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Komik-Kassenschlager und Restposten

Komik-Kassenschlager und Restposten

Der Comedy-Supermarkt öffnete pünktlich, acht Spaß-Artikel waren im Angebot - vom Ladenhüter bis zum Bestseller und ein Sonderpreis. Zum fünften Mal - diesmal im ehemaligen Gemischtwarenladen in der Aachener Straße - konnten Komiker um den Trierer Constantin Comedy Preis kämpfen. Stefan Rosenland (Aachen) traf bei rund 47 Prozent der zirka 600 Zuschauer ins Humor-Zentrum.

Trier. Das wird eine klare Sache, mögen sich die Zuschauer gedacht haben. Die zu treffende Entscheidung wird zwischen schrill (Diva La Kruttke) und derb (Michael Eller), zwischen Salami und Mettwurst fallen. Den Dritten im finalen Einkaufs-Körbchen - Martin Niemeyer mit dezentem Lebens-Destillat - scheinen die Comedy-Kunden gar nicht erst wirklich auf der Rechnung zu haben. Da verteilt die eine als gefallsüchtige Grand Dame und Vollblut-Weib - zugegeben nicht unoriginell - Beitritts-Erklärungen zum Schlampen-Verein, der andere versucht's als Fäkal-Faktotum zum Toiletten-Tarif. Und beide machen damit tatsächlich den Sack in den ersten Runden zu, schieben als Erstplatzierte zur Kasse.

Den Denkzettel erhalten hingegen Ben Drummer, Bruno Kotterer, Ilhan Atasoy und Lorenz Böhme - und einen ihnen gebührenden Platz im Sonderposten-Regal, Haltbarkeitsdatum abgelaufen, zweite Wahl, ausgemustert - und das verdient. Doch die Endabrechnung bekommen auch die vermeintlichen Favoriten im Finale präsentiert.

Denn am Ende schafft es Stefan Rosenland über die Quengelzone hinweg zum Kassenschlager, mit delikatem Komik-Aufschnitt aus dem Feinkost-Regal.

Auch der Bewegungs-Purist und Gesten-Einsparer serviert Toiletten-Geschichten, aber das mit Sinn und Hintersinn, für den großen Genuss im Abgang und das kleine Schmunzeln für zwischendurch.

Da eröffnet er ein skurriles Parallel-Universum, berichtet von den Spielen aus Kindertagen mit WC-Artikeln, da plaudert er über Epiphythen-Bäume, Bauarbeiter-Playmobil-Männchen, die Pate stehen für seine erste Lehrstunde in Arbeitsethik, und über Such-Algorithmen für Unordnungsmenschen. Lakonisch und punktgenau, ohne Übertreibung, mit stoischer Haltung und lethargischem Timbre räumt der 38-Jährige das Feld von hinten auf und macht in Zeiten des Verfalls von Sprache und feinem Hirn-Humor, in denen lauthals krakeelende Massen-Bespaßer Stadien füllen, eine erfrischende Ausnahme.

Nach Matthias Seling, Sebastian Krämer, Tobias Mann und Georg Krächter steht Stefan Rosenland als gebührender Fünfter auf dem Siegertreppchen des Constantin Comedy Preises und als bestes Beispiel dafür, dass sich Qualität - auch wenn sie still und leise daherkommt und Komik nicht unter Gürtellinien-Niveau rutschen muss - am Ende durchsetzt.