerkung: Bis zum Bau der Eisenbahn in den 1860er Jahren hatten die Palliener uneingeschränkten Zugang zum Fluss. Danach war das „Moseldorf“ Pallien fast völlig von der Mosel abgeschnitten.

Außer den nassen Textilien, die in einer Wäschmanndel (Flechtkorb aus geschälten Weiden) an den Fluss getragen wurden, musste auch noch die Gieß (Gießkanne) mit. Mit dieser Gieß wurde die Wäsche regelmäßig besprännzt (bespritzt). Mit Moselwasser natürlich. Diese mühselige Prozedur führte dann tatsächlich zu einer Aufhellung des Gewebes. Die Gieß, die Gießkanne also, schauen wir uns jetzt noch genauer an. Aus kräftigem Zinkblech wurde sie manchmal noch vom Bläschschlääjer (Blechschläger = Blechschmied, Klempner) als Einzelstück hergestellt. Das Wichtigste an ihr ist die Sprännz (der Sprühkopf), die oben auf die Zuuz (den Ausguss) aufgesteckt wird. Für die Gieß gibt es zum Auswechseln verschieden geformte Sprännzen, je nachdem was damit besprännzt werden soll. Die Sprännz muss schön dicht mit der Zuuz abschließen, sonst tröbbst (tropft) sie beim sprännzen.

Gesprännzt wird natürlich nicht nur die Wäsch obb der Bleich (die Wäsche auf der Bleiche), sondern auch der Feuerwehrmann sprännzt mit seiner Sprännz (Feurwehrspritze). Damit es nicht so stöbbt (staubt), wird samstags die Straße vor dem Kehren gesprännzt, und der Zalaot ömm Gaorden (dem Salat im Garten) tut die tägliche Sprännz Waaßer ebenfalls gut.

Und sonntags wird auch gesprännzt, nämlich vom Pastor in der Kirche, wenn er segnend mit dem Weihwasser durch die Kirche schreitet. Da muss man schauen, dass man davon „enn Sprännz möttkriet.“

Weitere Kolumnen finden Sie im Buch „Platt ist nicht platt“ von Horst Schmitt, Verlag Michael Weyand, 14,95 Euro.